Ausbau der Photovoltaik

Landesregierung forciert Solaroffensive für den Südwesten

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Di, 03. Juli 2018 um 20:52 Uhr

Südwest

Die Landesregierung will dem lahmenden Ausbau der Photovoltaik auf die Sprünge helfen. Drei Förderprogramme und fünf weitere Instrumente gehören inzwischen zur sogenannten Solaroffensive.

Deren Stand hat Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Dienstag dem Kabinett und der Presse erläutert. Die Regierung ist guten Mutes – trotz Gegenwinds aus Berlin.

"Baden-Württemberg, wir erleben es ja gerade in diesen Tagen ganz besonders, ist ein Land, in dem die Sonne scheint", erklärte Untersteller mittags im Landtag, vor dessen Türen 27 Grad herrschten. Das Land sei ausgezeichnet geeignet, Strom und Wärme über Solarenergie zu erzeugen. "Wir haben deshalb auch entsprechend ambitionierte Ziele in der Vergangenheit formuliert."

Neue Bundesgesetze stoppten den Ausbau

Unterstellers Kabinettsvorlage zufolge gab es bis zum Jahr 2010 einen exponentiellen Anstieg beim Zubau der Photovoltaikleistung; er betrug zuletzt 1121 Megawatt. Danach sei aber "ein nahezu vollständiger Einbruch" eingetreten. Grund seien die Novellen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Bund.

Einschnitte bei der Vergütung und Belastungen für den Eigenverbrauch haben die Attraktivität von Solarstrominvestitionen genauso geschmälert wie Begrenzungen beim Ausbau von Freiflächenanlagen: 2016 wurden gerade noch 143 Megawatt installiert. Doch 2017 verzeichnete eine zaghafte Trendwende, und Untersteller glaubt an ihre Dauer: Gesunkene Installationspreise für Neuanlagen und niedrige Produktionskosten für den Strom selbst machten Solarenergie wirtschaftlich attraktiv, so der Minister.

Es rechne sich, eigene Photovoltaikanlagen aufs Dach zu setzen, sie mit Stromspeichern zu kombinieren und den Strom dann, anders als früher, selbst zu nutzen. Daher und im Interesse des Klimaschutzes wolle die Landesregierung den Ausbau wieder in Gang bringen – "trotz widriger ordnungspolitischer Vorgaben aus Berlin".

Drei Förderprogramme

Den Kern des Acht-Punkte-Projekts bilden drei Förderprogramme. Das Programm "Netzdienliche Photovoltaik-Batteriespeicher", das Investitionen in Solarspeicher bezuschusst, erfreue sich einer Nachfrage "wie geschnitten Brot", sagte Untersteller. Es wurde am 1. März gestartet. Im Rahmen des Programms "Energieeffiziente Wärmenetze", das schon seit 2016 existiert, wurden bislang 36 Projekte mit insgesamt sieben Millionen Euro gefördert. Für den Wettbewerb "Regionale Photovoltaiknetzwerke" wiederum konnten bis Ende Februar 2018 Anträge eingereicht werden; die ersten Projekte sollen in diesem Sommer starten.

Zu den weiteren Vorhaben der Solaroffensive gehören die Etablierung von Mieterstrommodellen und der Ausbau der Photovoltaik auf landeseigenen Dächern und Flächen. Das Ziel, die 50 000 Quadratmeter aus dem Jahr 2010 bis 2020 zu verdoppeln, wird wohl erreicht: Ende 2017 betrug die installierte Fläche bereits 97 500 Quadratmeter. Bis Ende 2018 soll das Finanzministerium deshalb neue Zielvorgaben für die Zeit nach 2020 vorlegen.