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26. Juni 2012 00:02 Uhr

EnBW-Geschäft

Banker Dirk Notheis gibt seinen Job auf

Im EnBW-Deal war er eher Strippenzieher als Berater des damaligen Ministerpräsidenten. Daraus hat der Banker Dirk Notheis nun Konsequenzen gezogen. Nach Protesten gibt er den Job auf.

  1. Dirk Notheis Foto: dpa

Sechs Stunden lang kämpfte Dirk Notheis im März vor dem Untersuchungsausschuss um den guten Ruf seines Arbeitgebers und gegen die Unterstellung, er habe das Land beim Kauf des 45-prozentigen EnBW-Anteils von der französischen EdF schlecht beraten. Dann jedoch kam der peinliche E-Mail-Verkehr ans Licht, am Montag nun zog Notheis die Reißleine: Der 44-Jährige zieht sich vorerst aus dem operativen Geschäft zurück.

Zunächst wirkte Notheis bei seinen persönlichen Auftritten vor den Parlamentariern noch aalglatt und unangreifbar, seitdem die sich aber auch den Mailverkehr mit seinem Freund Stefan Mappus vorknöpften, ist er richtig in der Bredouille. Die Mails machten deutlich, wer die treibende Kraft hinter dem Deal war und wie sehr der sonst so selbstbewusste, konfliktfreudige und misstrauische Ministerpräsident am Faden seines Freundes aus Junge-Unions-Tagen zappelte.

Allseits war der Zorn groß, wie sehr der Investmentbanker die Politik am Parlament vorbei zu dirigieren vermochte. Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl distanzierte sich am Wochenende deutlich von Mappus und sah das Vorurteil bestätigt, dass die Banken der Politik den Weg weisen. Die Grünen gingen einen Schritt weiter und beklagten sich bei der Bankenaufsicht Bafin. Die möge überprüfen, ob der Deutschland-Chef noch die notwendige Zuverlässigkeit zur Führung einer Bank besitze.

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Notheis und Mappus verbindet eine Männerfreundschaft, aus der die beiden nie ein Hehl machten. Die Nähe, so Mappus, könne ja wohl kein Ausschlusskriterium für eine Zusammenarbeit sein, aus Freundschaften dürfe keinem automatisch ein Nachteil entstehen. Kennengelernt hat man sich in der Jungen Union, wechselseitig half man sich nach oben. Zwar ging der studierte Politologe schon 1999 zu Morgan Stanley, konnte sich aber von der Politik nicht ganz lösen und saß, ganz der Netzwerker, noch im vergangenen Jahr im Vorstand der Südwest-CDU.

Für die Grünen ist die Angelegenheit längst nicht erledigt. Notheis’ Rückzug ändere nichts an der politischen Verantwortung von Ex-Regierungschef Mappus. Ulrich Sckerl, Obmann der Fraktion im Untersuchungsausschuss, fordert von Morgan Stanley eine förmliche Entschuldigung. "Von einer Bank, die in den letzten Jahren aufgrund von Geschäften mit der öffentlichen Hand Millionen verdient hat, muss man nicht nur eine Erklärung, sondern auch eine Entschuldigung für diese peinlichen Missgriffe erwarten."

Sorgen um Notheis’ Auskommen muss sich niemand machen. Allein für den EnBW-Deal strich der bis dato sehr erfolgreiche Banker fast 13 Millionen Euro Honorar für sein Haus ein. "Der hat sich schon Anfang des Jahrtausends gerühmt, er habe finanziell ausgesorgt", meinte am Montag ein ehemaliges Kabinettsmitglied betont unterkühlt.

Autor: Andreas Böhme