Debatte

Bekommt der Ausweis für Behinderte einen neuen Namen?

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mo, 10. September 2018 um 19:54 Uhr

Südwest

Das Sozialministerium will Kritik an Begriffen im Schwerbehindertenrecht aufnehmen und über Lösungsmöglichkeiten nachdenken.

Das geht aus der Antwort auf eine Landtagsanfrage der Emmendinger SPD-Abgeordneten Sabine Wölfle hervor. "Dem Ministerium für Soziales und Integration ist bekannt, dass es aus dem Kreis der Menschen mit Behinderungen Stimmen gibt, welche die Bezeichnung ,Schwerbehindertenausweis’ als diskriminierend oder stigmatisierend empfinden", heißt es zunächst in dem Schreiben, das der Badischen Zeitung vorliegt.

"Es gab auch im Land entsprechende Äußerungen." Für Betroffene, die sich durch die Ausweisbezeichnung auf ihr körperliches Handicap reduziert fühlen, gibt es in anderen Bundesländern schon Lösungsansätze. Hintergrund ist die Initiative einer jungen Schleswig-Holsteinerin: Die damals 14-Jährige hatte sich 2017 einen "Schwerinordnungausweis" gebastelt und war damit zum Medienstar avanciert.

Die Debatte trug Früchte. Hamburg stellte entsprechende Hüllen offiziell zur Verfügung, in diesem Jahr folgten Rheinland-Pfalz und Brandenburg. In Niedersachsen können Schwerbehinderte zwischen den Aufschriften "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" und "Meine Teilhabe" wählen. Die transparenten Hüllen überdecken jeweils den Originaltitel. Der Ausweis selbst wird vom Bund ausgestellt.

Baden-Württembergs Sozialministerium will nun im Landesbeirat für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein Stimmungsbild zum Thema einholen. Die Regierung weist aber auch darauf hin, dass es mangels Rechtsvorschriften jetzt schon jedem frei stehe, Ausweishüllen anzubieten und zu benutzen.

Ob sich auch der Titel des Ausweises selbst eines Tages ändert, hängt von Berlin ab. Die FDP im Bundestag hat beantragt, ihn in "Teilhabeausweis" umzubenennen.

Dem Statistischen Landesamt zufolge lebten Ende 2017 in Baden-Württemberg 943 183 schwerbehinderte Menschen, das ist jeder zwölfte Einwohner.