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19. Juni 2017

Ausbau

Bildungscampus Heilbronn kooperiert mit TU München

Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert 20 neue Professorenstellen.

FREIBURG. Die Dieter-Schwarz-Stiftung, in deren Hintergrund die Discounterkette Lidl steht, baut ihren Bildungscampus Heilbronn weiter aus. Dazu hat sie sich prominenter Unterstützung versichert – die der TU München, die als eine der besten Universitäten in Deutschland gilt. Deren Wirtschaftswissenschaften bauen eine Filiale in Heilbronn auf, ausgestattet mit 20 Professoren, von denen sieben in München angesiedelt sind – finanziert durch die Stiftung.

Lange Zeit hatte der Hochschulstandort Heilbronn wenig Profil. Dann kam der Unternehmer Dieter Schwarz mit seiner Stiftung. Deren ehrgeiziges Ziel ist es seit längerer Zeit, den Heilbronner "Bildungscampus", wie die Ansammlung akademischer Einrichtungen heißt, auf die Kapazität von 10 000 Studierenden auszubauen. Der größte Schritt erfolgte 2014, als die Masterstudiengänge der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) unter dem Namen "Center for Advanced Studies" nach Heilbronn geholt wurden – zuvor eine Außenstelle der Dualen Hochschule in Mosbach. Die Stiftung baute die Gebäude, die staatliche Hochschule zog ein mit ihrem Studienangebot für den dualen Masterabschluss – ohne dass vorerst Mietzahlungen fällig wurden.

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Damit verbunden waren schwere Querelen innerhalb der DHBW, für die sich sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit interessiert hatte. Der seinerzeitige Präsident der Hochschule, Reinhold Geilsdörfer, hatte einen fliegenden Wechsel zum Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung hingelegt. In deren Rahmen ist auch Geilsdörfers Vorgänger Hans Wolff, Gründungspräsident der DHBW, als Aufsichtsrat der 2006 in Heilbronn gegründeten privaten Hochschule "German Graduate School of Management and Law" aktiv .

Nun der nächste große Schritt: Die Stiftung hatte für eine Kooperation in der Ausbildung von Wirtschaftswissenschaftler "auf höchstem internationalen Niveau" Partner gesucht – und sich unter mehreren Bewerbern für die Technische Universität (TU) München entschieden. Deren "international exzellentes Renommee in Forschung und Lehre sowie nachgewiesene Erfolge im Hochschulmanagement" hätten den Ausschlag gegeben, heißt es in einer Presseerklärung.

Wie die Kooperation aussehen soll, wird derzeit wohl noch verhandelt. Es liege noch kein Konzept vor, heißt es aus dem Stuttgarter Wissenschaftsministerium, das bisher das Wachstum des Heilbronner Bildungscampus mit Wohlwollen verfolgt hat – anders als die Dozenten an anderen Standorten der DHBW. Daran scheint sich auch jetzt nichts zu ändern: "Wenn am Ende die Qualität stimmt und der Standort Heilbronn von dem zusätzlichen Bildungsangebot profitiert, wird das Land keine Einwände haben", teilt die Sprecherin des Ministeriums mit.

Klar ist, dass die Schwarz-Stiftung der TU München 20 neue Professorenstellen dauerhaft finanzieren wird, von denen sieben in München und 13 in Heilbronn angesiedelt sind. Die Universität verspricht "eine Topadresse im deutschen Bildungsbetrieb", die sich auf die Bereiche Management digitaler Technologien, Entrepreneurship (deutsch in etwa Unternehmertum) und Familienunternehmen konzentrieren soll. Es wird geschätzt, dass die Stiftung für den Vertrag mit der TU München zwischen zwei und vier Millionen Euro im Jahr ausgibt.

Autor: Wulf Rüskamp