18. Juni 2009 08:25 Uhr

Protest in Freiburg

Bildungsstreik treibt Schüler und Studenten auf die Straße

Der bundesweite Bildungsstreik hat am Mittwoch seinen Höhepunkt erreicht: Mindestens 3000 Demonstranten zogen, bewacht von einem großen Polizeiaufgebot, friedlich durch die Freiburger Innenstadt.

Bildungsstreik in Freiburg: Nach den Reden vor der Uni machten sich die Demonstranten auf den Weg in die Innenstadt. | Foto: Ingo Schneider
Sie forderten unter anderem freien Zugang zu Bildung und weniger Leistungsdruck. Mit dabei waren auch Hunderte Schüler, die nun mit Konsequenzen rechnen müssen.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut": Der beliebte Demospruch war bei dem Zug über den Fahnenbergplatz, das Siegesdenkmal und durch die Kaiser-Joseph-Straße immer wieder zu hören. Mit dabei waren Schüler, Studenten, Vertreter der Gewerkschaften, junge Politiker und Anhänger der linken Szene. Die Studenten in der bunten Masse bezogen das "Bildung für alle"-Motto vor allem auf Studiengebühren und das neue Bachelor- und Mastersystem. Der Rektor der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität, Hans-Jochen Schiewer, zeigte Verständnis für den Unmut der Studierenden: "Der Hochschulbereich ist strukturell unterfinanziert", ließ er mitteilen.

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Los ging’s um zehn Uhr mit einer Kundgebung auf dem Platz der alten Synagoge. Vor Ort waren zu der Zeit schon hunderte Schüler, die für die Demo den Unterricht schwänzten. Im Vorfeld hatten Schulamt und Schulleiter angekündigt, dass niemand vom Unterricht befreit werden würde. Glück hatten diejenigen Jugendlichen, an deren Schulen gestern mündliche Abiturprüfungen stattfanden und der Unterricht deshalb komplett ausfiel, etwa am Rotteck- und am Wentzinger-Gymnasium.

Schüler und Polizisten standen sich friedlich gegenüber. Foto: Ingo Schneider



Wie viele Schüler unerlaubt vom Unterricht fernblieben, konnte gestern noch kein Schulleiter überblicken. Mit Konsequenzen müssen die Schulschwänzer jedenfalls rechnen: "Zwischen Ermahnungen und Nachsitzen" seien die angesiedelt, berichtete Rolf Behrens, geschäftsführender Schulleiter der Freiburger Gymnasien. Entgangene Arbeiten würden mit "ungenügend" bewertet.

Flankiert wurde die Demonstration von einem massiven Polizeiaufgebot. "Es gibt in Freiburg gewaltgeneigte Menschen, die haben sich zwischen die Schüler und Studenten gemischt", sagte ein Polizeisprecher. Man habe nicht gewollt, dass die Demonstration kippe. Trotz einzelner Versuche, die Polizeikette zu durchbrechen, blieb die Stimmung friedlich. Zwei Männer wurden vorübergehend festgenommen. Einer soll die Polizei beleidigt, ein anderer eine Wasserflasche in Richtung Einsatzkräfte geworfen und einen Demonstranten getroffen haben.

Beeinträchtigt war in der Mittagszeit der Verkehr in der Innenstadt. Auf dem Rotteck- und Friedrichring kamen Autos zeitweise nicht durch, in der Bertoldstraße blieben Straßenbahnen stecken. Nach Angaben der Freiburger Verkehrs-AG mussten sie von 12 bis 12.45 Uhr am Theater und am Holzmarkt umsetzen und wieder zurück fahren.

  • Audio: Bildungsministerin Annette Schavan zum Bildungsstreik
    "Die Proteste sind zum Teil gestrig", sagt sie im Interview mit dem
     
 

Autor: dfx, hsp



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