Massiver Datenklau von Politikern und Promis

BKA durchsucht nach Hackerangriff Wohnung eines 19-Jährigen in Heilbronn

Daniel Laufer

Von Daniel Laufer

Mo, 07. Januar 2019 um 12:41 Uhr

Südwest

Jan Schürlein hatte nach eigenen Angaben jahrelang Kontakt zu dem Hacker, der private Daten von hunderten Politikern, Prominenten und Journalisten im Netz veröffentlicht hat. Deshalb soll er in dem Verfahren als Zeuge geführt werden.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat am Sonntag eine Wohnung in Heilbronn durchsucht. Sie gehört dem 19-jährigen Jan Schürlein, der nach eigenen Angaben im Bereich der IT-Sicherheit arbeitet.

Zuerst hatten das ARD-Magazin Kontraste und der rbb über die Razzia berichtet. Schürlein hat sie inzwischen unter dem von ihm angegebenen Klarnamen bei Twitter bestätigt. Dort hatte er schon am Freitag angegeben, den Angreifer, der bei seinen Aktivitäten unter anderem das Pseudonym "_0rbit" nutzte, seit mehreren Jahren zu kennen. Schürlein hat vor der Durchsuchung mit mehreren Medien gesprochen, auch die Badische Zeitung hatte Kontakt zu ihm.

"Ich möchte klar darauf hinweisen, dass ich ausschließlich als Zeuge geführt werde" Schürlein auf Twitter
Noch nachdem der Datendiebstahl im größeren Stil bekannt geworden war, soll er mit dem Hacker geschrieben haben. Als Beleg dafür präsentiert Schürlein in einem Tweet den Screenshot einer Email, die der Angreifer ihm am Freitagnachmittag geschickt haben soll. "Hab Telegram erstmal entfernt, werde auch den PC vernichten, melde mich dann in ein paar Tagen oder so", heißt es darin. Telegram ist eine Messenger-App, die als relativ sicher gilt.
Sensible Daten von Politikern und Promis veröffentlicht: YouTuber will Hacker deutscher Politiker kennen: "Er soll relativ rechts sein"

"Ich möchte klar darauf hinweisen, dass ich ausschließlich als Zeuge geführt werde", schreibt Schürlein bei Twitter. Weder das BKA noch die zuständige Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main wollten Anfragen hierzu beantworten.

Sicherheitsbehörden hatten Schürleins Computer schon im Dezember beschlagnahmt

"Ich bin aktuell nicht zu erreichen, weder per Handy noch auf sozialen Medien", twitterte der 19-Jährige am Sonntagnachmittag. Beamte haben seine technischen Geräte beschlagnahmt. Offenbar nicht zum ersten Mal. "Ich hab seit vier bis fünf Wochen keinen PC, hat der Staatsschutz schon mitgenommen", schrieb er schon in der Nacht auf Samstag. Der Grund hierfür sei aber ein anderer, Schürlein könne dazu "nichts sagen". Er sei "für jemand anderen gehalten" worden.

Anfragen der BZ wollte Jan Schürlein am Montagmorgen nicht beantworten. Er gehört zum Umfeld des ebenfalls 19-jährigen Youtubers und Journalisten Tomasz Niemiec. Dieser hatte der BZ gesagt, er habe "_0rbit" in der Youtuber-Hacking kennengelernt. Niemiec twitterte, bei ihm habe es bislang keine Hausdurchsuchung gegeben.

Schürlein mutmaßt, Unbekannte hätten versucht, ihn anzugreifen

In der Nacht zum Sonntag – also nur wenige Stunden vor der Durchsuchung – sollen Unbekannte einen Stein auf ein Haus in Heilbronn geworfen haben, in dem Schürlein bis vor einigen Jahren gewohnt haben soll. In inzwischen gelöschten Tweets, die auch das Foto eines zerstörten Fensters beinhalteten, mutmaßte er, Unbekannte hätten seine alte Adresse im Internet gefunden.

Bei Twitter behauptete der 19-Jährige, jemand habe ihm gegenüber zuvor einen derartigen Angriff angedeutet – als Folge seiner öffentlichen Aussagen zu "_0rbit". Schürlein hatte sich von dessen Aktivitäten distanziert. "Es ist völlig unklar, ob es einen Zusammenhang mit den Ermittlungen des BKA gibt", sagt Polizeisprecher Rainer Köller.

Innenministerium: Geplante Pressekonferenz war bloß ein "Gerücht"

Innenminister Horst Seehofer hat BKA-Präsident Holger Münch und Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), für den Montag ins Ministerium bestellt, um mit ihnen über den Hackerangriff zu sprechen.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums hatte am Morgen eine Pressekonferenz in Berlin bestätigt, an der Schönbohm teilnehmen sollte. Ein Vertreter des BSI sagte, es habe hiervon keine Kenntnis. Inzwischen heißt es aus dem Innenministerium, es sei keine Pressekonferenz geplant – am Morgen habe allerdings ein "Gerücht" hierzu kursiert.

Eine Sprecherin des BKA hatte gegenüber der BZ zunächst ebenfalls von einer Pressekonferenz am Mittag gesprochen, dies wurde später zurückgenommen.

Mehr zum Thema: