"Bloß kein Tauwetter"

Julia Jacob

Von Julia Jacob

So, 16. Dezember 2018

Südwest

Der Sonntag Schneekanonen bringen den späten Saisonstart auf dem Feldberg zum Laufen.

Die lange Trockenheit hat den Saisonstart auf dem Feldberg um einen Monat im Vergleich zum Vorjahr verzögert. An diesem Wochenende gehen nun acht von 38 Liften in Betrieb, geschneit hat es nur ganz oben und auch dort kann die Pistengaudi nur steigen, weil die Schneekanonen laufen.

Der Feldberg im makellosen Winterkleid, so präsentieren Touristiker den höchsten Gipfel des Schwarzwalds gerne. Verschneite Tannenwipfel, funkelnder Neuschnee und moderne Liftanlagen sollen Lust machen auf den Winterzauber. Anfang Dezember war man von dieser Postkartenromantik allerdings noch weit entfernt. Nach dem trockenen Sommer blieben die Niederschläge auch im Herbst verhalten, nur langsam füllte sich das Speicherbecken am Seebuck mit einem Fassungsvolumen von 5 000 Kubikmetern, aus dem das Wasser für die Kunstschneeproduktion gewonnen wird.

Und jetzt ist es auch schon wieder leer, denn mit der nur 20 Zentimeter dicken Neuschneeauflage alleine wäre der Saisonauftakt kaum geglückt. 10 000 Kubikmeter Kunstschnee haben die 18 Schneekanonen am Seebuck in den vergangenen Nächten auf die Hänge geblasen und die Pistenauflage damit verdoppelt. Nicht überall, sondern eben nur dort, wo es schon eine natürliche Grundlage gibt. Die tieferen Lagen haben das Nachsehen. Aber auch auf der Höhe sind die Möglichkeiten begrenzt, denn maximal können nur ein Drittel der Pisten beschneit werden.

"Solange wir kein Tauwetter bekommen, reicht uns das bis nach Weihnachten", gibt sich Martin Käfer, Betriebsleiter der Feldbergbahn, optimistisch. Vier Mal in einer Saison können Käfer und sein Team, die auch mit zwei Pistenbullis unterwegs sind, das Reservoir anzapfen – vorausgesetzt, es ist ausreichend gefüllt. Bislang war das kein Problem. Doch in einem niederschlagsarmen Jahr wie diesem droht auch diese Quelle des weißen Zaubers zu versiegen. Erschwerend hinzu kommen die Auflagen, die der Naturschutz an ein sensibles Gebiet wie den Feldberg stellt. So darf nur bei Minusgraden Wasser entnommen werden, auch eine Mindestabflussmenge von sechs Litern pro Sekunde in die talabwärts strebenden Bäche muss gewährleistet bleiben. Die Kunstschneereserve darf den Rheinzuflüssen nicht das Wasser abgraben.

Gerne erinnert man sich am Feldberg deshalb an ein Projekt, das Feldbergs ehemaliger Bürgermeister Stefan Wirbser, der diesen Herbst verstorben ist, verfolgte: den Bau eines neuen, größeren Speicherbeckens mit einem Fassungsvermögen von 250 000 Kubikmetern, das es ermöglichen sollte, bereits im Frühjahr einen Vorrat für den Winter anzulegen. Trotz Klimawandel hatte Wirbser mit dem Feldberg Großes vor. Bis ins Jahr 2025 wollte er die Ferienregion zum größten Skigebiet nördlich der Alpen entwickeln, mit zeitgemäßen Lift- und Beschneiungsanlagen und einem ausreichenden Wasservorrat. Jetzt liegt das Projekt auf Eis. Die Neuwahl für das Bürgermeisteramt ist für den 18. Januar angesetzt. Nun fragen sich viele, welche Strategie der Nachfolger im Rathaus verfolgen wird, wenn es um den Wintertourismus geht.

Die Ferienregion hat sich derweil längst darauf eingestellt, dass die Schwarzwaldhöhen eine Ganzjahresdestination für den Tourismus sind. Trotz verspätetem Start ist man bei der Hochschwarzwald Tourismus GmbH mit der Entwicklung der Gästezahlen insgesamt zufrieden. "Wir hatten bislang ein sehr gutes Jahr", sagt Pressesprecher Herbert Kreuz. Vor allem der nahezu wolkenlose Herbst habe viele zusätzliche Tagestouristen angelockt. Und in den Lagen unter 1000 Meter setze man ohnehin schon seit Längerem auf Alternativen zum klassischen Wintersport. Dennoch brauche gerade der Feldberg auch den Schnee, betont Kreuz.

Das Gros der Skitouristen komme meist erst nach Weihnachten in die Feldberger Region, sagt Florian Stoll, Inhaber des Hotel Waldeck in Altglashütten. Die 18 Zimmer seines Hotels seien zu dieser Zeit gut belegt – egal ob die Lifte laufen oder nicht. Die Gäste seien mehr an den umliegenden Weihnachtsmärkten als an den Pisten interessiert. "Aber natürlich haben sie es gerne, wenn es schön weiß ist", so Stoll. Ganz anders sieht dies Doris Wasmer-Mink, die in dritter Generation das Hotel Lawine in Todtnau-Fahl nähe dem Sessellift Rothausbahn betreibt. Sie sei "gewaltig" vom Schnee abhängig. Die Personalkosten seien da, egal ob nun Zimmer belegt sind oder nicht. Von den 18 Zimmern seien für dieses Wochenende bereits im Vorfeld acht gebucht gewesen. Im Laufe der Woche – und mit Hinblick auf die Schneeaussichten – seien sieben davon wieder storniert worden. Wasmer-Mink nimmt es sportlich: "Wir sind es gewohnt, man lebt hier mit dem Wetter."