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15. Juni 2010 15:26 Uhr
Rückblick
Bühlerhöhe: Vom Traumschloss zum Millionengrab
Es war stets die erste Adresse für Superreiche und Top-Prominente in Baden: das Schlosshotel Bühlerhöhe. Nun schließt es seine Pforten – und BZ-Redakteurin Petra Kistler erinnert an die glanzvollen Zeiten der Hotellegende.
Geld spielte keine Rolle. 450 Entwürfe ließ Herta Isenbart anfertigen, bis ihr der Prunkbau gefiel. Mit dem Erholungsheim für zwölf verdiente Generäle der kaiserlich-preußischen Armee wollte sich die Witwe in die besseren Kreise einkaufen. Doch die Dame war geschieden und kam aus einer jüdischen Familie, Kaiser Wilhelm II. lehnte das Geschenk ab. Einmal sah Herta Isenbart ihr Traumschloss hell erleuchtet, dann nahm sie sich – verarmt und verbittert – das Leben. Aus dem Olymp für Generäle wurde die deutsche Hotellegende.
Gustav Stresemann, Carl Bosch und Werner Heisenberg erholten sich im grünen Tann über Bühl, Hitler und Goebbels benutzten die Trutzburg für einen Auftritt: Die beiden redeten so laut auf dem Balkon, dass sich die Gäste beschwerten.
Die Nachkriegsjahre wurden zivilisierter: Gustav Gründgens, Carl Orff und Martin Heidegger erzählten aus ihrem Schaffen. Die Gage: ein Wochenende gratis. Konrad Adenauer war Stammgast auf der Bühlerhöhe, er ließ sogar sein Kabinett nachkommen. Fortan gab sich die Prominenz die Klinke in die Hand: Nobelpreisträger, Könige und Scheichs genossen die Schwarzwaldluft.
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Bei dem legendären Ruf störte es auch nicht, dass das Kleinod in den 70er Jahren zu verfallen drohte: Das Dach war undicht, die Ziegel klapperten, der Wind piff durch die Fenster, aus den verkalkten Armaturen floss nur kaltes oder nur warmes Wasser. Max Grundig, Wirtschaftswundermann und Radio-Millionär, rettete das schließlich das Anwesen. 80 Millionen Mark wollte der Hobbyhotelier investieren, 200 Millionen wurden es am Ende. Und wieder war das Teuerste gerade mal gut genug: 250 Angestellte standen parat, um 240 Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Die Eröffnung wurde mit Pomp und Prunk gefeiert, aber Branchenkenner reagierten auf die Fein-Teuer-Edel-Superlative indigniert: "Luxus, nur am Preisschild gemessen, verkommt zum Neureichen-Etikett", schalt zum Beispiel die FAZ.
Die Zeiten änderten sich und mit ihnen die Gäste. Boris Becker verbrachte dort seine erste Hochzeitsnacht, 2006 schlug das englische Nationalteam ihr Trainingslager auf. Weil die 90 Zimmer und Suiten gefüllt werden mussten, gesellten sich zu altem Geld, neureichen Russen und spendablen Arabern immer mehr Kongressgäste. Da war es nur konsequent, dass Dietmar Hopp, SAP-Gründer und neuer Eigner, das Hotel einer spanischen Kette überließ. Ein 19 Hektar großer Park, ein Luftbad für Nackedeis und eine Lage fernab der Welt lässt sich heute nur schwer vermarkten. Gewinn hat die Bühlerhöhe ohnehin nie gemacht. Am 31. August ist Schluss. Eine Legende wird abgewickelt.
- Aktuell: Schlosshotel Bühlerhöhe macht dicht
Autor: Petra Kistler
