Bürgermeister sieht "Schmähkritik"

Max Schuler

Von Max Schuler

Sa, 05. Dezember 2015

Südwest

Denzlingens Rathauschef fordert Schadensersatz von der Süddeutschen Zeitung.

DENZLINGEN. Denzlingens Bürgermeister Markus Hollemann fordert vom Süddeutschen Verlag 30 000 Euro Schadenersatz wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung und Rufschädigung sowie die Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung. Die Süddeutsche Zeitung dürfe ihm nicht länger attestieren, er sympathisiere mit radikalen Abtreibungsgegnern und christlichen Rechtsradikalen. Notfalls will der ÖDP-Politiker vor Gericht ziehen. Der Verlag will sich nicht äußern.

Hintergrund sind mehrere Artikel, die in der Süddeutschen Zeitung im Januar erschienen sind im Zusammenhang mit Hollemanns Kandidatur für das Amt des Umwelt- und Gesundheitsreferenten in München. Hollemann galt als gesetzt für den Job, er posierte vor dem Münchner Rathaus bereits für die Kameras und deutete in Denzlingen seinen Abschied an.

Einen Tag vor der Wahl veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel, in dem die Autoren Hollemann Sympathien für radikale Abtreibungsgegner attestierten. Begründet wurde dies mit seiner passiven Mitgliedschaft bei dem Verein "Aktion Lebensrecht für Alle", einer Organisation, die sich klar gegen Abtreibungen ausspricht. Da er als Gesundheitsreferent auch für die Schwangerenberatung zuständig gewesen wäre, lief die Opposition im Münchner Stadtrat Sturm. Hollemann zog nach heftigem medialen und politischen Protest seine Kandidatur zurück.

Zuerst wollte Hollemann aus dem Verein austreten, ist letztlich aber Mitglied geblieben, da sich dieser aus seiner Sicht für den Lebensschutz einsetze. Er selbst sei in erster Linie Umweltfachmann. "Alleine die passive Mitgliedschaft reichte der Süddeutschen Zeitung aus, um mir Sympathien für ,christliche Rechtsradikale‘ zu unterstellen und mich innerhalb von einem Tag als Fundamentalisten zu diskriminieren", sagt Hollemann.

Die Zeitung habe dies ohne Tatsachengrundlage getan. Durch die "Schmähkritik" sei eine öffentliche Diskussion über seine Person nicht mehr möglich gewesen. Hollemann sieht sich deshalb auch als Kämpfer für die Meinungsfreiheit.