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27. Oktober 2016 20:40 Uhr

Gesetz in Arbeit

Bund will laute Güterzüge bis Ende 2020 aus dem Verkehr ziehen

Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 laute Güterzüge von den Schienen verbannen und auf diese Weise den Bahnlärm halbieren. Profitieren würden in erster Linie stark befahrene Güterstrecken wie das Rheintal.

  1. Laute Güterwagen sollen verboten werden, um die Akzeptanz der Schiene zu verbessern. Foto: dpa

  2. Eine Frau hält sich die Ohren zu. (Symbolbild) Foto: fotolia.com/style-photographs

Mit dem angestrebten Verbot, das möglicherweise noch in diesem Jahr beschlossen werden soll, folgt die Bundesregierung dem Vorbild der Schweiz, auch wird der Betrieb lauter Güterzüge von 2020 an verboten. Ein entsprechendes Gesetz wird derzeit erarbeitet, heißt es in einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Entsprechende Lärmmessstellen sind bereits installiert und in Erprobung. Mit ihnen lassen sich sogar einzelne laute Wagen innerhalb eines Zuges identifizieren, die die Lärmgrenzwerte überschreiten. Darauf gründen sich bisher schon viele Hoffnungen auf Entlastung am Oberrhein.

Hälfte der Wagen sollte erneuert werden – sonst Verbot

Die Bundesregierung setzt damit eine Zusage aus dem Koalitionsvertrag um. CDU/CSU und SPD hatten vereinbart, fortan nur noch solche Wagen zuzulassen, die aufgrund neuer Technik weniger Lärm verursachen. Damit verbunden war ein Förderprogramm, mit dem seit 2013 die Umrüstung alter, lauter Güterwagen mit neuen Bremssohlen unterstützt wurde. Teil des Programms war zugleich die Mahnung: Sollte bis 2016 nicht die Hälfte aller Güterwagen, die über das deutsche Schienennetz rollen, nachgerüstet sein, werde man ein Verbot erlassen.

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Erst gut ein Viertel der Güterwagen umgerüstet

Nun zeigt sich: Von den 167.000 Güterwagen, die in Deutschland zugelassen und registriert sind, sind erst gut ein Viertel (43.000) umgerüstet. Vorreiter bei der Nachrüstung ist dabei die Deutsche Bahn, die 29.000 ihrer 69.000 Wagen mit neuen Bremssohlen ausgestattet hat. Von den 98.000 Wagen anderer Bahnunternehmen sind erst 14.000 nachgerüstet. Daher jetzt der Schritt, ein Gesetz für ein Verbot zu erarbeiten. Darin wird mit Fahrverbot für Güterwagen gedroht, die einen Lautstärke-Höchstwert überschreiten. Bei Verstößen droht demnach ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

Der Lärm entsteht bei der Bahn beim Kontakt zwischen Schiene und Rad, wenn die Oberflächen rau sind. Diese Rauheiten an der Ablauffläche wiederum werden vor allem durch die konventionellen Graugussbremsen verursacht, die die Laufflächen des Rades beschädigen. Durch Bremsklötze mit anderen Werkstoffen, die sogenannten K- oder LL-Sohlen, kann dies vermieden werden. Dadurch kann der Lärm um acht bis zehn Dezibel reduziert werden, was in der menschlichen Wahrnehmung annähernd einer Halbierung entspricht.

Trassenpreise für laute Güterzüge sollen erhöht werden

In der Antwort auf die parlamentarische Anfrage kündigt der Bund als zusätzlichen Anreiz für eine beschleunigte Nachrüstung an, dass bereits im Dezember die Trassenpreise für laute Güterzüge um drei Prozent erhöht werden. Zugleich hat der Bund die Mittel für den passiven Lärmschutz auf 150 Millionen Euro im laufenden Jahr erhöht.

"Mit dem Fahrverbot für laute Güterwagen setzen wir einen zusätzlichen Anreiz, Altfahrzeuge umzurüsten und schützen die Anwohner von Güterverkehrsstrecken wirksam vor Schienenlärm", teilte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit. So solle die Akzeptanz für den Schienengüterverkehr gesteigert werden. "Für Menschen, die nachts permanent hohen Schalleinwirkungen ausgesetzt werden, sind die Risiken gesundheitlicher Beeinträchtigungen signifikant erhöht", heißt es im Gesetzentwurf.

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Autor: Franz Schmider