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04. Februar 2015

Chance für alternative Bahntrasse

Arbeitsgruppe soll neuen Vorschlag für Müllheim prüfen / IHK für Autobahntrasse im Norden.

FREIBURG. Die Planung für den Ausbau der Rheintalbahn bei Müllheim und Auggen wird nun doch nochmal überprüft. Darauf haben sich Bund, Land und Vertreter der Region verständigt. Zur Diskussion steht dabei auch eine Alternative, die die Bürgerinitiativen vorlegten. Sie sieht eine Tieflage in Teilen sowie eine Verbindung von alter und neuer Strecke mit einer Unterführung vor. Eine Arbeitsgruppe soll bis Herbst die technischen Details ausarbeiten und dem Projektbeirat eine belastbare Kostenrechnung vorlegen.

Der Streckenabschnitt ist weitgehend zu Ende geplant, auch der Projektbeirat wollte sich ursprünglich gar nicht mehr damit befassen. Spät erst kamen aus Müllheim und Auggen Einwände gegen die Trassenführung der Bahn. Ein anderes Detail hingegen wird seit Jahren kontrovers diskutiert: Wie wird die neue Trasse mit der bestehenden verbunden und wie erfolgt die Zufahrt zum Katzenbergtunnel? Die Bahn plant bis heute mit einem niveaugleichen Anschluss über Weichen. Dies hat den eindeutigen Nachteil, dass Züge nicht nur die Trasse in der einen Richtung blockieren, sondern beim Kreuzen auch ein Gleis der Gegenrichtung. Deshalb machen solche kreuzenden Züge das System störanfällig. Verspätungen können sich leicht aufschaukeln. Es erschwert auch das Nebeneinander der Verkehrsarten, speziell einen verlässlichen Takt im Nahverkehr. Vor allem deshalb pochen die betroffenen Landkreise Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald seit geraumer Zeit darauf, dass die Anbindung kreuzungsfrei über eine Unterführung erfolgt. Denn diese erleichtert es, den gesamten Güterverkehr durch den Katzenbergtunnel zu führen und so die Ortsdurchfahrten an der alten Strecke, zum Beispiel Bad Bellingen, zu entlasten.

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Die Frage ist, wer die erheblichen Mehrkosten zahlt

Seit einigen Monaten liegt nun ein Vorschlag der Bürgerinitiativen auf dem Tisch – allerdings sind damit erhebliche Mehrkosten verbunden. Sie wurden bei dem Treffen auf 130 bis 288 Millionen Euro beziffert. Und die Frage steht im Raum, wer diese Mehrkosten trägt. Grundsätzlich zuständig für den Bau von Schienenwegen ist der Bund.

Weil sich das Land bereit erklärte, im Markgräflerland und bei der Umfahrung Freiburg die Hälfte der Mehrkosten für zusätzlichen Lärmschutz zu übernehmen, leiten die regionalen CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordneten daraus die Forderung ab, das Land müsse sich auch in Müllheim hälftig beteiligen. Gegenüber der Badischen Zeitung hatte Landesverkehrsminister Winfried Hermann zuletzt zwar grundsätzliche Gesprächsbereitschaft signalisiert, zugleich aber auf die gesetzlichen Zuständigkeiten und die begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Landes hingewiesen. Im übrigen profitiere vor allem die Bahn, denn deren Betriebsablauf werde deutlich verbessert. Von daher erwarte das Land auch einen Beitrag des Unternehmens, das später von den Trasseneinnahmen profitiere.

Im Streit um die Trassenwahl im Norden, im Abschnitt zwischen Offenburg und Riegel, hat sich die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein für den Neubau der zusätzlichen Gleise an der Autobahn ausgesprochen. Zuvor hatte die Kammer 699 Unternehmen an der Bestandsstrecke sowie neben der Autobahn befragt und ermittelt, inwiefern sie vom Bahnausbau betroffen sind. Dabei habe sich gezeigt, dass bei einem Ausbau der Bestandsstrecke auf vier Gleise wesentlich mehr Betriebe unter Lärm und Erschütterungen zu leiden hätten. Kammerpräsident Steffen Auer drängt aber auf eine baldige Entscheidung, zumal es keine konfliktfreie Variante gebe.

Autor: Franz Schmider