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20. Juni 2013

Das nicht sichtbare Staatsexamen

Freiburger Juristen wollen von der Universität einen Titel.

FREIBURG. Es ist schon ärgerlich: Da studiert jemand sechs Semester irgendein Fach – und dann darf er oder sie für alle sichtbar dem eigenen Namen ein "BA" für Bachelor anhängen. Juristen dagegen studieren zehn Semester oder mehr, legen dann womöglich ein bravouröses Staatsexamen ab – aber der schmückende akademische Titel bleibt ihnen verwehrt. Das wollen zwei Juristen, frisch ins Referendariat gezogen, nicht mehr hinnehmen. Vor dem Verwaltungsgericht Freiburg verlangen sie von der Universität Freiburg, ihnen einen akademischen Titel für ihren Abschluss zu geben.

Die Universität will bisher dem Beispiel anderer juristischer Fakultäten nicht folgen, die ihren Absolventen nach dem erfolgreichen Examen ein Diplom verleihen. Ein solcher Dipl. jur., so die Überzeugung der beiden Kläger, macht sich in den Bewerbungsunterlagen, aber erst recht auf einer Visitenkarte oder gar an der Bürozimmertür weit besser als lediglich der Name. Doch warum sollte man jetzt in Jura das Diplom einführen, fragte die Universitätsvertreterin Ursula Seelhorst am Mittwoch vor Gericht, während sonst das Diplom durch Bachelor und Master ersetzt wird? Den Absolventen des ersten juristischen Staatsexamens einen Master zu geben, gehe auch nicht an, weil ein Master-Abschluss völlig anders konzipiert sei. Und irgendeinen Titel neu zu erfinden, bringe den Juristen auch nichts.

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Doch ein Titel muss sein, sagen die beiden Kläger und ihr Anwalt Frank Hofmann. Denn sonst seien Freiburger Jura-Absolventen benachteiligt, wenn sie sich um Arbeitsplätze bewerben, gerade auf dem internationalen Markt: Da schauten die Arbeitgeber zuerst auf den Titel, dann vielleicht ins Zeugnis. Aber international, hielt Ursula Seelhorst entgegen, seien heute Hochschulabschlüsse erst recht nicht mehr vergleichbar, da müsse sich der Arbeitgeber schon genau anschauen, was denn der Bewerber während seines Studiums gemacht habe.

Das Problem des titellosen Staatsexamens haben auch Lehrer, Pharmazeuten oder Mediziner; angehende Ärzte haben freilich die Chance, mit einer häufig recht leichten Promotion sich den Doktortitel zu holen. Allerdings zeichnete sich in der Verhandlung ab, dass sich das Verwaltungsgericht all dieser Nöte kaum annehmen kann. Verwaltungsgerichtshof und Bundesverwaltungsgericht haben ähnliche Klagen gegen andere Hochschulen abgewiesen. Der Vorsitzende Richter Werner Cordes deutete an, dass die Universität in der Titelfrage Entscheidungsfreiheit habe. Und diese könne möglicherweise nicht einfach mit dem Vorwurf ausgehebelt werden, hier werde mit Blick auf die Praxis anderer Universitäten willkürlich gehandelt. Doch das abschließende Urteil ist erst in 14 Tagen zu erwarten.

Autor: Wulf Rüskamp