"Das wird ein Feuerwerk der Wissenschaft"

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Mi, 12. September 2018

Südwest

BZ-INTERVIEW mit Thomas Jenuwein, Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg.

Heraus aus den Labors, hinein in die Gesellschaft: Max-Planck-Institute geben am Freitag Einblick in ihre Arbeit. Stefan Hupka sprach darüber mit dem Biologen Thomas Jenuwein, Direktor eines der beiden Freiburger Institute.

BZ: Herr Professor Jenuwein, welche Absicht verfolgt Ihr Max-Planck-Tag?
Jenuwein: Wir haben gleich mehrere Jubiläen zu feiern, den 70. Gründungstag der Max-Planck-Gesellschaft, den 160. Geburtstag unseres Namensgebers, Hauptaufhänger aber ist der 100. Jahrestag seines Nobelpreises 1918. Ich glaube, eine so große, deutschlandweite Veranstaltung leistet sich die Max-Planck-Gesellschaft zum allerersten Mal. Der Dialog mit der Öffentlichkeit ist für uns Wissenschaftler extrem wichtig.
BZ: Den gab es nicht schon immer, ist er heute wichtiger als früher?
Jenuwein: Na, so neu ist das für uns nicht. Wissenschaftsmarkt, Auftritte in der Aula, Tage der offenen Tür, Kooperationen mit Schulen – wir tun schon länger viel für den Kontakt mit dem Publikum. Für mich persönlich ist das ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit.
BZ: Und doch macht sich Wissenschafts- und Faktenskepsis breit.
Jenuwein: Leider. Aber gerade in Zeiten schnellen Internets und der Fake News von links und rechts ist es wichtig, dass man seinen Forschungsgegenstand und was daraus wird, solide, fundiert und mit hoher Qualität darstellt. Und dies wollen wir zum Max-Planck-Tag an diesem Freitag erreichen.
BZ: Braucht die Max-Planck-Gesellschaft Werbung – um Nachwuchs oder Geld?
Jenuwein: Nein, aber Qualität zahlt sich auf allen Ebenen aus. Es fällt zwar auf, dass sich die Interessen des Nachwuchses etwas verschoben haben. Aber wenn wir unser Niveau halten, gelingt es uns auch weiter, junge Leute früh an die Forschung zu bringen, ihnen gute Projekte für ihre Doktorarbeiten und Postdoc-Karrieren anzubieten. Wir sind durchaus privilegiert als Wissenschaftler, können mit langem Atem forschen. Allerdings dauert es auch sehr lange heute, bis man in eine gesicherte Wissenschaftlerposition kommt.
BZ: Wie viel Transparenz bei Ihrer Forschung ist möglich?
Jenuwein: Wir werden in kurzen Vorträgen die wichtigsten Kernfragen unserer Forschungen an unserem Institut darstellen, mit Abbildungen und Videos. Es wird ein tolles Feuerwerk der Wissenschaft. Danach kann man direkt mit den Vortragenden ins Gespräch kommen. Unser Institut für Immunbiologie und Epigenetik beherbergt zwei der innovativsten Forschungsrichtungen der modernen Biologie und Medizin. Wir werden zeigen, warum diese Forschung interessant und wichtig ist, was wir gelernt haben und wie es weitergeht. Ich kann es allen interessierten Bürgern nur empfehlen. Die Immunbiologie beschäftigt sich mit den Abwehrmechanismen des Körpers gegen fremde Keime. Sie leistet die größten Beiträge zur Gesundheit des Menschen. Und wir fragen, wie man die Funktion der Abwehr versteht und verstärkt.
BZ: Sie sind international viel herumgekommen. Muss der Forschungsstandort Deutschland sich Sorgen um seine Wettbewerbsfähigkeit machen?
Jenuwein: Ganz klar, nein. Wir haben in Deutschland und Europa Spitzeninstitute, die in der Welt führend sind. Unsere Messlatte sind Harvard, Stanford und die Ivy League. Entscheidend ist, dass man seine Stellen international besetzen muss und kann, dass man die besten Ressourcen zur Verfügung stellt. Dann kann man die besten Leute rekrutieren, aus der ganzen Welt, auch aus Amerika. Spitzenforschung in Deutschland braucht sich nicht zu verstecken.

Thomas Jenuwein (61) ist Direktor am Freiburger Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik. Der Molekularbiologe leitet die Abteilung für Epigenetik.