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06. August 2008 17:06 Uhr

Ungeklärte Morde in der Region

Der Fall Carmen Fuchs: Neue Spur zum Mörder?

Eine junge Frau will nach Hause trampen. Sie kommt nie an. Ein Fußgänger findet später ihre Leiche.In der Serie "Ungeklärte Morde in der Region" begibt sich die BZ auf Spurensuche. Denn in vielen Fällen wird weiter ermittelt – wie aktuell bei Carmen Fuchs.

  1. Foto: Polizei

Ein Arzt aus der Ortenau wird entführt und ermordet. In Rheinfelden verschwindet ein Rentner, seine Leiche wird Wochen später an ein Flusswehr geschwemmt. Eine junge Frau will nach Hause trampen, sie kommt nie an. Bis heute wissen nur die Täter, warum diese Menschen sterben mussten. Die BZ begibt sich in einer Serie auf Spurensuche. Denn es wird weiter ermittelt, wie die aktuellen Ereignisse im Mordfall Carmen Fuchs zeigen.

Es ist Freitagabend, als sich Carmen Fuchs auf den Heimweg nach Kappelrodeck in der Ortenau macht. Sie kommt von einer Diskussionsveranstaltung in Bühl und wird in einem Auto bis Achern mitgenommen. Von dort aus will sie anscheinend auch die letzten paar Kilometer nach Hause trampen. Am Sonntagmorgen entdeckt ein Spaziergänger ihre Leiche bei Achern. Carmen Fuchs, 16 Jahre alt, liegt im Fautenbach. Sie ist ertrunken. Es ist der 27. April 1975. Seither sucht die Polizei ihren Mörder.

Dass die Ermittler nicht aufgeben, zeigt ihr jüngster Schritt: Nach Informationen der BZ haben sie vor wenigen Tagen den elsässischen Mädchenmörder Pierre Bodein vernommen. Ist er auch für den Tod der 16-Jährigen verantwortlich? Die Behörden vermuten einen Zusammenhang: Die Tatumstände sollen den drei Morden ähneln, für die Bodein vor etwa einem Jahr zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde: Sowohl zwei Mädchen im Alter von 11 und 14 Jahren als auch eine 38-Jährige waren 2004 tot an Bachläufen bei Straßburg gefunden worden. Was bei der Befragung herausgekommen ist, darüber halten sich die Behörden bislang bedeckt. "Pierrot le Fou", der Verrückte, wie er im Elsass genannt wird, hat vor Gericht zwar seine Unschuld beteuert, die Jury angesichts der Beweise aber nicht überzeugt. Am 8. September beginnt sein Berufungsverfahren. Bodein hat 35 Jahre seines Lebens in Gefängnissen und geschlossenen Psychiatrien verbracht. 1975 war er 28 Jahre alt.

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Damals wendet sich die Kripo nach knapp zwei Wochen an die Öffentlichkeit. Sie hofft Zeugen zu finden – jemanden, der Carmen Fuchs in der Mordnacht gesehen hat; jemanden, dem eine blutverschmierte Person aufgefallen ist oder ein Auto "mit starken Blutantragungen". Die Staatsanwaltschaft setzt 2000 Mark Belohnung aus, die ZDF-Reihe "Aktenzeichen XY" berichtet. Die Hinweise führen zu keiner heißen Spur.

Heute ruht die Hoffnung der Polizei, den Mord zu klären, nicht nur auf Bodeins Vernehmung. Denn inzwischen sind die kriminaltechnischen Möglichkeiten weit fortgeschritten. Das Landeskriminalamt untersucht derzeit Kleidung und Zigarettenkippen vom Tatort auf DNA-Spuren. Sie könnten nach 33 Jahren zum Mörder von Carmen Fuchs führen.
  • Lesen Sie beim nächsten Mal: Herbert Ulmer treibt tot im Rhein. Die Polizei findet die DNA des Täters, den sie bis heute sucht.
  • Alle bisher erschienen Fälle der BZ-Serie "Ungeklärte Morde in der Region" finden Sie hier

Autor: Simone Höhl