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01. Oktober 2009 00:07 Uhr

SPD-Vorsitz

Der tiefe Fall der Ute Vogt

Die Bundestagswahl und ihre Folgen: Nach zehn Jahren ist Schluss. Im November tritt Ute Vogt nicht mehr als Landesvorsitzende der SPD an. Da stellt sich schon die nächste Frage: Wer übernimmt?

  1. Übernimmt Claus Schmiedel den Posten von Ute Vogt, die bisher die SPD in Baden-Württemberg geführt hat? Foto: dpa

In der Landeshauptstadt lächelt Ute Vogt noch immer von SPD-Plakaten, auf denen sie um die Erststimme wirbt. Doch weil ihr bei der Bundestagswahl am Sonntag nur 18 Prozent der Bürger im Wahlkreis Stuttgart-Süd die Erststimme gegeben haben, macht die echte Ute Vogt dieser Tage ein ernstes Gesicht. Am Mittwoch hat die 44-Jährige in den Parteigremien erklärt, dass sie beim Landesparteitag im November nicht mehr als Landeschefin antritt. Sie wäre wohl auch nicht mehr gewählt worden. Obwohl sie am Sonntag dank der Absicherung auf der Landesliste ihr Comeback in den Bundestag geschafft hat, gilt sie in ihrer Partei als Auslaufmodell.

Wer übernimmt?

Eine Vorentscheidung über die Nachfolge an der Spitze der Südwest-SPD hat der Landesvorstand am Mittwochabend nicht getroffen. Für den Posten werden einige gehandelt: Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel, aber auch sein Stellvertreter Nils Schmid, Generalsekretär Peter Friedrich, Landesvize Peter Hofelich und der Vorsitzende des Finanzausschusses im Landtag, Ingo Rust. Dagegen soll der Freiburger Bundestagsabgeordnete Gernot Erler, der am Sonntag das einzige SPD-Direktmandat in Baden-Württemberg gewonnen hat, keine Ambitionen haben. Der in der Partei sehr beliebte Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner hat sein Desinteresse bereits öffentlich bekundet. Die SPD war bei der Bundestagswahl in Baden-Württemberg von 30,1 Prozent im Jahr 2005 auf nur noch 19,3 Prozent abgestürzt.

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Einst war sie ministeriabel

Wie tief der Fall von Ute Vogt ist, zeigt der Blick zurück. Es ist noch gar nicht lange her, da galt die Kurpfälzerin in Berlin als Kandidatin für fast jedes Ministeramt. Mit 30 kommt sie 1996 in den Bundestag, mit 35 wird sie SPD-Landeschefin. 2001, als sie in Baden-Württemberg mit 36 Jahren den altväterlichen Regierungschef Erwin Teufel herausfordert, gilt sie noch immer als das "frische junge Mädle", das den Gegner alt aussehen lässt. Sie fährt im schwarzen Stammland satte 33 Prozent ein. Damit wird sie nicht Ministerpräsidentin, aber doch Hoffnungsträgerin der Genossen. Bundeskanzler Gerhard Schröder erhebt sie zur "Führungsreserve erster Klasse". Vogt wird Staatssekretärin bei Innenminister Otto Schily, 2003 auch Bundes-Vize der SPD.

Ab 2006 ging es bergab

Dem Aufstieg folgt der Fall. 2006 will sie erneut Ministerpräsidentin werden. Doch ihre Partei stürzt auf 25 Prozent ab. Am Wahlabend denkt sie ans Aufhören. Sie macht weiter, sogar als Fraktionschefin im Landtag. Dort findet sie mehr Kritiker als Freunde. Anfang 2008 gibt sie den Fraktionsvorsitz entnervt auf, hält aber am Landesvorsitz fest und versucht ihr Comeback in den Bundestag. Das glückt dank dem ersten Platz auf der Landesliste. Doch mit 18 Prozent Erststimmen in Stuttgart und 19,3 Prozent Zweitstimmen für die Südwest-SPD kann sie die Rolle der Hoffnungsträgerin endgültig nicht mehr besetzen.

Autor: Roland Muschel