28. November 2008

Der vergessene Partner in Afrika

Die Menschen im bettelarmen Burundi sind auf Hilfe angewiesen – auch aus dem Partnerland Baden-Württemberg. | Foto: dpa
STUTTGART. . Burundi ist ein kleines, dicht besiedeltes Land im Osten von Afrika. Eigentlich ist das 8,4 Millionen Einwohner zählende Land seit 1985 offizieller Partnerstaat von Baden-Württemberg. Doch die Bande nach Stuttgart wurden 1993 jäh unterbrochen, weil in Burundi nach einem Bürgerkrieg das Militär herrschte. Die Wiederbelebung der Partnerschaft stockt – obwohl das afrikanische Land dringend Hilfe braucht.

Es sei höchste Zeit für ein intensiveres Engagement des Landes, sagt die Grüne Landtagsabgeordnete Gisela Splett aus Karlsruhe. 2006 erstmals ins Stuttgarter Parlament gewählt, engagiert sich die Geo ökologin seit fast zwei Jahren für den ehemaligen Kolonialstaat Burundi, den sie während ihres Studiums intensiver kennengelernt hatte. Doch ihre Bemühungen hatten bislang wenig Erfolg. Und dies, obwohl Ende vergangenen Jahres der Landtag auf Antrag von CDU und FDP einstimmig eine Erneuerung der Entwicklungszusammenarbeit beschlossen hatte. Im Sommer 2008 sollte wieder eine Delegation in die Hauptstadt Bujumbura fliegen. Staatsminister Willi Stächele sollte diese anführen, doch dessen Wechsel ins Finanzressort kam dazwischen. Die Reise wurde in den November verschoben, neuer Delegationsleiter sollte nun Agrarminister Peter Hauk sein – doch auch dieser Termin ist geplatzt.

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1985 hatte Baden-Württemberg rege Kontakte nach Burundi geknüpft, das früher zu Deutsch-Ostafrika gehörte und danach belgische Kolonie wurde. Mit Geld und personeller Hilfe wurden medizinische Ambulanzen, der Bau von Schulen und ein nachhaltig wirkendes Handwerk sprojekt gefördert. Als die politischen Kontakte nach 1993 immer schwächer wurden, blieben rund 15 kirchliche und kommunale Initiativen aus dem Südwesten in Burundi aktiv – und das bis heute. Auf dieser Basis veranstaltet die Stuttgarter Stiftung Entwicklungszusammenarbeit einmal im Jahr ein Burundi-Treffen. Die Politik hält sich inzwischen weitestgehend heraus.

Der frühere Landtagspräsident Erich Schneider (Backnang) hält, wenn es um das kleine ostafrikanische Land geht, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: "Es gab Zeiten, zu denen sich Regierung und Landtag sehr um Burundi gekümmert haben", sagt der heute 75-Jährige. Schneider war selbst erstmals 1985 in Burundi und würde sich neue Kontakte der Verantwortlichen im Land nach Ostafrika sehr wünschen. Er selbst hat trotz Bürgerkrieg, Militärdiktatur und Massakern zwischen Bevölkerungsgruppen seine seit 1985 bestehenden Kontakte nach Burundi nie abbrechen lassen.

Im Januar war die Landesregierung nicht bereit, den burundischen Bildungsminister Saidi Kibeya zu empfangen. Sogar Bundespräsident Horst Köhler hatte jüngst Ministerpräsident Günther Oettinger quasi ermahnt, die Partnerschaft mit Afrika zu pflegen.  

Autor: Stefan Jehle



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