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04. Juni 2010
"Die Vorwürfe sind haltlos"
Erzbischof Zollitsch wehrt sich gegen den Verdacht, Beihilfe zum Missbrauch geleistet zu haben.
FREIBURG. Die Vorwürfe sind nicht neu, dennoch haben sie in den vergangenen zwei Tagen für viel Aufregung gesorgt. Seit Mittwoch wird gegen Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch ermittelt. Der Vorwurf: Als Personalreferent der Erzdiözese habe Zollitsch 1987 einen übergriffigen Pater erneut angestellt. Das Ordinariat Freiburg weist dies als haltlos zurück.
Hintergrund ist die Strafanzeige eines Missbrauchsopfers. Der heute 53-Jährige Peter P. (der Name ist der Redaktion bekannt) wurde als Neunjähriger in der Klosterkirche Birnau am Bodensee von dem Zisterzienserpater Gregor M. missbraucht.Er ist nicht das einzige Opfer. Der Pater wurde jahrzehntelang von Einsatzort zu Einsatzort weitergereicht – von der Klosterschule Mehrerau bei Bregenz in die Wallfahrtskirche Birnau, von dort in die Pfarrei Baden im Bistum Basel, später ist er erneut für zwei Jahre im Kloster Birnau. Bis März 2010 arbeitet Gregor M. als Seelsorger in Schübelbach im Kanton Chur. Obwohl zumindest das Bistum Basel seit 1971 von den Übergriffen in Mehrerau und Birnau wusste, hatte der Pater weiter Kontakt zu Kinder und Jugendlichen. Soweit ist die Geschichte unstrittig.
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Doch wer trägt die Verantwortung dafür, dass der Pater sich von 1987 bis 1992 erneut in Birnau aufhielt? Nach Ansicht von Peter P. ist die Antwort klar: "Verantwortlich ist Robert Zollitsch. Als damals zuständiger Personalreferent der Diözese hätte er wissen können und wissen müssen, wer in Birnau eingesetzt wird."
Die Erzdiözese weist dies zurück. Erst durch die Anzeige von Peter P. im Dezember 2006 sei bekannt geworden, dass es in den 60er Jahren mindestens einen Fall von sexuellem Missbrauchs in der Wallfahrtskirche Birnau gab. Das Erzbistum habe den Orden eingeschaltet und den damaligen Abt auf die Konsequenzen hingewiesen. Zollitsch habe weder von einem erneuten Einsatz des Paters in Birnau gewusst noch einen solchen Einsatz veranlasst, wie es in der Anzeige heißt. Eine solche Anstellung beim Erzbistum habe es nicht gegeben.
Unterstützung bekommt Zollitsch von Abt Anselm von der Linde, der seit einem Jahr die Abtei Wettinger-Mehrerau leitet. Zollitsch werde völlig grundlos mit dem sexuellen Missbrauch in Verbindung gebracht, "den ein Mitglied unseres Ordnens vor rund 30 Jahren begangen hat", heißt es in einer Stellungnahme. Der Klostervorsteher räumte einen nicht adäquaten Umgang des Ordens mit Tätern und Opfern ein. Für die Mitglieder der Gemeinschaft sei kirchenrechtlich allein der Abt zuständig. Der Orden unterstünde nicht dem Bischof, sondern dem Papst.
Kirchenrechtler wie der Freiburger Gerd Bier sehen dies genauso: Zollitsch sei für die Seelsorge in der Birnau weder als Personalreferent noch als Erzbischof zuständig gewesen.
Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt seit Ende April gegen den heute 69 Jahre alten Pater, der sich an einem unbekannten Ort aufhält. Mit der Anzeige gegen Zollitsch wollte Peter P. wohl den Druck erhöhen. Ende 2010 verjähren mögliche Übergriffe aus dem Jahr 1982.
Autor: Petra Kistler
