Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. März 2017 19:38 Uhr

Emmendingen

Dienstwaffe als Tatwaffe: Polizist tötet Frau und sich

Ein Polizist aus Emmendingen hat mit seiner Dienstwaffe offenbar zunächst seine Ehefrau, den gemeinsamen Hund und dann sich selbst getötet. Als Motiv vermutet die Polizei Beziehungsprobleme.

  1. Polizeisiegel an der Wohnungstür des Ehepaares in Emmendingen Foto: Lena MArie Jörger

Es ist ein Kollege des 58-jährigen Polizeibeamten gewesen, der die grausige Entdeckung machte. Die beiden waren verabredet gewesen. Als der Mann nicht erschien, begab sich sein Kollege am Freitag zum Haus des Paares, um nach dem Rechten zu sehen. Beim Blick durch ein Fenster entdeckte er den Mann leblos auf dem Boden und wählte den Notruf. Die Feuerwehr rückte an und brach die Haustür auf. Was sich in dem Wohnhaus des Ehepaares genau abgespielt hat, dazu macht die Polizei keine näheren Angaben. Fest stehe, dass die Leichen Schussverletzungen aufwiesen. Neben ihnen wurde die Dienstwaffe des Mannes gefunden. Sie ist die Tatwaffe.

Dienstwaffe daheim erlaubt

Grundsätzlich sei es Polizisten unter gewissen Beschränkungen erlaubt, Dienstwaffen mit nach Hause zu nehmen, so Polizeisprecherin Laura Riske. Dafür gebe es eine Einsatzanordnung. Wer eine Dienstwaffe trägt, darf weder Medikamente noch Alkohol konsumieren. Die Waffe in der Freizeit auf öffentliche Veranstaltungen mitzunehmen, sei auch nicht erlaubt. Wer seine Dienstwaffe zu Hause aufbewahren wolle, müsse "durch geeignete Maßnahmen sicherstellen", dass kein Unbefugter herankommt. "Waffen und Munition sind zum Beispiel zu trennen", erklärt Riske. Sie betont, dass die meisten Polizeibeamten ihre Waffe auf der Dienststelle in speziellen Waffenschränken aufbewahrten. Die Mehrheit ziehe sich vor Dienstbeginn beziehungsweise Dienstschluss um und lasse daher die Waffe auf der Dienststelle.

Werbung


Die meisten Tötungsdelikte geschehen mit illegalen Waffen

"Obwohl Polizisten leichter an eine Waffe herankommen, haben wir keine Hinweise, dass sie häufiger an sogenannten erweiterten Suiziden beteiligt sind", sagt Dietmar Heubrock vom Institut für Rechtspsychologie an der Universität Bremen. Bei einer solchen Tat tötet der Täter oft ein Familienmitglied und dann sich selbst. "Über 95 Prozent aller Tötungsdelikte geschehen ohnehin mit illegalen Schusswaffen." Die deutsche Regelung, dass Waffenbesitzer Waffen und Munition in verschiedenen Schränken aufbewahren und die Schränke noch dazu unterschiedliche Schlüssel haben müssen, hält Heubrock für einen geeigneten Schutz vor Kurzschlusshandlungen. "In der Schweiz, wo die Wehrpflichtigen ihre Waffe auch im Kleiderschrank verstauen dürfen, kommt es etwas häufiger zu solchen Taten", sagt Heubrock. "Insgesamt sind sie aber außerordentlich selten."

Spontane Taten selten

Jedes Jahr gebe es bundesweit 70 bis 100 derartige Fälle, sagt Dietrich Oberwittler, Professor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Er geht allerdings davon aus, dass spontane Taten selten sind. Der Täter handele meist überlegt und habe die Tat lange geplant. In der Regel stauten sich Beziehungs- oder andere Probleme über Jahre auf, meist seien diese Schwierigkeiten vielschichtig. Dann reiche oft ein kleiner Anlass, damit es zu Gewalt komme. Oberwittler arbeitet an einer Studie über Fälle erweiterten Suizids. Dafür wertet er deutschlandweit Fälle zwischen 1995 und 2005 aus.



Für die Freiburger Polizei ist es das zweite tödliche Familiendrama innerhalb von rund einer Woche. Erst am vergangenen Wochenende hatte es in Freiburg-Ebnet einen ähnlichen Fall gegeben (Hintergrund): Dort hatte ein 51-Jähriger seine 50 Jahre alte Lebensgefährtin erschlagen und dann Suizid begangen.
Studien zeigen, dass es nach Berichterstattung über Suizide oft Nachahmungstaten gibt. Deswegen berichten wir in der Badischen Zeitung in der Regel nicht über Suizide - außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie sich in einer akuten persönlichen Krise befinden und Hilfe brauchen, wenden Sie sich an die Telefonseelsorge unter den kostenlosen Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 oder an den Arbeitskreis Leben.

Mehr zum Thema:

Autor: Lena Marie Jörger, Annemarie Rösch, dpa