Luftsport

Drohnen am Himmel: Modellflieger gegen neue Gesetze

Jens Kitzler (Der Sonntag)

Von Jens Kitzler (Der Sonntag)

So, 12. Juni 2016 um 15:13 Uhr

Südwest

Drohnen erobern den Himmel – und weil es zu immer mehr Zwischenfällen kommt, fürchten sich Südbadens Modellflieger. Werden sie die Verlierer sein, wenn schärfere Gesetze kommen?

Ferngesteuerte Multicopter, im Volksmund Drohnen genannt, werden immer erschwinglicher, also summen am Himmel immer mehr der Dinger herum. Damit steigt die Zahl der kritischen Situationen mit Drohnen. Im Gebiet des Freiburger Regierungspräsidiums gab es den jüngsten Problemfall vergangene Woche: Da hatte es ein Fernsteuerpilot geschafft, seinen Rotorflieger auf der Spitze des 240 Meter hohen Aufzug-Testturms im schwäbischen Rottweil abstürzen zu lassen. Gegen den 48-jährigen Piloten wird nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Änderung der Luftverkehrsordnung betrifft auch Modellflugzeuge

Weil Zwischenfälle mit Quadcoptern häufiger werden, hat das Verkehrsministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) eine Änderung der Luftverkehrsordnung angekündigt. Was genau in der Novelle stehen wird, ist noch nicht klar. Allerdings bezieht sich ihr Inhalt auf kleine unbemannte Fluggeräte - und darunter fallen auch Modellflugzeuge, wie sie von Dutzenden Modellflugvereinen gestartet werden. Erschreckt hat die Modellflieger vor allem eine Idee, die im Ministerium kursiert: eine Beschränkung der Flughöhe auf maximal 100 Meter.

Deswegen steht auf der Homepage der Luftsportgruppe Kaiserstuhl der Satz "Der Modellflugsport in Deutschland steht vor dem Aus!" Rund 80 Mitglieder hat der Verein, und für Laien sei gesagt: Die Geräte, mit denen die Fernsteuerpiloten dort fliegen, haben nichts zu tun mit kleinen Summern, die Schüler im Park steigen lassen. Es geht um Maschinen, die teils die Ausmaße eines Esstischs haben. Die 100-Meter-Grenze lassen sie schnell hinter sich, nicht nur die motorisierten Geräte.

Die 100-Meter-Grenze ist schnell überflogen

"Die Segelflieger", sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Jenne, "die haben zwischen fünf und sieben Meter Spannweite. Sie steigen mit der Thermik, und das geht ab 100 Metern Höhe überhaupt erst los". Das andere Extrem sind ferngesteuerte Flugzeuge mit echten Strahltriebwerken. Die, erläutert Jenne, erreichten Geschwindigkeiten zwischen 200 und 300 Stundenkilometern. Da ist die 100-Meter-Grenze flugs überflogen. Und selbst die Piloten ferngelenkter Hubschrauber stießen in diese Regionen vor.

Die Flieger vom Kaiserstuhl stellen keine Ausnahme dar. Beim Verein Breisgauer Modellflieger prangt der "Hände weg von meinem Hobby"-Sticker auf der Webseite, unter diesem Slogan protestiert der Deutsche Modellflieger-Verband mit seinen 87.000 Mitgliedern gegen die Gesetzesreform. Bei der Modellfluggruppe Wehr findet sich kein Protest. "Aber das wird noch kommen", sagt Vereinsvorstand Thorsten Stocker, der die Pläne der Regierung ablehnt. "Das würde bei uns den gesamten Modellsport betreffen."

Steckt anderes dahinter?

Dass sie vom Verkehrsminister in einen Topf mit den Drohnenpiloten geworfen würden, gefällt den Luftsportlern nicht. Sie flögen auf festen Flugplätzen mit behördlichen Aufstiegsgenehmigungen, erklärt Thomas Jenne. Und die Drohnenflieger, die für Ärger sorgten, hielten sich einfach nicht an die bereits bestehenden Gesetze. Die, sagen die Flieger, reichten eigentlich völlig aus, weswegen man hinter dem Vorgehen des Verkehrsministeriums andere Absichten vermutet: "Es ist zu vermuten, dass die einen Flugkorridor für gewerbliche Drohnen einrichten wollen". Denn auf so etwas warten Amazon, DHL und Co., die aus der Luft liefern wollen.

In Südbaden waren kritische Situationen mit Drohnen bislang selten. Im Polizeipräsidium Freiburg registrierte man 2015 Meldungen in zweistelliger Höhe, meist riefen verunsicherte Bürger an, ohne dass tatsächlich etwas vorgefallen war. Beim Regierungspräsidium Freiburg, das die Einhaltung der Luftverkehrsordnung überwacht, betrafen angezeigte Verstöße vor allem gewerbliche Flüge, die ohne Genehmigung stattfanden.

Aufregendster Fall in Freiburg: Drei Sichtungen möglicherweise kamerabewehrter Drohnen über der deutschlandweit einzigartigen Damenabteilung des Loretto-Freibads. Die Piloten wurden nie ermittelt.
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 12. Juni 2016 in der Wochenzeitung "Der Sonntag".

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