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11. November 2008 17:26 Uhr

Gender-Index im Internet

Ein Bilderbuch der Ungerechtigkeit

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen funktioniert nicht überall gleich. Diesen Schluss lässt jedenfalls das neue Internetportal www.gender-index.de zu, das statistische Daten zur Chancengleichheit beider Geschlechter in anschaulichen Grafiken präsentiert.

So lassen sich Bestandsaufnahmen von der Bundesrepublik im Großen machen. Eine Karte zeigt etwa, dass in Westdeutschland deutlich mehr Männer erwerbstätig sind als Frauen, während dieses Verhältnis in Ostdeutschland viel ausgewogener ist. Die Diagramme für die 44 Kreise und Städte in Baden-Württemberg zeigen zum Beispiel, dass es in Freiburg mehr männliche Langzeitarbeitlose gibt als weibliche und dass die Politik in der Region insgesamt deutlich von Männern dominiert wird.

19 solcher Indikatoren aus den Bereichen Bildung, Arbeit, Einkommen und politische Mandate werden analysiert. Einfach die Kommune oder den Kreis aus einer Liste auswählen, schon erscheint ein Diagramm: Rote Balken zeigen an, dass Frauen benachteiligt oder unterrepräsentiert sind, sie schlagen fast überall an den gleichen Stellen aus: bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, bei der Existenzgründung und beim Anteil an politischen Ämtern. Blaue Balken in die andere Richtung signalisieren Nachteile für Männer, etwa dass sie in Freiburg – wie so ziemlich überall – schlechtere Schulabschlüsse machen als die Frauen.

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Die 19 Indikatoren ergeben zusammen den so genannten Gender-Index. Je niedriger dieser ist, umso höher ist die Chancengleichheit von Männern und Frauen. Die Werte schwanken bundesweit von 12,5 für Bitterfeld in Sachsen-Anhalt bis 32,1 für Bitburg-Prün in Rheinland-Pfalz.

Freiburg und Tübingen (beide 15,5) haben demnach die höchste Chancengleichheit in Baden-Württemberg, gefolgt von den Landkreisen Emmendingen (20,5), dem Ortenau (21), Lörrach (21,5), Breisgau-Hochschwarzwald (23,3) und Waldshut (23,8). Drittletzter in Deutschland: der Kreis Sigmaringen. "Im pauschalen Vergleich schneidet der Norden etwas besser ab als der Süden", sagt Katrin Meyer, eine der maßgeblich involvierten Regionalforscherinnen. Die 42-Jährige hält aber grundsätzlich weniger von Ranglisten als von differenzierten Blicken in die einzelnen Städte und Kreise: Zum Beispiel ist die Arbeitslosenquote beim Erstplatzierten Bitterfeld für Männer und Frauen viermal so hoch wie beim Zweitplatzierten Starnberg in Bayern. Und auch im gut abschneidenden Freiburg haben die Frauen bessere Abschlüsse – aber weniger Geld – als die Männer.

Meyer analysiert schon länger regionale Geschlechterunterschiede für das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Das hat sich vergangenen Herbst entschieden, die eigenen Statistiken und Umfrageergebnisse um die Studien der zum Deutschen Gewerkschaftsbund gehörenden Hans-Böckler-Stiftung zu ergänzen. Die Daten sollen jährlich aktualisiert werden. Als Vorbild für den deutschen Index dient der Jäm-Index, den es seit Ende der 90er Jahre in Schweden gibt – ein anderes Land, das alles kann außer hochdeutsch.

http://www.gender-index.de

Autor: unserem Mitarbeiter Dirk Nordhoff