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11. Dezember 2009 20:02 Uhr

Dreiländereck

Ein Jahr nach Schengen-Beitritt: Die offene Grenze ist sicherer

Hat das Verbrechen bei offenen Grenzen freie Bahn? Nein, so das Fazit der Bundespolizei Weil am Rhein ein Jahr nach dem Schengen-Beitritt der Schweiz. Denn sie ist im Rückraum der Grenze umso aktiver – mit wachsendem Erfolg.

  1. Ein Beamter der Bundespolizei kontrolliert am deutsch-schweizerischen Autobahngrenzübergang Basel/Weil am Rhein. Foto: dpa

WEIL AM RHEIN. Die Autofahrer nehmen die Grenze kaum mehr wahr. Bei der Fahrt in die Schweiz schauen die Grenzwächter der Eidgenossen in ihrer Eigenschaft als Zollbeamte nur kurz in den Wagen und winken dann die meisten einfach durch. Gegenüber bei den deutschen Kollegen ist das Glashäuschen oft verwaist, hier herrscht freie Fahrt nach Baden. Die Rückstaus an den Grenzübergängen etwa in Weil am Rhein oder in Rheinfelden sind dadurch stark geschrumpft.

Diese frei Fahrt an der Grenze gilt seit einem Jahr: Am 12. Dezember 2008 trat die Schweiz dem Schengen-Abkommen der EU bei, mit dem die bisherigen Personenkontrollen an der Grenze wegfielen. Weil die Schweiz nicht der EU angehört, bleiben die Zollgrenzen weiter erhalten.

Kontrollen weniger berechenbar

Für Kriminelle, also Menschenschleuser, Drogenkuriere, Geldwäscher oder Autoschieber, ist dagegen die Grenze seither eher schwieriger geworden. "Wir kontrollieren weniger, aber effektiver", sagt Helmut Mutter von der Bundespolizei in Weil am Rhein. Denn die Bundespolizei greift nun in einem 30-Kilometer-Streifen hinter der Grenze zu – lageabhängig, wie der Fachbegriff heißt. Und sein Kollege Johann Degenhart meint: "Für potenzielle Straftäter sind unsere heutigen Kontrollen weniger berechenbar als die herkömmlichen Grenzkontrollen."

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Die Stichproben zeigten große Wirkung, so Degenhart – auch wenn die Berufspendler von diesem "hohen Fahndungsdruck" wenig mitbekommen. Die Polizisten schauen sich Fahrzeug und Insassen nämlich nicht beim Grenzübetritt, sondern im fließenden Verkehr an und entscheiden dann binnen Sekunden, ob sie beide näher in Augenschein nehmen wollen. Ein weiterer Grund, dass heute im Dreiländereck mehr Straftäter auf der Flucht geschnappt werden, liegt darin, dass die Schweiz ebenfalls seit einem Jahr in das einheitliche Fahndungssystem des Schengen-Raums eingebunden ist – und so die Zusammenarbeit über die Grenzen nach Deutschland und nach Frankreich hinweg enger geworden sind.

Keine Sicherheitseinbußen

Somit können die Bundespolizisten zwischen Weil am Rhein und Konstanz, die für 90 Grenzübergänge zuständig sind, nur bestätigen, was Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) sagt: "Der Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum hat zu keinen Sicherheitseinbußen geführt."

Für Normalbürger hat der Schengen-Beitritt der Schweiz noch eine andere angenehme Folge – nämlich durchgehend geöffnete Grenzübergänge. So können Radler und Fußgänger bei den Kraftwerken Rheinfelden und Wyhlen-Augst auch nachts die Grenze überqueren – Rheinbrücken, die früher nach Einbruch der Dunkelheit mit Gittertüren versperrt waren.

Autor: rs/dpa/amp