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26. Oktober 2014 08:45 Uhr

Kinderstudent

Überflieger landet mit 14 Jahren an der Uni Freiburg

Bastian Eichenberger ist derzeit der jüngste Student in Freiburg. Der 14-Jährige besucht Chemievorlesungen. Ist Hochbegabung ein Fluch oder Segen?

  1. Jungstudent Bastian Eichenberger Foto: Ingo Schneider

So ganz recht ist dem Pressesprecher der Universität Freiburg, Rudolf-Werner Dreier, der Medienrummel nicht. Wegen der vielen Interviewanfragen von deutschen und Schweizer Medien hat ihm der SC Freiburg beim Erstsemestertag den Presseraum des Bundesligisten zur Verfügung gestellt. "Wir wollen hier kein Medienevent schaffen", sagt Dreier mehrfach und fügt hinzu: "Diese Situation ist auch für uns neu."

Der Gast, um den sich am Freitagnachmittag alles dreht, ist der 14-jährige Schweizer Bastian Eichenberger – der jüngste Vollzeitstudent aller Zeiten an der Uni Freiburg. Er sitzt, flankiert von seiner Mutter Renate und dem Chemie-Studiendekan, Professor Thorsten Friedrich, dort, wo sonst SC-Trainer Christian Streich Journalisten Rede und Antwort steht. Bastian ist ruhig. "Wir haben ihn schon darauf vorbereitet", sagt Vater Manuel Eichenberger, ein Betriebsökonom.
Bastian ist hochbegabt. Schon als Kleinkind wurde seine Mutter Renate Eichenberger – sie hat unter dem Titel "Fluch oder Segen?" ein Buch über das Leben mit ihrem Sohn veröffentlicht – auf seine besonderen Fähigkeiten aufmerksam: Schon mit neun Monaten konnte er einfache Puzzles zusammensetzen, mit eineinhalb fing er an, ständig nachzufragen. Mit zwei konnte er Buchstaben lesen, bald darauf ganze Kinderbücher.
Mit drei lernte Bastian Englisch, mit vier Chinesisch. Mit fünf kam er in die Schule. Schon nach zehn Tagen in der ersten Klasse wechselte er in die zweite. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass er eine Klasse überspringt. Bastian besuchte ausschließlich Privatschulen in der Schweiz, an einer in Basel machte er mit 13 die britische Matura, die mit dem Abitur vergleichbar ist. Zwischendurch war die Familie eineinhalb Jahre in Singapur. "Wir sind wegen ihm gegangen", sagt seine Mutter. Die Kultur dort sei offener gegenüber Kindern wie ihm, findet sie.

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Unterfordert auf einer Schule für Hochbegabte

Unglücklich war Bastian, als er eine Schule für Hochbegabte in Basel besuchte. Das funktionierte überhaupt nicht, er fühlte sich nicht angenommen und unterfordert. Dort, sagt Renate Eichenberger, seien zu viele Kinder gewesen, die fälschlicherweise als hochbegabt eingestuft worden seien. Eine Zeit lang habe ihr Sohn sogar Suizidgedanken gehabt. Auch in ihrem Buch thematisiert sie diese problematische Phase recht offen.

Bastian und seine Familie werden immer wieder mal angefeindet. Er vermisst oft die Akzeptanz, dass er anders ist. Auch mit Behörden habe die Familie schlechte Erfahrungen gemacht. Die Frage, ob seine Hochbegabung Segen oder Fluch sei, beantwortet Bastian, ohne zu zögern: "Es ist mehr Fluch als Segen." Offenkundig hat er oft darunter gelitten. Die häufig gestellte Frage nach dem IQ ihres Sohnes möchte die Mutter nicht beantworten. Ein heikles Thema sei das. "Das sind drei Ziffern, die nichts über den Menschen aussagen." Dass er hier als Student an der Uni sei, sei doch Beweis genug.

Sechs Sprachen spricht das Wunderkind fließend

Neun Sprachen spricht Bastian, sechs davon fließend. Spricht’s und zählt sie auf: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch. Er ist Ministrant und bei der Jugendfeuerwehr, macht Judo, spielt Golf, Tennis und Klavier; er schaut gerne Wissenssendungen – und er kocht gerne. Jetzt erfüllt sich Bastian einen großen Wunsch: Er studiert Chemie, später will er mal in der Medikamentenforschung arbeiten – "damit ich Menschen helfen kann, zum Beispiel im Kampf gegen Krebs oder Ebola". Warum an der Uni Freiburg? "Ich wollte im Ausland studieren." Wohnen kann er weiterhin daheim in Oberwil im Kanton Baselland. "Bastian ist aber schon lange sehr selbstständig", sagt seine Mutter.

Die ersten Vorlesungen seien sehr interessant gewesen, sagt Bastian. Ihm gefällt, dass der Stoff schnell durchgegangen wird. Allerdings gibt es gewisse Chemikalien, die er als Minderjähriger nicht benutzen darf. Kein Problem, findet Studiendekan Friedrich, man könne auch mit Wasser Spannendes machen. Dass seine Kommilitonen älter sind, mache ihm nichts aus, sagt Bastian. Seine Mutter hofft, dass er akzeptiert wird im neuen Umfeld. "Ich will ihn glücklich sehen."

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Autor: Frank Zimmermann