Staufener Missbrauchsfall

Ermittler enttarnten pädosexuellen Bundeswehrsoldaten anhand seines Autokennzeichens

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Mi, 09. Mai 2018 um 11:43 Uhr

Südwest

Das auffällige Kennzeichen seines Wagens führte die Ermittler auf die Spur des Bundeswehrsoldaten Knut S. Im Prozess gegen den 50-Jährigen am Landgericht Freiburg kamen unerträgliche Details zur Sprache.

Der Prozess gegen den 50-jährigen Knut S. ist die zweite gerichtliche Aufarbeitung im Staufener Kindesmissbrauchsfall vor dem Landgericht Freiburg. Christian L. und Berrin T. missbrauchten den neunjährigen Sohn von Berrin T. und ein dreijähriges Mädchen. Sie überließen den Jungen gegen Geld Männern zum Missbrauch – einer von ihnen ist der Bundeswehrsoldat Knut S. Der Prozess wird am Montag, 14. Mai um 8.30 Uhr fortgesetzt.

16.20 Uhr: Die für heute geladenen Zeugen sind gehört worden. Bevor die Sitzung beendet wird, diskutieren die Prozessparteien über einen zusätzlichen möglichen Termim, legen ihn auf Mittwoch, 16. Mai, 15 Uhr fest.

Dann wendet sich der Vorsitzende Richter an Knut S. Verteidiger Holger Meier. Die Kammer sieht es als wünschenswert an, dass die Öffentlichkeit für die Dauer des Gutachtens des psychiatrischen Gutachters Pleines zugelassen wird; eigentlich müsse sie ausgeschlossen bleiben, da der Zeuge sich ohne Öffentlichkeit eingelassen habe.

Pleines vorläufiges Gutachten scheint – so zumindest die Äußerungen des Vorsitzenden Richters – die Bedingungen für die Anordnung einer Sicherungsverwahrung von S. nicht als gegeben anzusehen. "Daher möchte ich die Frage in den Raum stellen, ob der Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit auch für das Gutachten aufrecht erhalten wird", sagt der Vorsitzende Richter.

Aussage der Kriminalkommissarin K.

16 Uhr: Die Kriminalkommissarin K. war bei der Durchsuchung von Knut S. Wohnung dabei. Bei der Durchsuchung der französischen Polizei hat sie die Frau von Knut S. betreut. "Ich war die einzige deutschsprechende Frau vor Ort und habe mich ihrer angenommen", sagt die Zeugin. "Sie war sehr überrascht ob des Vorwurfs, den wir ihrem Mann gegenüber machen mussten." Weitere Fragen zur Ehefrau von Knut S. darf sie nicht beantworten: Diese nimmt von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Dann berichtet sie von Fotos auf Speichermedien von Knut S., die ein dreijähriges Mädchen zeigen. Sie beschreibt den Missbrauch, der von Berrin T. im Beisein eines filmenden Mannes durchgeführt wurde. Es handelt sich um Screenshots aus einem Video. "Das liegt uns allerdings nicht vor", sagt die Kriminalkommissarin.

Aussage des Kriminalkommissars Z.

15.20 Uhr: Z., der nächste Zeuge, ist Sachbearbeiter in der Abteilung ITB: IT-Beweissicherung. Auch er war bei der Durchsuchung in der Kaserne dabei, wird vom Vorsitzenden Richter dazu kurz befragt.

Z. sagt zu den an den beiden Tattagen erstellten Video- und Foto-Dateien aus, erklärt, wie Handys Bilder speichern, welche Daten dabei hinterlegt werden. Dann analysiert er die Kontakte der Männer über verschiedene Messenger hinweg, erklärt die Kommunikationswege im Darknet in Foren und Live-Chats. Staatsanwältin Novak hat eine Frage zum Rechner des Angeklagten, will wissen, wo Knut S. die kinderpornographischen Fotos gespeichert hatte: auf einer externen Festplatte, in einem Unterordner sorgfältig sortiert. Die Kammer nimmt eine Kopie der Festplattenstruktur auf einem Laptop am Richtertisch in Augenschein.

Aussage des Polizisten S.

15 Uhr: Der Beamte der Kriminalpolizei war bei der Festnahme von Knut S. und der Durchsuchung der Diensträume des Angeklagten in der Kaserne der Deutsch-Französischen Brigade dabei. "Ich war sehr unsicher, ob wir den Richtigen hatten", sagt der Zeuge. "Er war so ruhig." Man habe den Angeklagten aufgefordert, Zivilkleidung anzuziehen; beim Umziehen habe er eine Narbe entdeckt, die er auf einem der Missbrauchsvideos schon gesehen hätte. In einem Kellerraum seien Dokumente gefunden worden, die auf eine disziplinarrechtliches Verfahren gegen den Angeklagten hinweisen, weil er sich einer Soldatin genähert hatte. Ein Vorgesetzter habe sie daraufhingewiesen, die Disziplinarakte zu überprüfen.

Der Beamte hat auch Berrin T. vernommen. Staatsanwältin Novak fragt nach, was diese zu Knut S. gesagt habe. "Die Vernehmung der Frau T. war sehr schwierig", sagt der Polizist. "Sie hat sich oftmals nicht erinnert." An der zweiten Tat, wegen der Knut S. angeklagt ist, habe sie sich nicht beteiligen wollen, sie sei gezwungen worden."

Aussage des Ermittlers B.

13.35 Uhr: Nächster Zeuge ist der Polizist B. von der Kriminalpolizei Freiburg. Er fasst, sehr gut strukturiert, zunächst noch einmal den Gang der Ermittlungen und die diversen Festnahmen zusammen, berichtet von Christian L.s frühen Kooperationswillen. Dann beschreibt er das Kennenlernen von Christian L. und Knut S. über eine Plattform im Internet.

Dann spricht der Polizist über Christian L.s Internetaktivitäten, seine Nutzung eines verschlüsselten Messengers mit 120 Kontakten. "20 Kontakte davon hat Herr L. als für ihn besonders interessant bewertet", sagt B. "Personen, die selbst eigene Kindern hatten, die sie missbrauchen konnten." Er spricht über die Durchsuchung des Wohnhauses von Knut S., die Reaktion von dessen Ehefrau. "Als Frau S. verstand, worum es ging, ist sie zusammengebrochen und hatte einen hysterischen Anfall", sagt der Beamte.

Staatsanwältin Novak will wissen, wie wichtig Christian L. für die Festnahme von Knut S. und den anderen Angeklagten war. "Wir hätten drei der vier Täter ohne den Herrn L. nicht gekriegt." Nur mit dem Film allein wäre man in diesem jetzt verhandelten Fall nicht weitergekommen. "Da sieht man (den Angeklagten) nur im Profil." Christian L.s Aussage sei sehr hilfreich gewesen. "Es hat sich bisher alles so bestätigt, was der Herr L. gesagt hat", sagt B. Lediglich in Kleinigkeiten - etwa Zeitabläufen - würde er sich vertun.

"Vielleicht hofft er aber auch, von einer Sicherungsverwahrung herunterzukommen." Ermittler über Christian L.
Auf einem Transport von Gießen habe Christian L. von seinem Kontakt "Dittmarscher" erzählt. Der habe sehr penetrant Interesse gezeigt, und angekündigt, den Jungen nach dem Missbrauch töten zu wollen. Er sei in Karlsruhe festgenommen worden und sei mittlerweile auch angeklagt. Hinweise auf weitere Täter außer den jetzt Angeklagten gibt es nicht. Den anonymen Hinweisgeber zu ermitteln, sei der Polizei nicht gelungen. Der sei sehr professionell vorgegangen. "Dessen Grenze scheint gewesen zu sein, Bilder und Filme zu tauschen", sagt B.

"Worin liegt die Motivation von Herrn L.?", fragt der Vorsitzende Richter den Zeugen. "Es gibt Theorien von seinen Bekannten, dass er gern zum Team gehören möchte", sagt der Ermittler. "Vielleicht hofft er aber auch, von einer Sicherungsverwahrung herunterzukommen."

Wie schon in der Verhandlung gegen Markus K. werden dann Videos der Tatortbegehungen des Polizisten B. mit Christian L. gezeigt und vom Zeugen erläutert. Das Video zeigt den Verabredungsort an einer Bank in den Reben bei Staufen. Christian L. - blondierter Undercut, Ziegenbart, graues Shirt und graue Jogginghose und mit den Händen in Handschellen - erzählt von den vier Treffen an diesem Tatort. "Es wurde fünf oder zehn Minuten geredet", sagt er. "Dann ging es zur Sache." Ein weiteres Video zeigt den eigentlichen Tatort, zwischen den Reben, beschreibt Details der Tat lapidar, mit einem Ausdruck, der wie Stolz wirkt.

Ein drittes Video zeigt Christian L. an einem Tatort in Staufen, dort beschreibt er eine Fahrt mit dem Auto des Angeklagten zum Tatort und eine Beschädigung am Wagen, die die Zeugin W. schon beschrieben hatte. In dem Video erzählt Christian L. von dem ungewöhnlichen, dunklen Autokennzeichen von Knuts S., dann beschreibt er sachlich die Details der Tat.

Staatsanwältin Novak hat eine Nachfrage zur nächsten Wohnbebauung von den Tatorten. "Das ist bei allen Taten sehr wenig, nicht mal hundert Meter", sagt der Zeuge. "Das Entdeckungsrisiko war sehr hoch."

Aussage der Polizistin S.

12.10 Uhr: Die Polizistin S. von der Kriminalpolizei Freiburg hat mehrfach den missbrauchten Jungen befragt und bereits im Prozess gegen Markus K. ausgesagt. In Bezug auf den Angeklagten Knut S. habe der Junge zwei Fälle angesprochen. "(Der Junge) wollte sehr ungern über die Sachen reden", sagt die Beamtin. "Das ist auch heute noch so." Wie schon im ersten Prozess berichtet sie über die Festnahme in Münstertal und beschreibt den Gang der Befragungen und wie sie versucht hat, sein Vertrauen zu gewinnen.

Während die Ermittlerin spricht, zeigt der Angeklagte erstmals Emotionen, sitzt mit gesenktem Kopf still weinend auf der Anklagebank, knetet seine Hände. "Ich bin mir nicht sicher, ob Herr S. gerade folgen kann", fragt Staatsanwältin Novak in die Runde. "Es tut mir alles so leid", sagt Knut S. leise. "Ich habe nur gesehen, dass Sie die Videos nicht angeguckt haben", sagt der Vorsitzende Richter zum Angeklagten. "Wenn Sie eine Pause brauchen, sagen Sie bescheid."

"Als ich ihm gesagt habe, dass der erste Mann sehr lange ins Gefängnis kommt, fand [der Junge] das gut." Polizistin S.
Die Ermittlerin spricht weiter, beschreibt ein Treffen mit dem Jungen in dieser Woche. Sie habe ihn noch einmal gefragt, ob er aussagen wolle, aber er wolle das nicht. Wenn man ihn frage, sage er, dass es ihm gut gehe. "Aber wie das langfristig sein wird, kann man natürlich nicht sagen", sagt die Beamtin. Über die Mutter rede man nicht, das habe sie mit dem Kind verabredet.

Die Festnahmen der Männer habe der Junge gut gefunden. Auch, dass er nicht mehr dort wohne. "Kann man also sagen, dass er Strafverfolgungsinteresse hat, mit Ausnahme der Mutter?" fragt Nebenklägerin Katja Ravat. "Ja", sagt die Beamtin. "Als ich ihm gesagt habe, dass der erste Mann sehr lange ins Gefängnis kommt, fand [der Junge] das gut."

Richter Bürgelin weist Knut S. daraufhin, dass auch er bei allen Zeugen ein Fragerecht hat. Von dem möchte der Angeklagte gerade aber nicht Gebrauch machen. "Ich will nur, dass es [dem Jungen] gut geht. Dass das, was ich getan habe, keinen Schaden hinterlässt. Ich möchte mich entschuldigen", sagt Knut S.

Fragen an die Hauptermittlerin W.

11.15 Uhr: Jetzt werden Fragen an die Zeugin gestellt. Staatsanwältin Novak will erst mehr über den Gang der Ermittlungen erfahren. Dann möchte sie wissen, wie das Umfeld des Angeklagten sei. "Die Freunde und Bekannten berichteten, dass sie ihm das nie zugetraut hätten", sagt W. "Bei den Untergebenen bei der Bundeswehr sah das anders aus."

Kollegen hätten ihn zu Sextreffen fahren müssen, sexistische Äußerungen bemerkt, aber diese nicht dem Vorgesetzten gemeldet. Von pädophilen Neigungen habe niemand etwas gewusst - weder Bekannte, Freunde, ehemalige Partnerinnen noch Bundeswehrkameraden. Ein einziger Kamerad habe eine Unterhaltung über Sex mit zwölf- bis 14-jährigen Mädchen überhört.

Dann sollen die Videoaufnahmen der beiden Taten gezeigt werden. Staatsanwältin Novak stellt den Antrag, Nebenklagevertreterin Ravat und Verteidiger Meier schließen sich dem Antrag an. Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen.

Aussage der Hauptermittlerin W.

9.10 Uhr: Erste Zeugin am Mittwoch ist die Hauptsachbearbeiterin des Falls am Polizeipräsidium Freiburg, die Kriminalhauptkommissarin W. Die Beamtin erklärt den Gang der Ermittlung, berichtet von dem anonymen Hinweis, der am 10.September 2017 bei LKA und BKA einging. Der Hinweisgeber habe Video- und Bildmaterial eingesendet, auf denen unter anderem Knut S. zu sehen gewesen sei. Schon bei seiner Festnahme habe Christian L. zugesichert, dass er zu weiteren Tätern Angaben machen wolle, darunter auch zu "Klaus", einem Zöllner. Er lebe im Bereich Breisach und fahre einen 5er BMW mit einem ungewöhnlichen Kennzeichen. L. habe den Ermittlern gesagt, dass Filme mit "Klaus" auf einem USB-Stick in der Wohnung von Christian L.s Mutter zu finden seien.

"Er hat so ungläubig und unschuldig geschaut, dass wir uns gefragt haben, ob er es wirklich ist" Hauptermittlerin W.
Die Ermittlerin beschreibt, dass komplexe Ermittlungen ergeben hätten, dass "Klaus" nicht beim Zoll sondern bei der Bundeswehr arbeiten müsse und wie über sein Fahrzeug schließlich Knut S. als Verdächtiger feststand. Unter Leitung der Police Nacional seien die Wohnung des Angeklagten in Frankreich und seine Dienststube bei der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Grafenstaden durchsucht worden. Dort sei er auch festgenommen worden.

"Er hat so ungläubig und unschuldig geschaut, dass wir uns gefragt haben, ob er es wirklich ist", sagt die Ermittlerin. Doch schon beim Schließen der Handschellen habe sie eine Armbanduhr erkannt, die auf den Missbrauchsvideos zu sehen gewesen sei. Die Ermittler hätten auch sofort eine Narbe gesucht und bei Knut S. gefunden, die einer der Täter in den Videos gehabt habe. Auch Brille, Uhr und Turnschuhe seien auf einem Video zu sehen. Zudem seien auch Kleidungsstücke aus den Tatvideos gefunden worden.

In einem Schrank in seinem Büro, das er mit mehr als fünf Kameraden geteilt habe, seien Sexspielzeuge gefunden worden. "Ich war sehr verwundert über das Verhalten des Angeklagten", sagt W.

"Auf dieser Festplatte waren auch Chats, in denen er jahrelang nach pädosexuellen Paaren und Müttern gesucht hat."Hauptermittlerin W.
Auch nach seiner Auslieferung nach Deutschland habe er sich bei der Polizei ungewöhnlich verhalten. Sein Auftreten sei freundschaftlich gewesen, sagt die Beamtin. "Er hat kumpelmäßig versucht, sich in Gespräche einzuklinken."

Dann beschreibt sie, die vorliegenden Beweise. Auf einer Festplatte in Knut S. Wohnung habe man eine Vielzahl kinderpornographischer Bilder gefunden. "Auf dieser Festplatte waren auch Chats, in denen er jahrelang nach pädosexuellen Paaren und Müttern gesucht hat – und nach Babys. Diese Fantasien hat er nicht nur in Chats ausgelebt. Er hat auch konkret nach Treffen gefragt."

"Der Film ist so schrecklich, man guckt eher auch mal in ein anderes Eck, weil man verlegen ist." Hauptermittlerin W.
Nüchtern beschreibt die Beamtin die abscheulichen Materialien, mit denen sie im Rahmen der Ermittlungen zu tun hatte. Die Videos der Taten habe sie immer wieder gucken müssen, um alle Details aufzunehmen. "Der Film ist so schrecklich".

Am Richtertisch werden dann Bilder in Augenschein genommen, darunter auch Profilfotos vom Facebook-Account des Angeklagten, die ihn mal mit, mal ohne Bart zeigen und auf denen er sehr unterschiedlich aussieht. Nebenbei sagt die Beamtin: "Von seinen Kollegen gingen Hinweise auf ihn ein im Mordfall Carolin G., da Ähnlichkeiten zu dem Phantombild bestünden." Ein DNA-Abgleich hätte ihn damals als Täter jedoch ausgeschlossen.

Sachlich schauen die Prozessbeteiligten die kinderpornographischen Fotos durch. Manche zeigen auch die damals Dreijährige, die von Berrin T. und von ihr missbraucht wurde. Sehr junge Mädchen seien das eigentliche Interesse des Angeklagten gewesen, sagt die Zeugin. "Dem Herrn L. hat er gesagt, dass er (den Jungen) nimmt, weil es nah an seinem Wohnort sei." "Es ist wie immer bei entsprechend veranlagten Tätern: ein Haufen Material", kommentiert der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin beim Blättern durch die Fotos.

Währenddessen sitzt Knut S. teilnahmslos auf der Anklagebank.

Stellungnahme und Beweisanträge der Staatsanwaltschaft

8.40 Uhr: Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Knut S. beginnt. Zunächst geht es um Organisatorisches, unter anderem um einen Termin für die Aussage von Christian L., der derzeit auch in einem Verfahren in Kiel aussagen muss. Dann gibt Staatsanwältin Nikola Novak eine Stellungnahme ab und stellt Beweisanträge. Sie fordert - "bei allem Respekt für die zeitlichen Nöte der Kammer" - die Ladung zusätzlicher Zeugen aus seinem privaten Umfeld und von der Bundeswehr, außerdem Christian L. Und Berrin T. Diese Zeugen zu hören sei wichtig für die Einschätzung, eine mögliche Sicherungsverwahrung anzuordnen.

"Im Netz wird der Angeklagte sicher wieder Anschluss finden, gar als Held gefeiert" Staatsanwältin Nikola Novak
Der Angeklagte habe pädosexuelle Neigungen in seiner Einlassung verneint, sei tatsächlich aber seit Jahren in Kinderporno-Foren im Darknet aktiv gewesen, habe kinderpornographisches Material angeschaut und gezielt Frauen mit kleinen Kindern gesucht. Sie fragt sich daher: "Inwieweit hat eine Auseinandersetzung mit seiner sexuellen Devianz stattgefunden?" Novak ist der Ansicht, dass dessen Sexualverhalten den Alltag des Stabsfeldwebels geprägt habe. S. habe Prostituierte gequält, Sexsklavinnen gehabt und bei der Bundeswehr eine Soldatin belästigt. Er habe Grenzen überschritten, indem er Rekruten etwa mit der Reinigung einer mit "diversen Körperflüssigkeiten verschmutzten Folie" beauftragte.

S. würde in Bezug auf die hier angeklagten Taten seine Beteiligung herunterspielen und Details der Misshandlung, die er veranlasst habe, Christian L. zuschieben. Novak fragt sich, was nach dem Ende einer Haft des Angeklagten wäre: S. werde nach Haftverbüßung seine bisherige Existenz verlieren. "Im Netz wird er jedoch sicher wieder Anschluss finden, gar als Held gefeiert", ist sich Novak sicher. "Ihm ist es gelungen, seine Identität im Darknet zu verschleiern", sagt sie. Vordergründig habe Knut S. ein biederes Leben geführt. "Die äußerst schwierige Enttarnung des Angeklagten belegt, dass es ihm jederzeit möglich wäre, das wieder zu tun." Kinder im In- und Ausland müssten vor weiteren Taten geschützt werden.

Der Strafverteidiger von Knut S. will erst am nächsten Verhandlungstag Stellung zu dem umfangreichen Antrag geben.
Gefasste Tatverdächtige im Staufener Missbrauchsfall

  • Berrin T., die 47 Jahre alte Mutter des missbrauchten Kindes, deutsche Staatsangehörige
  • Christian L., der 39 Jahre alte Lebensgefährte der Mutter, deutscher Staatsangehöriger, der mit den Ermittlungsbehörden kooperiert
  • ein 37 Jahre alter Schweizer, der in Österreich verhaftet wurde
  • ein 33-jähriger Spanier, der in seinem Heimatland gefasst wurde
  • der jetzt angeklagte Knut S., ein 50 Jahre alter Deutscher, der in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade im Elsass festgenommen wurde
  • ein 43-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der den Jungen aus Staufen missbrauchen und foltern wollte und im Oktober in Karlsruhe verhaftet wurde
  • ein 32-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der aktuell wegen Missbrauchs seiner Tochter in Kiel vor Gericht steht

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