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02. Juli 2009
"Es waren wunderschöne Jahre"
BZ-Interview mit Gisela Wallat aus Freiburg, die 1955 Badische Weinkönigin wurde und als einzige zwei Amtszeiten hatte
FREIBURG. Im Freiburger Historischen Kaufhaus wird heute die 60. Badische Weinkönigin samt Hofstaat gekürt. Mehr als 100 frühere Hoheiten wohnen der Zeremonie bei. Unter ihnen auch Gisela Wallat (74). Sie war 1955/56 die erste Badische Weinkönigin aus Oberrotweil am Kaiserstuhl. Maikka Kost fragte sie nach Ihren Erinnerungen.
BZ: Frau Wallat, wenn Sie an den Tag Ihrer Krönung zur Weinkönigin denken, was fällt Ihnen dann ein?Gisela Wallat: Ich so aufgeregt – mir entging glatt, dass ich gewählt worden war, und die Krone wollte mir nicht passen wollte. Die sah aus wie die Krone des Froschkönigs und hielt nur durch vier Klammern, die im Haar befestigt wurden. Da musste man ziemlich balancieren und hatte stets das Gefühl, sie rutscht gleich runter. Erst ein halbes Jahr später bekam ich ein Diadem, das besser hielt.
BZ: Wie begehrt war das noch relativ neue Amt der Weinkönigin damals?
Wallat: In meinem Heimatort Oberrotweil nicht besonders. Als dort 1955 Bewerberinnen gesucht wurden, wollte keine mitmachen. Darum veranstaltete die Landjugend eine geheime Wahl. So bin ich dazu gekommen.
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BZ: Und war es für Sie ein Traumjob ?
Wallat: Zuerst nicht. Ich habe nur gedacht: Jetzt musst Du viel fort und repräsentieren. Das war nicht einfach. Denn bis dahin war ich nur im elterlichen Betrieb gewesen. Ich hatte auch nicht gelernt, Hochdeutsch zu sprechen. Heute haben fast alle Bewerberinnen studiert oder eine Ausbildung. Wir kamen alle aus der Praxis.
BZ: Mussten Sie auch schon ein Prüfung ablegen?
Wallat: Ja. Aber nicht wie heute. Ich habe vorher mit meinem Vater gesprochen. Er war ein intelligenter Mann und hat mir viele Tipps gegeben. Das hat genügt.
BZ: Eine Fachzeitschrift schrieb, die ersten Weinköniginnen mussten vor allem tanzen können. Stimmt das?
Wallat: Davon weiß ich nichts. Ein sicheres Auftreten war gefordert. Und man durfte nicht erschrocken sein. Schließlich waren Hochnäsigkeit und Arroganz tabu.
BZ: Als Gegenleistung gab’s jede Menge Aufmerksamkeit
Wallat: Ja, wo ich hinkam, war ein Riesenauflauf. Alle wollten bei der Weinkönigin stehen. Nur mein Vater hat gleich gesagt: Gisela, denk’ dran, jetzt bist du Weinkönigin und wenn du abgewählt wirst, dann bist du wieder die Gisela.
BZ: Was wollte er Ihnen damit sagen?
Wallat: Wahrscheinlich, dass ich auf dem Teppich bleiben sollte. Mein Vater ist mit mir auch zu fast allen Terminen gereist. Immer in guter Obhut bleiben, das war damals wichtig. Heute kommt die Weinkönigin schon mal mit dem Freund zum Termin. Zu meiner Zeit undenkbar.
BZ: Heute ist die Badische Weinkönigin auch rund um den Globus unterwegs. Wohin führte Ihre weiteste Reise?
Wallat: Nach Berlin. Ich war aber auch in Würzburg, München, Nürnberg und Bonn. Dort habe ich zum Beispiel den damaligen Bundeskanzler Adenauer getroffen. Doch zu ihm hatte ich keinen Bezug. Er war ein kalter Mann und sehr herablassend. Viel netter war Heinrich Lübke, damals Landwirtschaftsminister, den ich in Hamburg traf. Meine eindrücklichste Begegnung aber fand bei uns zu Hause statt. Das war, als Bundespräsident Theodor Heuss mich besuchte.
BZ: Oho. So wichtig war die Badische Weinkönigin 1955/56?
Wallat (lacht): So könnte man es auch sagen. Aber tatsächlich war Heuss in Niederrotweil, um den Altar der Michaeliskirche zu sehen. Dabei sagte die Frau, die ihm die Kirche aufschloss: Genau so ein Gesicht wie die Maria hat unsere Weinkönigin. Das hat Heuss bewegt, bei mir anzukehren. Ein wunderbarer Abend.
BZ: Wissen Sie noch, welchen Wein man in den 50ern am liebsten trank?
BZ: Silvaner und Müller-Thurgau. Alle mussten lieblich ausgebaut sein. Von trockenen Weinen hat man damals nicht viel wissen wollen. Auch nicht von Roten.
BZ: Was hat Sie auf Ihren Reisen am meisten überrascht?
Wallat: In Hamburg wurde ich einmal gefragt wurde, woher ich komme. Ich sagte: aus Baden. Wo ist das denn?, wurde ich gefragt. Das konne ich nicht fassen. Also habe ich von Freiburg erzählt, vom Schwarzwald, von Basel und vom Elsass. Und da gibt’s auch Wein? Für die Hamburger waren wir weit weg, fast Ausland.
BZ: Sie sind die einzige Badische Weinkönigin mit zwei Amtszeiten. Wie haben Sie das denn geschafft?
Wallat: Ende 1955 hatten wir hier einen extrem kalten Winter. Viele Weinstöcke erfroren. Da wurde beschlossen, dass es keine Weinfeste und keine Königinnenwahl geben sollte. Und ich wurde gebeten, ein zweites Jahr zu machen.
BZ: Wären Sie heutzutage auch noch mal gerne Weinkönigin?
Wallat. Nein. Aber damals hätte ich gern weitergemacht. Man hatte so viel erlebt und gelernt. Als Weinkönigin war man aus der Enge des Heimatdorfes rausgekommen und hatte so viele interessante Leute getroffen. Es waren zwei wunderschöne Jahre. Davon habe ich mein ganzes späteres Leben profitiert.
BZ: Ein wenig ging es für Sie ja aber trotzdem noch weiter. Sie wurden auch zweimal Deutsche Weinprinzessin...
Wallat: Ja, aber als solche gab es selten Einsätze. Ich war da einfach zu weit weg.
BZ: Glauben Sie, das Amt der Weinkönigin ist noch attraktiv für eine junge Frau?
Wallat: Ich weiß es nicht. Es hat einen anderen Stellenwert. Es geht mehr um den Kommerz. Moderne Frauen haben andere Ziele. Vielleicht gab es darum vor eine paar Jahren nur drei Bewerberinnen insgesamt. Zu meiner Zeit war es noch etwas Besonderes, Weinkönigin zu sein. Heute muss man vielleicht sogar damit rechnen, belächelt zu werden.
BZ: Welche Empfehlung geben Sie der neuen Badischen Weinkönigin mit auf den Weg?
Wallat: Aus meinen Amtszeiten ist mir vor allem die Erkenntnis geblieben, dass man immer konsequent hinter dem stehen sollte, was man vertritt. Ich glaube damit kommt man überall gut durch.
Autor: ko


