Ex-Dekan aus Lahr räumt Betrug ein

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Fr, 12. Oktober 2018

Südwest

Geständnis in Mannheim.

MANNHEIM/LAHR. Der ehemalige Lahrer Dekan E. hat am Donnerstag am Landgericht Mannheim ein Geständnis abgelegt. Dabei räumte er ein, kirchliche Organisationen betrogen und das erschlichene Geld privat verwendet zu haben. Die Voraussetzung für eine Verständigung mit dem Gericht ist somit gegeben. Eine Freiheitsstrafe von rund vier Jahren wird wahrscheinlich. Ende Oktober könnte ein Urteil fallen.

"Ich bin vom richtigen Weg abgekommen und habe mich strafbar gemacht", sagte der katholische Priester. Dem 54-Jährigen, der seit Dezember in Untersuchungshaft sitzt, werden Betrug, Urkundenfälschung und Untreue zur Last gelegt. Zu den Geschädigten gehören der Lahrer Caritasverband, eine Pfarrgemeinde und der Ursulinenkonvent Mannheim, die Schadenssumme liegt bei 228 000 Euro. Für die Caritas stellte E. beispielsweise Rechnungen aus, deren Richtigkeit er selbst bescheinigte. Über Umwege floss das Geld auf sein eigenes Konto.

"Er hat angefangen umzudenken", sagt sein Anwalt

Das fünfminütige Geständnis hatte die Richter zunächst nicht überzeugt. Erst auf Nachfrage räumte E. ein, bewusst betrogen zu haben. Er habe die Schwachstellen in der Struktur der kirchlichen Organisationen und das Vertrauen in ihn ausgenutzt. Er habe Vorschüsse für Pilgerprojekte und Geld aus der Barkasse des Pfarramts privat verwendet, obwohl er gewusst habe, dass er dieses nicht sofort zurückzahlen könne. "Meine private Situation war zu angespannt." Er bedaure sehr, das Vertrauen in ihn enttäuscht zu haben. "Ich hoffe sehr, dass mir diese Personen irgendwann verzeihen können."

"Er hat angefangen umzudenken", sagte Edgar Gärtner, der Anwalt des Angeklagten. Aus dem Gefängnis habe E. früheren Caritas-Mitarbeitern Briefe geschickt, um sich zu entschuldigen. Eine frühere Mitarbeiterin des Caritasverbands sieht das im Gespräch mit der BZ anders. "Ich bin enttäuscht. Das Geständnis war nichtssagend." Sie vermisse Reue und ehrliche Emotionen.