Fessenheim 2 geht wieder ans Netz

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 13. März 2018

Südwest

Atomaufsicht genehmigt das Wiederanfahren des Reaktors nach 21 Monaten Stillstand.

STRASSBURG. Noch in dieser Woche könnte Block 2 des Atomkraftwerks Fessenheim wieder ans Netz gehen. Nach 21 Monaten hat die französische Atomaufsicht ASN das Wiederhochfahren des Reaktors genehmigt. Sie revidiert damit eine Entscheidung, die von Atomkritikern im Elsass wie in Deutschland im Sommer 2016 begrüßt worden war.

Im Juni 2016 hatte die ASN das Prüfzertifikat eines Dampfgenerators im Akw Fessenheim aufgehoben. Der betroffene Reaktor 2 wurde bis auf weiteres stillgelegt. Diese Entscheidung traf die Aufsichtsbehörde vor dem Hintergrund der Verhandlungen zwischen der damaligen Regierung unter François Hollande und dem Energiekonzern und Akw-Betreiber Electricité de France (EdF) über die Stilllegung des Akw Fessenheim. Die endgültige Abschaltung war eines der Wahlversprechen des Sozialisten gewesen. Bis zum Ende seiner Amtszeit hatte Hollande allerdings lediglich eine Vereinbarung mit der EdF getroffen.

Doch die neue Regierung von Emmanuel Macron treibt die Pläne im Vergleich zu ihrer Vorgängerin voran – zumindest dem Anschein nach. Inzwischen heißt es, die Abschaltung solle Ende diesen Jahres, spätestens in der ersten Jahreshälfte 2019 erfolgen. EdF will das Akw in Fessenheim jedoch bis zuletzt nutzen. In diesem Punkt hatte sich Akw-Direktor Marc Simon-Jean anlässlich einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen unmissverständlich geäußert und ein baldiges Wiederhochfahren von Block 2 angekündigt.

Nach einer Sitzung der Atomaufsicht Ende Februar war bereits an die Öffentlichkeit durchgedrungen, dass das Ergebnis der Prüfung wohl zugunsten des Betreibers ausgefallen sei – bestätigt wurde dies damals aber nicht. Insidern zufolge soll einer der Experten seine Beteiligung am Abschlussbericht verweigert haben. Er habe die Entscheidung für ein Wiederhochfahren nicht mittragen wollen. Zu dieser Behauptung gibt es allerdings keine Stellungnahme von Seiten der ASN.

Der fragliche Dampferzeuger in Fessenheim 2, einer von dreien, stammt aus einer in einen Skandal um geschönte Prüfberichte verstrickten Firma in Le Creusot. Die Fälle von Schlampereien dort reichen bis 1965 zurück. Der ASN zufolge hatte man das Rumpfstück des Generators aus Fessenheim trotz erheblicher Kohlenstoffeinschlüsse für den Einbau freigegeben. Ein erhöhter Kohlenstoffgehalt kann die Belastbarkeit und damit die Sicherheit eines solchen Werkstücks beeinträchtigen.

In dem betreffenden Fall ist die ASN nun dennoch zu der Überzeugung gelangt, dass von dem Dampferzeuger keine Gefahr ausgehe. Bei der Produktion des Dampfgenerators habe sich die Schmiede zwar nicht an die geltenden Vorschriften für die Materialzusammensetzung gehalten; nichtsdestotrotz entsprächen die mechanischen Eigenschaften den Materialanforderungen.

Der Entscheidung liegt ein Bericht der Firma Framatome zugrunde, die als Anbieter von Kerntechnik zur EdF-Gruppe gehört, zuletzt unter dem Namen Areva firmierte und 2006 die Schmiede in Le Creusot übernommen hatte.