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14. September 2011 19:53 Uhr

Demonstrationsobjekt

Freiburger will den Wind direkt am Strommast ernten

Mit dem Bau kleiner Rotoren, die auf Strommasten montiert werden, will der Freiburger Architekt Wolfgang Frey den Ausbau der Windkraft voranbringen. Ein Demonstrationsobjekt steht seit Mittwoch neben der Freiburger Messe.

  1. Architekt Wolfgang Frey bei der Montage in Freiburg Foto: Michael Bamberger

Die kleinen Windräder drehen sich bereits bei schwachem Wind, sie können je nach Spannweite zwischen drei und fünf Kilowatt Strom erzeugen. Wenn es schwierig ist, eine Genehmigung für den Bau neuer Windräder zu erhalten, warum dann nicht dem Beispiel der Handynetzbetreiber folgen und einfach die bereits vorhandenen Strommasten für einen zweiten Zweck nutzen – zum Beispiel die Stromerzeugung.

Allein in Baden-Württemberg stehen etwa 30.000 Masten, an denen Stromkabel hängen. Würde man jeden mit einer 50-Kilowatt-Kleinanlage ausstatten, ergäbe diese eine Leistung von 1500 Megawatt – das entspricht der Leistung eines großen Blocks eines Atomkraftwerks.

Frey setzt auf einfache Lösungen statt auf Größe. Denn große Windräder, so Frey, brauchen auch viel Wind, ehe sie sich drehen. Sie müssen daher an exponierten Stellen stehen und in die Höhe gebaut werden. Der Mast einer Anlage mit sechs Megawatt Leistung, die 5000 Haushalte mit Strom versorgen kann, misst immerhin 120 Meter. Entsprechend stecken zwischen bis zu 70 Prozent der Investitionen im Bau des Turmes. Zu den Nebenwirkungen der großen Windräder gehört, dass sie für starke Schwankungen im Stromnetz führen und entsprechend die Speicherkapazitäten ausgebaut werden muss.

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"Kleine Windräder drehen sich auch mit wenig Wind und sie drehen sich fast immer. Daher liefern sie auch kontinuierlich Strom", sagt der 51-Jährige Architekt, der auch schon Kleinstwindräder in Baumwipfeln installiert hat. Die Rotoren für die Strommasten haben eine Spannweite zwischen 3,50 und 4,20 Meter. Sie kosten als Einzelanfertigungen noch 15.000 Euro, bei Serienproduktion soll der Pries auf ein Drittel sinken.

Netzbetreiber wie die EnBW sind bisher noch zurückhaltend. "Wir sind in Kontakt mit Herrn Frey, aber es gibt noch einige Details zu besprechen", erklärt eine Sprecherin des Energieversorgers auf Anfrage. Geklärt ist inzwischen die Frage der Baugenehmigung. Kleinwindanlagen bis zehn Metern Höhe sind neuerdings genehmigungsfrei. Und für die Probleme bei der Installation und Wartung haben die Ingenieure von Freys Initiative "Free Energy" auch eine Lösung gefunden.

Windrad und Generator werden vormontiert und mit einer Art Bajonettverschluss auf einer Halterung am Mast befestigt. Dadurch können die Anlagen für die Wartung mit einem Kranwagen und einem einzigen Klick demontieren, um am Boden gewartet zu werden. "Es wäre natürlich ein völliger Unfug, eine Hochspannungsleitung auch nur für eine Stunde vom Netz zu nehmen, nur weil man Wartungsarbeiten an einem Fünf-Kilowatt-Windrad vornehmen muss", sagt Frey.

Neues Gesetz zum forcierten Ausbau der Windkraft

Inzwischen ist Frey mit drei Netzbetreibern in Verhandlungen, um Teststrecken einzurichten. In einem Fall sollen vier Masten, über die im Raum Stuttgart eine Siedlung versorgt wird, bestückt werden. Ein Versuchsstrecke betrifft die Ausrüstung von 20 Masten einer Überlandleitung. So wird die Stromtrasse selbst zu seinem eigenen Kraftwerk.

In Stuttgart hat die grün-rote Landesregierung am Mittwoch ein neues Gesetz zum beschleunigten Ausbau der Windenergie vorgelegt, das kommende Woche vom Kabinett verabschiedet werden soll. Mit bis zu 150 neuen Windrädern im Jahr soll Baden-Württemberg zum Vorbild bei der Nutzung von Windkraft werden.

Ein Sprecher des Umweltministerium versicherte, "das ästhetische und naturschutzpolitische Chaos wird nicht ausbrechen". Schließlich gelte weiterhin der Grundsatz, dass Windräder nur in deutlichem Abstand zu Dörfern oder frei stehenden Häusern gebaut werden dürften. Auch der Schutz von Natur und Landschaft sei gewährleistet.

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Autor: Franz Schmider