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08. Februar 2012

Geständnis der Moleküle: Es war der Großonkel

Mit Hilfe von DNA-Spuren an einer Krawatte hat die Kriminalpolizei einen 20 Jahre alten Mord an einer jungen Frau aufgeklärt.

  1. Die Krawatte des Mörders Foto: dpa

  2. Bianca K. – das Opfer Foto: dpa

HEIDELBERG (dpa). Die Freiheit wurde Bianca K. zum Verhängnis. 1991 wurde die 17-jährige Erfurterin erdrosselt und mit entblößtem Unterleib in einem Autobahnwaldstück in der Nähe der französischen Stadt Besançon gefunden. Das Tatwerkzeug, eine graue Krawatte, hing noch um ihren Hals. Nach der Wiedervereinigung 1990 war die junge Frau aus Thüringen nach Baden-Württemberg gezogen. In Heidelberg begann sie eine Ausbildung in einem Luxushotel. Im August 1991 verschwand sie zunächst spurlos.

Ihr in der Nähe lebender Großonkel wurde in den Augen der ermittelnden Soko-Beamten schnell zum Verdächtigen. Denn der damals 63-jährige Fernfahrer hatte eine intime Beziehung zu dem Mädchen – seit deren 16. Lebensjahr. Nach der Polizeiauswertung von Tagebucheinträgen war zudem klar: Bianca K. wollte die Beziehung sofort beenden. Denn sie hatte einen gleichaltrigen Mann kennengelernt und sich verliebt. Es kam deshalb kurz vor ihrem Verschwinden zum massiven Streit mit dem Großonkel.

Erst nach sieben ungewissen Monaten wurde im Frühjahr 1992 auch der Heidelberger Kriminalpolizei bekannt: Das Mädchen war schon vier Tage vor ihrer Vermisstenmeldung von der französischen Polizei tot aufgefunden worden. Ermittelt wurde zunächst nur national, da die Identität des ohne Ausweispapiere und Geldbeutel gefundenen Mädchens unklar war. Die Behörden kooperierten zudem damals über Ländergrenzen kaum miteinander. Ein gemeinsames Polizeizentrum zwischen Deutschland und Frankreich gibt es erst seit 1999.

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20 Jahre später ist der Mordfall nach neuerer Untersuchung der Krawatte endgültig aufgeklärt – mit einer wissenschaftlichen Wahrscheinlichkeit von 16 Billiarden zu 1. "Wir sind uns nach umfangreichen DNA-Analysen sicher, dass es sich bei dem Täter um den Großonkel handelte. Dieser beging jedoch im Jahr 2000 Selbstmord", sagte der Heidelberger Kripochef Siegfried Kollmar am Dienstag. "Leider konnten wir den Mann jetzt nicht mehr verhaften. Damals hatten wir einfach nicht die technischen Möglichkeiten, um ihn zu überführen."

An dem sichergestellten Schlips konnten Spezialisten des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg in wochenlanger Feinarbeit erst im Herbst 2011 äußerst winzige Hautschuppen finden, die dem 1928 geborenen Mann eindeutig zugeordnet werden konnten. Dabei diente auch die aus Speichel des Mannes gewonnene DNA von drei im Jahr 1983 hintereinander verschickten Briefmarken auf unterschiedlichen Postkarten als Beweismaterial.

Schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren konnten die Heidelberger Ermittler einen alten Fall durch ein "Geständnis der Moleküle" aufklären. Bundesweit werden auf diese Weise jährlich nur wenige Morde nachträglich gelöst, da die DNA-Analysen sehr zeitraubend sind. Die Polizisten hoffen nun, noch einen weiteren der insgesamt 26 nicht aufgeklärten Mordfälle in Heidelberg und dem angrenzenden Rhein-Neckar-Kreis zu einem Abschluss zu bringen. Die sogenannten Altfälle ereigneten sich zwischen 1954 und 2000, seitdem wurde jeder Mord aufgeklärt.

Autor: dpa