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18. Januar 2010

Gib mir mal ’nen höheren Zuschuss

Noch nie waren Privatschulen so beliebt wie heute, doch der Zulauf und die Finanznot des Landes lassen sie um ihre Existenz bangen

  1. Eine andere Art von Unterricht: Waldorfschüler beim Bauen. Foto: PRIVAT

FREIBURG. Während an den öffentlichen Schulen die Zahl der Schüler sinkt, steigt sie an den Privatschulen rasant. Eltern hoffen dort auf bessere Lernbedingungen für ihre Kinder. Weil das Land aber seine Zuschüsse nicht erhöht, sehen die Schulen ihre Existenz bedroht. Am Dienstag werden sie deshalb in Stuttgart demonstrieren. Wer besucht Privatschulen, wem gehören sie? Wir haben die wichtigsten Fragen zu den Schulen in freier Trägerschaft, wie die Privatschulen offiziell heißen, zusammengefasst.

Wie viele Schüler besuchen im Land eine Privatschule?
Im Schuljahr 2008/09 besuchten nach Angaben des Statistischen Landesamtes 136 400 Schüler eine Bildungseinrichtung in freier Trägerschaft. 96 100 Mädchen und Jungen gingen auf allgemein bildende Schulen. Das sind 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Zuwachs haben die privaten Grundschulen (plus fünf Prozent) und Hauptschulen (plus vier Prozent). Allerdings sind die absoluten Zahlen vergleichsweise niedrig. 8400 Kinder besuchten eine private Grund-, 4600 eine private Hauptschule. Das entspricht zwei Prozent der Grundschüler und drei Prozent der Hauptschüler im Land. Auf private Förder- und Sonderschulen gingen 14 500 Kinder (plus zwei Prozent), 12 300 besuchten eine private Realschule (plus vier Prozent). Die Privvatgymnasien wurden von 33 200 Schülern besucht, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Freien Waldorfschulen hatten 23 100 Schüler (plus ein Prozent). Auf berufsbildende Schulen in freier Trägerschaft gingen 40 220 Jugendliche.

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Wer steht hinter den Privatschulen?
Das Spektrum ist breit: Manche Schulen sind streng christlich, andere geben sich antiautoritär oder sehen sich in der Tradition der Reformpädagogik. In Baden-Württemberg ist die katholische Kirche der größte Träger freier Schulen.
Wer darf eine Privatschule gründen?
Grundsätzlich kann jeder eine Privatschule gründen. Doch die Hürden, besonders für Grundschulen, sind hoch. Laut Grundgesetz muss eine private Grundschule konfessionell sein oder ein besonderes pädagogisches Konzept verfolgen. Die Idee, es einfach nur besser machen zu wollen als der Staat, reicht nicht aus. Zudem unterstehen auch die privaten Schulen der Schulaufsichtsbehörde.

Welche Eltern schicken ihre Kinder auf Privatschulen?
In der Diskussion wird oft die Meinung vertreten, auf Privatschulen seien vor allem Kinder von Gutverdiener zu finden, die sich das Schulgeld und die Spenden an den Trägerverein der Schule locker leisten können. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung widerspricht dem: Entscheidend sei nicht das Einkommen der Eltern, sondern deren Bildung. Von Eltern, die selbst Abitur haben, schicken mehr als zwölf Prozent ihre Kinder auf eine Privatschule. Bei Eltern mit Hauptschul- und Realschul-Abschluss sind es nur fünf Prozent.

Sind Privatschulen besser?
Bisher gibt es wenig Belege dafür, dass Schüler an Privatschulen bessere Leistungen bringen als an öffentlichen. Der Frankfurter Bildungsforscher Manfred Weiß hat das Leistungsniveau von 15-Jährigen in 14 privaten Realschulen und 18 privaten Gymnasien mit der staatlichen Konkurrenz verglichen. Ergebnis: Die Privatschulen sind keinesfalls überlegen. Allerdings waren die Schüler zufriedener.

Sind die Klassen an Privatschulen kleiner?
Nicht unbedingt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes haben sich die Klassenstärken an öffentlichen und privaten Schulen fast angenähert.

Bekommen Privatschulen Geld vom Staat?

Auch private Schulen werden vom Steuerzahler finanziert. Die Berechnung der Förderung ist überaus kompliziert. Alle drei Jahre werden die durchschnittlichen Ausgaben pro Schüler im öffentlichen Schulwesen ermittelt. Von dieser Richtgröße hängen die Zuschüsse an die freien Schulen ab. Welcher prozentualer Anteil der Pro-Kopf-Ausgaben der öffentlichen an die freien Schulen fließt, ist umstritten. Zur Zeit zahlt das Land zwischen 60 und 70 Prozent dessen, was ein Kind an einer staatlichen Schule kosten würde. Für den Rest müssen die Eltern oder der Schulträger aufkommen.

Wie sieht die Finanzlage in den Privatschulen aus?
Die Privatschulen sehen sich mittelfristig in ihrer Existenz bedroht. So fehlen zum Beispiel der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg seit 2006 mehr als zwei Millionen Euro allein für die Gymnasien. Der Betrieb sei nur noch durch den Gehaltsverzicht der Lehrer und steigende Elternbeiträge möglich, klagen die Waldorfschulen. Die Landesregierung erwartete sinkende Privatschülerzahlen – und damit insgesamt weniger Kosten. Diese Rechnung ging nicht auf: Die Zahl der Schüler an Privatschulen stieg in allen Schulformen kontinuierlich an.

Wie geht es weiter?
Die einst anvisierten 80 Prozent Kostendeckung sind für das Kultusministerium "in der aktuell schwierigen Gesamthaushaltslage" kein Thema mehr. Zur Diskussion stehen 70,5 Prozent.

Autor: Petra Kistler