Gutachterstreit

EdF will Fessenheims Block 2 noch einmal hochfahren

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Sa, 24. März 2018 um 13:44 Uhr

Südwest

Spätestens Mitte 2019 soll das Akw im elsässischen Fessenheim stillgelegt werden. Dochder Betreiber EdF will den seit fast zwei Jahren abgeschalteten Block 2 noch einmal hochfahren.

Spätestens Mitte 2019 soll das Akw im elsässischen Fessenheim stillgelegt werden. Trotzdem will der Betreiber Electricité de France (EdF) den seit fast zwei Jahren wegen eines möglicherweise untauglichen Dampferzeugers abgeschalteten Reaktor 2 des Akw noch einmal hochfahren. Ob dies verantwortbar ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Nun wird es höchstwahrscheinlich ein weiteres Gutachten zu dem umstrittenen Reaktor geben. Nach einer Sitzung der deutsch-französischen Fessenheim-Überwachungskommission (Clis) diese Woche in Colmar, die im Eklat endete, will Kommissionspräsident Michel Habig Experten benennen, die sich erneut mit dem Dampferzeuger, der dort eingebaut wurde, befassen sollen.

Die Gutachten über Block 2 gegen auseinander

Ein erstes Gutachten hat die französische Kontrollbehörde ASN anscheinend überzeugt, dass das Bauteil trotz Fehlern bei der Herstellung sicher betrieben werden kann. Vergangene Woche hatte sie, wie berichtet, den weiteren Betrieb von Reaktor 2 genehmigt. Auf die Entscheidung hin bereitet die EdF in diesen Tagen das Hochfahren vor.

In der Kommissionssitzung hatte ein ASN-Experte die Entscheidung der Atomkontrolleure begründet. Anschließend hatte auch ein Fachmann der Gegenseite das Wort. Für den Atomphysiker Jean-Marie Brom ist durch die chemischen und mechanischen Analysen an Probewerkstücken nicht erwiesen, dass der Dampferzeuger wieder den Belastungen des Akw-Betriebs ausgesetzt werden sollte. Brom gehört zu den elsässischen Akw-Gegnern und ist in der Überwachungskommission als unabhängiger Experte anerkannt. Sein Misstrauen rührt nicht zuletzt daher, dass die Daten, auf die sich die ASN gestützt hat, vom Hersteller des Dampferzeugers, Framatome, selbst stammen. Der hatte es bei dem Teilstück unterlassen, einen Abschnitt zu kappen, der mehr Karbon enthielt als zulässig. Brom traut den Tests nicht, die an zwei eigens für das Gutachten hergestellten Vergleichsstücken durchgeführt wurden.

Klaus Schüle als Vertreter des Regierungspräsidiums Freiburg verwies in der Kommissionssitzung auf die Ängste in der Bevölkerung angesichts des bevorstehenden Wiederanfahrens von Fessenheim 2. "Um das Vertrauen wiederherzustellen", argumentierte er, "brauchen wir vor dem erneuten Hochfahren von Reaktor 2 eine zusätzliche Expertise". Pierre Bois, Chef der regionalen ASN in Straßburg, reagierte in der Sitzung auf seine Forderung zwar diplomatisch, stellte aber klar, dass eine solche externe Meinung nicht vorgesehen sei. Immerhin stellte er in Aussicht, seine Behörde könne durchaus auf externe Positionen reagieren.

Elsässische Atomkraftgegner, die in die nicht-öffentliche Kommissionssitzung gelangt waren, wollten die harte Haltung der ASN, dass Block 2 definitiv wieder ans Netz gehen werde, nicht hinnehmen. Kommissionspräsident Habig brach wegen ihrer Proteste die Sitzung ab.

Ein Mitarbeiter der Umweltabteilung des Departementsrates, bei dem die Clis angesiedelt ist, kündigte nun gegenüber der BZ an, man werde mit dem Betreiber und der Atomaufsicht eine Vereinbarung treffen, um Einsicht in die wichtigen Unterlagen zu bekommen. Jean-Marie Brom solle mit weiteren Experten ein eigenes Gutachten vorlegen.