Harte Strafe im Raserprozess

Peter Sliwka

Von Peter Sliwka

Sa, 18. Mai 2013

Südwest

Tödliches Wettrennen auf der Bundesstraße: Landgericht Freiburg verurteilt jungen Zeitsoldaten zu zweieinhalb Jahren Haft .

FREIBURG. Eine ungewöhnlich schwere Strafe hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Freiburg im "Raserprozess" verhängt. Sie verurteilte einen 25-jährigen Zeitsoldaten aus Müllheim wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung am Freitag zu zweieinhalb Jahren Haft.

Nach Überzeugung des Gerichts hat der Mann sich im Januar 2012 auf der Bundesstraße 3 bei Denzlingen mit einem 38 Jahre alten Freund ein Wettrennen geliefert. In ihren getunten Autos, einem 500 PS starken Nissan und einem Audi mit 670 PS, fuhren sie bis zu 226 Stundenkilometer schnell, erlaubt sind dort maximal 100. Dort, wo die B 3 auf die B 294 trifft, ging der Audi des Freundes aus der Kurve, flog über die Mittelleitplanke, geriet in Brand und krachte in den Gegenverkehr – auf einen Opel Corsa. Dessen Fahrerin, eine 27 Jahre alte Waldkircherin, die auf dem Heimweg von der Arbeit war, wurde auf der Stelle getötet. Sie hatte keine Chance, auszuweichen.

Auch der Audi-Fahrer, ein Franzose, starb in den Flammen. Der Angeklagte hatte den Abflug seines Freundes mit ansehen müssen. Er selbst kam ins Schleudern, prallte gegen die Leitplanke und wurde leicht verletzt.

"Grob verkehrswidrig mit einem kaum zu überbietenden Maß an Fahrlässigkeit" seien der Angeklagte und sein Freund unterwegs gewesen, so die Urteilsbegründung der Vorsitzenden Richterin, Eva Kleine-Cosack. "Stoßstange an Stoßstange", so Zeugen, seien sie zeitweise gerast. Einige Zeugen, die von ihnen überholt wurden, mussten wegen der Luftdruckwelle, die sie verursachten, gegenlenken.

Die Mutter der getöteten jungen Frau leidet schwer unter dem Verlust ihres einzigen Kindes. Sie ist in psychotherapeutischer Behandlung. Jeden Tag geht sie zum Kreuz an der Unfallstelle und auf den Friedhof. Als Nebenklägerin hat sie alle sechs Verhandlungstage durchgehalten.

Ihre Rechtsanwälte, Peter Rau und Philipp Rinklin, zogen aus den sehr hohen Geschwindigkeiten den Schluss, dass der Angeklagte nicht bloß fahrlässig, sondern vorsätzlich den Tod der jungen Frau mitverursacht habe: Wer so rase, der nehme den Tod eines anderen Verkehrsteilnehmers billigend in Kauf. Sie verwiesen dabei auf die Rechtsprechung der Schweiz, wo bereits Raser wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt und mit bis zu sechseinhalb Jahren bestraft wurden.

Der Angeklagte, der angab, als Zeitsoldat nach militärischen Einsätzen in Afghanistan 2009 schwer traumatisiert heimgekommen zu sein, will sich damals auf der Straße von seinem Freund gejagt gefühlt haben und in Panik geraten sein. Für den psychiatrischen Sachverständigen Frank-Stefan Müller war ein derartiger Affekt jedoch nicht nachweisbar. Dagegen spreche, dass der Angeklagte das Auto bei dem Tempo noch beherrscht und richtig auf die Kurve reagiert habe.

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht unter der Forderung des Staatsanwalts. Dieser hatte dreieinhalb Jahre Haft verlangt. Die Anwältin der Nebenklägerin hatte eine Verurteilung wegen Totschlags und ein noch höheres Strafmaß gefordert. Verteidiger und Nebenklage wollen gegen das Urteil Revision zum Bundesgerichtshof Karlsruhe einlegen.