Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. Januar 2011 00:00 Uhr

Kultusministerium

Inklusion darf doch kosten

Der gemeinsame Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder kann nicht ohne zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen umgesetzt werden, sagt das Kultusministerium – und ändert damit seine Position.

  1. Kultusministerin Schick im inklusiven Unterricht in der Freiburger Adolf-Reichwein-Schule Foto: Ingo Schneider

FREIBURG. Zu dieser Einschätzung kam Kultusministerin Marion Schick (CDU) bei einer Fachkonferenz am Freitag in Freiburg. Bislang galt im Kultusministerium die Parole, die Umstellung müsse kostenneutral erfolgen.

Dies beziehe sich nur auf die dreijährige Probephase, erklärte die Kultusministerin den verblüfften Schulpraktikern im Regierungspräsidium. Flächendeckend sei die Inklusion aber nicht ressourcenneutral zu bewerkstelligen.

Die Eingliederung behinderter Kinder und Jugendlicher in die allgemeinen Schulen sei eine der sensibelsten Fragen in der Bildungspolitik der nächsten Jahre, sagte Schick. "Bislang gibt es aber mehr Antworten und Fragen." Der Startschuss für den gemeinsamen Unterricht im gesamten Land wird mit der Änderung des Schulgesetzes im Schuljahr 2013/14 fallen. Die Sonderschulpflicht wird abgeschafft, Eltern behinderter Kinder können nach Abstimmung mit Experten eine geeignete Schule wählen.

Damit die flächendeckende Einführung des gemeinsamen Unterrichts in drei Jahren reibungslos funktioniert, wird seit diesem Schuljahr in fünf Regionen – Freiburg, Stuttgart, Mannheim, Konstanz und Biberach – erst mal geübt. Dabei stehen die Koordination zwischen den Schulen und die Finanzierung von Transport, Umbauten und technischen Hilfsmitteln durch das Land, die Kreise und die Gemeinden im Vordergrund.

Werbung


Das Ende der Sonderschulpflicht bedeutet aber kein Aus für die Sonderschulen. Es wird weiter Standorte für sozialpädagogische Zentren geben. Deren Experten sollen die Schulen beraten und Hilfen vor Ort organisieren und koordinieren. In den allgemeinen Schulen werden sie im Team mit Kollegen unterrichten. Zudem sollen die Förderschulen auch für nichtbehinderte Kinder geöffnet werden. Am mehrgliedrigen Schulsystem soll nicht gerüttelt werden.

"Die Eltern haben das erste Wort, sie haben aber nicht das letzte Wort", sagte Schick, die den Eltern kein absolutes Wahlrecht einräumen will. Die Entscheidung über die Schulwahl fällt in Bildungswegekonferenzen, in denen Schulexperten mit den Eltern und Vertretern der Behinderten- und der Jugendhilfe die beste Lösung für das Kind suchen sollen. "Wir werden Individuallösungen suchen, ohne Präzedenzfälle zu schaffen", sagt die Kultusministerin. Die Kosten könnten allerdings nicht ignoriert werden. Schick will jetzt zudem die Fortbildung aller Schularten auf die Inklusion konzentrieren.

Die Kultusministerin erfährt derzeit Druck aus zwei Richtungen: Vielen Eltern geht die Umsetzung der Inklusion zu langsam, nach Ansicht der CDU-Landtagsfraktion läuft er eher zu schnell. Aber Aussitzen geht nicht. In einem Jahr muss die Bundesregierung den Vereinten Nationen Bericht über den Stand der Inklusion erstatten. "Dieser Prozess muss erfolgreich sein."

Autor: Petra Kistler