Land soll mehr für die Bäder tun

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Do, 06. Dezember 2018

Südwest

Schwimm- und Sportverbände fürchten um Schwimmunterricht.

STUTTGART. Die DLRG-Landesverbände sowie Schwimm- und Sportverbände fordern mehr Geld vom Land, um die Infrastruktur für den Schwimmunterricht in Baden-Württemberg zu erhalten. Die SPD unterstützt das Anliegen bei den Haushaltsberatungen.

Allein die Stadt Pforzheim, finanziell nicht auf Rosen gebettet, benötigt geschätzte 50 Millionen Euro zur Sanierung und Modernisierung ihrer kommunalen Bäder. Auch andernorts haben Kommunen finanzielle Nöte, ihr Angebot an Schwimmbädern aufrechtzuerhalten. Zwischen 2007 und 2017 hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Baden-Württemberg 59 Badschließungen gezählt. Derzeit steht laut DLRG bei 16 weiteren Standorten im Land das Aus zur Diskussion.

Ein zentrales Problem der Kommunen: Viele Bäder, die in den 1960er und 1970er Jahren gebaut worden sind, entsprechen nicht mehr den heutigen energetischen Standards; die hohen Betriebskosten belasten deshalb die kommunalen Etats. Die Schwimmverbände Baden und Württemberg, die Landesverbände der DLRG Baden und Württemberg sowie der Württembergische Landessportbund sehen daher die Landesregierung gefordert.

Die Verbände haben sich zur "Bäderallianz Baden-Württemberg" zusammengeschlossen und die Landespolitik aufgerufen, dem "schleichenden Zerfall und Wegfall der Bäder-Infrastruktur" nicht länger tatenlos zuzusehen. "Es ist höchste Zeit, dass den Kommunen bei der Mammutaufgabe Bädersanierung geholfen und das Bädersterben gestoppt wird. Denn wir dürfen nicht zulassen, dass noch weniger Kinder mangels geeigneter Bäder schwimmen lernen können", heißt es in ihrem Brandbrief. Dabei sei die Schwimmfähigkeit "lebenswichtig", da sie vor dem Ertrinken schütze, zugleich biete sie in einer alternden Gesellschaft eine lebenslange Bewegungsmöglichkeit.

Nicht zuletzt gebe es einen staatlichen Bildungsauftrag: Schwimmen ist im Bildungsplan von Grundschulen verankert. Wenn es zu Schließungen komme, seien die Auswirkungen vor Ort meist erheblich, warnt die Bäderallianz. Und dort, wo es noch Bäder gebe, "kämpfen Vereine, freie Schwimmschulen und Freizeitsportler um ausreichend Wasserflächen und Nutzungszeiten".

Sicherlich sei es vorrangig Aufgabe der Kommunen, sich um den Erhalt und Betrieb zu kümmern, schreiben sie weiter. "Aber aus unserer Sicht entzieht sich das Land seit vielen Jahren seiner gesellschaftlichen Verantwortung." Unterstützung erfährt die Bäderallianz von der SPD. Seine Fraktion werde für den Nachtragshaushalt 2018/19 "ein eigenes Landesförderprogramm für den Bädererhalt in Höhe von 30 Millionen Euro beantragen", kündigt SPD-Fraktionschef Andreas Stoch gegenüber der Badischen Zeitung an.