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18. Mai 2010

Landeschefs der Grünen verstehen sich als Parteiarbeiter

Die Landeschefs der Grünen verstehen sich als Parteiarbeiter.

FREIBURG. Seit einem halben Jahr sitzt der neue Landesvorstand der Grünen im Amt – aber allzu sehr aufgefallen ist er noch nicht. Doch das wäre auch nicht im Sinn von Silke Krebs (44) und Chris Kühn (31). Sie beide verstehen sich als Arbeiter für ihre Partei, die in den ersten Vorbereitungen für die Landtagswahl im kommenden Jahr steckt.

Aus der Zurückhaltung, was die politische Außendarstellung angeht, erklärt sich auch, dass beide Namen nicht im Team des Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann auftauchen: Das sei politischen Köpfen vorbehalten, die für bestimmte grüne Inhalte stehen, aber auch für die vier Regionen des Landes, wie Silke Krebs erklärt. Zudem ist das Team eine Reaktion auf die vom linken Flügel erhobene Forderung nach einer Doppelspitze auch im Wahlkampf – und dient der innerparteilichen Befriedung. Nur in diesem Punkt lassen Krebs und Kühn im Gespräch mit der BZ-Redaktion kurz aufblitzen, dass sie beide aus unterschiedlichen Lagern stammen: Die Freiburgerin Krebs steht für die Realos, der Tübinger Kühn für den linken Flügel. Ihren Aussagen hingegen ist dieser Unterschied kaum zu entnehmen.

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Dabei dürfte die beiden mehr als nur die Herkunft trennen. Krebs ist alleinerziehende Mutter, hat nach Abbruch ihres Studiums Bürokauffrau gelernt und saß zeitweilig im Freiburger Gemeinderat. Ihr nimmt man das Bekenntnis ab, dass ihr die Parteiarbeit genügt: "Ich hätte nicht die Geduld, im Parlament lange Anträge zu schreiben." An der Spitze der Landespartei dagegen habe sie die Chance, in einem kleinen Team binnen kurzer Zeit viel zu bewegen. Der Job mache ihr viel Spaß, auch wenn es dafür, wie sie offen berichtet, mit 2000 Euro netto im Monat nicht allzu viel Geld gibt – "aber mir reicht es".

Kühn dagegen, dreizehn Jahre jünger, macht nicht den Eindruck, als sehe er in seinem jetzigen Amt das Ende seiner Parteikarriere – er versteht es eher als weitere Station zum Politiklernen. Vor einem Jahr erst hat er sein Studium der Politikwissenschaften abgeschlossen, nun kommt gleichsam das Praktikum.

Allerdings gleich mit einer großen Aufgabe, der Organisation des Wahlkampfs 2011. Die Demoskopen legen die Messlatte hoch: Diesmal seien sogar 17 Prozent drin für die Grünen. An der Regierung in einer schwarzgrünen Koalition sieht Silke Krebs ihre Partei dann aber noch nicht: Für die CDU käme ein solches Bündnis erst in Frage, und da sei kein Unterschied zwischen Günther Oettinger und Stefan Mappus, wenn es mit der FDP nicht mehr reiche. Umgekehrt hält sie in Baden-Württemberg vorerst keine Landtagsmehrheit gegen die CDU für wahrscheinlich. Dennoch sieht sie die CDU unter Druck, vor allem in der Bildungspolitik. Und da sind sich Krebs und Kühn ganz einig: Wenn auf diesem Feld ebenso wie in der Energie- und Wirtschaftspolitik nicht die grüne Handschrift in einem Regierungsprogramm herauszulesen ist, werde es selbst bei Bereitschaft der CDU keine schwarzgrüne Koalition in Stuttgart geben.

Autor: Wulf Rüskamp