Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
02. März 2010
Lehrer sollen sich in den Ferien fortbilden
Finanzausschuss will sparen.
STUTTGART. Die Fortbildung der Lehrer bei den pädagogischen Tagen soll künftig in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden. Das beschloss am Montag der Finanzausschuss des Landtages.
Finanzminister Willi Stächele sind sie schon lange ein Dorn im Auge, jetzt fordert auch der Finanzausschuss des Landtags fraktionsübergreifend: "Pädagogische Tage sollen ausschließlich in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden." Das Wort "ausschließlich" in der Verwaltungsvorschrift "Leitlinien für die Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg" ersetzt das Wort "grundsätzlich". Grundsätzlich bedeutet, dass es Ausnahmen gibt – so die Interpretation der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Nach einem Bericht des Kultusministeriums, der dem Finanzausschuss vorlag, fanden im Schuljahr 2008/09 an der Hälfte aller öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen insgesamt 2077 Pädagogische Tage statt, 988 oder 47,6 Prozent während der Unterrichtszeit. Da das gesamte Lehrerkollegium an der schulinternen Fortbildung teilnimmt, entfällt der Unterricht; besonders oft übrigens an Gymnasien, wo 68,1 Prozent der Pädagogischen Tage nicht in die unterrichtsfreie Zeit gelegt wurden. Die Ausnahme ist dort also die Regel.
Werbung
Die Zahlen stießen im Finanzausschuss auf heftige Kritik, wie der Vorsitzende, der SPD-Abgeordnete Ingo Rust, mitteilte. Schließlich falle auf diese Weise Unterricht "in erheblichem Maß" aus. Der Rechnungshof hat schon 2008 einen "wirtschaftlichen Schaden" erkannt und Korrekturen verlangt. Im Kultusministerium will man keinen Zusammenhang zwischen Unterrichtsausfall und Haushaltsdaten sehen: "Berechnungen von Stelleneinsparungen mittels sogenannter Opportunitätskosten, also von Kosten, die lediglich fiktiv ermittelt werden erscheinen zweifelhaft." Stächele bezifferte die Einsparungen vor den Haushaltsberatungen im Oktober auf 5,5 Millionen Euro im Jahr. Seit die pädagogischen Tage gemeldet werden müssen, nimmt das Interesse der Lehrer an ihnen ab: 2005/06 wollte man sich noch an 70 Prozent der Schulen fortbilden.
Autor: Bettina Wieselmann
