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21. März 2017

Tübingen

69-Jähriger springt bei Räumung in den Tod

69-Jähriger hatte sich in Institutsgebäude häuslich eingerichtet / Schüsse auf Ordnungsdienst.

TÜBINGEN (dpa). Bei einer Zwangsräumung in Tübingen ist der 69 Jahre alte Bewohner am Montag tödlich verunglückt. Die Wohnung war zuvor aus noch ungeklärter Ursache in Brand geraten. Beim Versuch, sich über den Balkon zu retten, stürzte der Mann mehrere Meter in die Tiefe, wie die Polizei mitteilte. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebung starb er noch am Unglücksort. Ob der Bewohner das Gebäude selbst in Brand gesetzt hat, musste noch geklärt werden.

Zuvor hatte der Mann nach Angaben der Polizei von dem Balkon aus mit einer Pistole auf einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes geschossen. Der war mit dem Gerichtsvollzieher zum Haus gekommen, um die angekündigte Räumung zu vollstrecken. "Das Projektil streifte den Mitarbeiter zum Glück nur am Ärmel und beschädigte lediglich dessen Jacke. Er blieb unverletzt", heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Die Zwangsräumung hatte sich lange angekündigt. Der 69-Jährige hatte seit mindestens sechs Jahren unrechtmäßig in dem landeseigenen Gebäude gewohnt und mehrere Räume belegt. Er war bis August 2011 wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Tübingen in der Physikalischen und Theoretischen Chemie gewesen, wie eine Sprecherin der Universität sagte. Er zog vermutlich ein, als die medizinische Biologie – ebenfalls nicht sein Arbeitsbereich – im Gebäude untergebracht war. Die genauen Umstände waren noch unklar.

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Als das Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft 2011 sämtliche Räume im Haus in Anspruch nehmen wollte, habe man bemerkt, dass sich der Mann dort häuslich niedergelassen hatte. Seit 2012 gab es laut Stadtverwaltung in dem Fall mehrere Räumungsklagen. Dem Bewohner sei eine Wohnung angeboten worden, die er jedoch ausschlug. Einen Räumungsschutzantrag des Betroffenen vom 9. März lehnte das Amtsgericht ab.

Zur Suizidgefahr wurden vor der Zwangsräumung nach Angaben des Präsidenten des Landgerichts Tübingen mehrere psychologische Gutachten angefertigt. Ein erkennbar erhöhtes Risiko gab es demnach nicht. "Dass er das Haus anzündet, war nicht abzusehen", sagte Frey. Der Gerichtsvollzieher habe den Vorfall ersten Erkenntnissen zufolge gut weggesteckt, der Mann habe am Montag auch weitergearbeitet.
Die Waffe, mit der er bei der Zwangsräumung am Montag auf einen Ordnungsamtsmitarbeiter schoss, besaß der Mann laut Stadtverwaltung illegal.

Autor: dpa