Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
17. März 2010
MENSCHEN VON HIER: Einer, der keinem Streit aus dem Weg geht
BZ-PORTRÄT:Nach 24 Jahren als Bürgermeister von St. Blasien will Johann Meier im Herbst nicht mehr kandidieren.
ST. BLASIEN. Zu St. Blasien gehört der Dom. Und Bürgermeister Johann Meier. Der Dom wird bleiben – doch Johann Meier geht. Nach 24 Jahren an der Spitze des 4000-Einwohner-Städtchens wird er sich im Herbst aus dem Rathaus verabschieden. Mit 60 Jahren wäre Meier zwar noch nicht zu alt für eine vierte Periode, "aber ich möchte mit spätestens 65 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden". Deshalb ist eine weitere ganze Amtszeit nicht mehr drin. Doch auf halbe Sachen lässt sich Meier auch sonst nicht ein.
Als junger Mann wollte er Schlosser werden, nach der Gesellenprüfung wechselte er aber zur Polizei. Er holte berufsbegleitend die Fachhochschulreife nach und legte die Prüfung für den gehobenen Dienst ab. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde er Postenführer in St. Blasien. In dieser seiner neuen Heimat wollte er sich auch kommunalpolitisch engagieren, 1984 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Es gelang ihm, die bis dahin hoffnungslos zerstrittenen Vereine Stadtmusik und Jugendkapelle zu einen. "Dieser Erfolg hat mich in meiner Überlegung, bei der Bürgermeisterwahl anzutreten, bestärkt", erinnert er sich. Und so setzte er sich 1986 in der Bürgermeisterwahl gegen den Amtsinhaber und drei weitere Kandidaten durch. Die folgenden Wiederwahlen waren für ihn ein Leichtes.
Werbung
Trotzdem hatten es die ersten Amtsjahre in sich. Der parteilose Bürgermeister musste dem Gegenwind der Christdemokraten standhalten, die nur schwer akzeptieren konnten, dass ihr Kandidat bei der Wahl unterlegen war. An die Zeit voller Konflikte erinnert sich auch Meiers langjähriger Weggefährte Thomas Mutter, der seit 39 Jahren im Gemeinderat sitzt: "Johann Meier geht keinem Streit aus dem Weg."
Positiv bewertet Mutter, dass es Meier geschafft habe, sich in kurzer Zeit mit St. Blasien und seinen Eigenheiten zu identifizieren. Ohne ihn, glaubt Mutter, wäre St. Blasien heute weniger gefestigt als Unterzentrum der Region. Während viele Rathauschefs in den vergangenen Wochen eher mitleidig auf die skandalgebeutelte Domstadt blickten, dürfen sie jetzt ein bisschen neidisch sein: Die neue Landesregierung hält hier ihre erste Klausur Ende März ab.
Die einen loben seine Zielstrebigkeit, andere kritisieren seine Beharrlichkeit, wenn er sich für ein Vorhaben entschieden hat. Wie das Radonbad in Menzenschwand. Gegen alle Widerstände setzte er den Bau des Bades durch. Kritiker sagen, er habe sich ein Denkmal bauen wollen. Darüber kann er nur lächeln. Er brauche weder ein Denkmal noch die Macht eines Gemeindechefs, sagt Meier. Gerade deshalb könne er die politische Bühne im Herbst mit gutem Gefühl verlassen. Das Einzige, was er seinem Nachfolger gerne erspart hätte, ist der Schuldenberg St. Blasiens, der trotz des Sparkurses der vergangenen Jahre noch beträchtlich ist. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei mehr als 3500 Euro (einschließlich Eigenbetriebe der Gemeinde).
Fest mit dem Namen Johann Meier verbunden bleiben die St. Blasier Domfestspiele. Gemeinsam mit Wolfgang Endres und Thomas Mutter belebte er 1993 die Festspiele wieder, bei denen die halbe Stadt in irgendeiner Form mitwirkt. "Meier packt zu. Er schmiedet nicht nur Pläne, sondern setzt sie auch um", lobt Endres seinen Bürgermeister. 2013 soll es übrigens wieder Festspiele geben. Erste Vorbereitungen laufen. In drei Jahren hat der heute 60-Jährige vielleicht auch Zeit, eine große Rolle zu übernehmen.
Autor: Kathrin Blum
