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24. November 2013 11:37 Uhr

Sicherheit im Straßenverkehr

Minister bringt Gutachten zur Helmpflicht auf den Weg

Würde eine Helmpflicht für Radler nach hinten losgehen und die Menschen wieder zum Autoschlüssel greifen lassen? Zu dieser Frage gibt es kaum Daten. Die Lücke will jetzt das Land schließen.

  1. Kommt die Helmpflicht für Radfahrer? Foto: dpa

Baden-Württemberg hat ein Gutachten zu einer möglichen Helmpflicht für Radfahrer auf den Weg gebracht. Die Expertise sei ausgeschrieben, der Zuschlag werde noch vor Jahresende gegeben, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Die Hauptfragen lauteten, wie gut ein Helm schützt und ob eine Helmpflicht dazu führen könnte, dass weniger Rad gefahren wird.

Hermann, ein Befürworter der Helmpflicht, betonte: "Wir wollen kein Gefälligkeitsgutachten, sondern stellen Fragen, die wissenschaftlich untersucht und fachlich fundiert beantwortet werden sollen." Die Ergebnisse, zu denen wahrscheinlich auch eigene Erhebungen der Gutachter gehören, werden nicht vor 2015 präsentiert.

Die SPD kritisiert den Eifer der Grünen

Allerdings könnte nur der Bund eine Helmpflicht einführen. Anders als der Koalitionspartner SPD stehen die CDU und die Liberalen dem Gutachten offen gegenüber. Die SPD hatte kritisiert, die Grünen trieben es mit der Reglementierung zu weit. Ein Gutachten sei reine Geldverschwendung, hatte der Verkehrsexperte der Fraktion, Hans-Martin Haller, gesagt.

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Diese Position weist Hermann zurück. "Es gibt eine Reihe von sinnvollen Verboten. Der Straßenverkehr würde sonst gar nicht funktionieren", sagte der leidenschaftliche Radfahrer, der mit dem Zweirad und stets mit Helm zu seinem Arbeitsplatz kommt. Als Politiker fühle er sich dafür verantwortlich, dass Menschen sich im Straßenverkehr nicht verletzten und ihre Lebensqualität erhalten bleibe. Überdies sei jeder Unfall nicht nur ein Schaden für den Betroffenen, sondern auch für die Gesellschaft.

406 verunglückte Radfahrer in 2012

Im vergangenen Jahr kamen deutschlandweit nach Angaben des Innenministeriums 406 Radler um, 7 mehr als im Jahr zuvor. In Baden-Württemberg verunglückten 42 Radfahrer tödlich, von denen 33 keinen Helm trugen. Nach Angaben Hermanns sind 50 Prozent aller Fahrradtoten ältere Menschen, die keinen Helm tragen. Häufig stürzten sie ohne Fremdeinwirkung und erlitten dabei tödliche Kopfverletzungen. Das Land verfolgt die "Vision Zero", bei der im Jahr 2020 als wichtiger Zwischenschritt 40 Prozent weniger Menschen auf Baden-Württembergs Straßen zu Tode kommen sollen als 2010. Vor drei Jahren waren 469 Unfalltote zu beklagen.
Die CDU-Verkehrsfachfrau Nicole Razavi weist auf die neue Nutzergruppe der E-Bike-Fahrer hin, die mit höherer Geschwindigkeit als herkömmliche Radler unterwegs seien. Vor diesem Hintergrund sei ein Gutachten zur Sicherheit sinnvoll. "Wenn die Expertise ergeben sollte, dass die Zahl der Kopfverletzungen beim Radeln ohne Helm deutlich steigt, müssen wir uns des Themas annehmen", sagte sie.

Kontrolle der Helmpflicht laut FDP schwierig

Auch wenn der FDP-Verkehrsexperte Jochen Haußmann aktuell keinen Handlungsbedarf sieht, begrüßt er ein Gutachten. Allerdings sei die Kontrolle im Fall einer Helmpflicht schwierig. Doch könne man sich auch als Liberaler nicht gegen jegliche Regelung wenden, meinte Haußmann. "Dann hätten wir heute noch keine Gurtpflicht."

Autor: Julia Giertz (dpa)