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03. Juli 2010 00:05 Uhr

Streit

Nackte Konstanzer Papstfigur muss abgebaut werden

Konstanz’ Trouble um die "Imperia": Die neun Meter große vollbusige Kurtisane ist schon lange Touristenmagnet. Seit aber eine Kopie des Papstes im Bahnhof steht, gibt es Streit. Nun muss die Papstkopie verschwinden.

  1. Beliebtes Motiv in der Touriinfo im Bahnhof Konstanz: die Papstskulptur. Foto: dpa

Der Verursacher des Streits tut das, was er am liebsten macht: Er spottet. Peter Lenk (63), sesshaft am Bodensee, von Beruf Skandalbildhauer und Schöpfer der "Imperia" samt des nackten Papstes, legt Wert auf die Feststellung: "Die haben doch gebittelt und gebettelt um die Papstfigur im Bahnhof." Und jetzt soll er sie wieder mitnehmen? Soweit kommt es.

Das allerdings hat der Aufsichtsrat der Fremdenverkehrsgesellschaft mit Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne) an der Spitze soeben beschlossen, mit sechs zu fünf Stimmen. Und die spannende Frage ist: War dabei politischer Druck aus Stuttgart im Spiel? Schließlich will Konstanz für 2014 eine Große Landesausstellung bewilligt haben, zum Gedenken an 600 Jahre Konstanzer Konzil (1414–1418).

Daran erinnert auch "Imperia". Sie stellt eine Hure zur Zeit des Konzils dar. Sie hat die Mächtigen ihrer Zeit, Papst und Kaiser, in der Hand. Als Lenk 1993 bei Nacht und Nebel die riesige Statue an der Hafeneinfahrt aufstellte, war der Skandal perfekt. Heute ist sie aus Konstanz und aus den Fotoalben seiner Besucher nicht mehr wegzudenken.

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Was lag also näher, als einen Originalabguss des nackten Papstes als Blickfang in die neuen Räume der Touristinfo zu stellen, dachte sich deren Chef, Norbert Henneberger. Ein Papst nicht nur hoch oben (auf der "Imperia"), sondern hier einmal auf Augenhöhe. Stolz ließ er sich Ende April neben dem hutzeligen Alten fotografieren. Doch das wurde eine Bauchlandung. Heftiger Protest kam vor allem von der CDU und aus Kirchenkreisen. Die Empörung wuchs, als laut einer später korrigierten Bild-Zeitungsmeldung die Plastik Papst Benedikt XVI. darstellte. CDU-Generalsekretär Thomas Strobl und Innenmister Heribert Rech schäumten pflichtschuldig über das Machwerk.

Lenk erwirkte zwar eine Gegendarstellung bei Bild, wonach es sich mitnichten um Joseph Ratzinger sondern um Papst Martin V. (1368–1431) handelt. Doch das brachte Rathauschef Frank nicht aus der Klemme. Er wollte es sich nicht mit der Landesregierung verderben. Inzwischen hat sie zwar ihr Plazet für die Große Landesausstellung in Konstanz schon gegeben. Aber der Heilige Vater höchstpersönlich soll die Jubiläumsfeiern krönen. Die Einladung ist schon ausgesprochen.

Künstler Lenk wird die Figur wohl demnächst murrend und spottend abtransportieren und die Rechnung ans Rathaus schicken. Aber er sinnt schon auf Revanche.

Lenk sprach von einer absolut lächerlichen Posse und kann sich nun heimlich ins Fäustchen lachen über die unfreiwillige PR. Er sagt, die Figur stelle doch nur einen Gaukler dar, der sich die Insignien der kirchlichen Macht angeeignet habe. Den Stadtoberen machte er klar, dass der nackte Papst dem Urheberrecht zufolge nur mit seinem Einverständnis wieder weggeschafft werden darf. Er hat einen Anwalt eingeschaltet und will gerichtlich entscheiden lassen, wann der Abtransport erfolgt.

Autor: Stefan Hupka und dpa