Neonazis geben sich als Zeugen zugeknöpft

Axel Habermehl

Von Axel Habermehl

Di, 17. April 2018

Südwest

NSU-Untersuchungsausschuss.

STUTTGART. "Daran kann ich mich nicht erinnern." "Das ist alles lange her.""Das weiß ich nicht mehr." Oder: "Ich hatte auch großen Durst in der Zwischenzeit. Also ich habe viel getrunken. Also Alkohol." Im Landtag haben am Montag vier Neonazis dem NSU-Untersuchungsausschuss ihren Unwillen demonstriert, an der Aufklärung von Verbindungen und Netzwerken mitzuwirken, die zwischen dem NSU-Kerntrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie rechtsextremen Strukturen in Baden-Württemberg bestanden.

Der Untersuchungsausschuss prüft, ob und welche Unterstützer es im Südwesten gab, die den im Untergrund lebenden Rechtsterroristen halfen. Dabei sollte es am Montag insbesondere um Waffenbeschaffer gehen, aber auch um die Organisation von Skinhead-Konzerten und den Aufbau internationaler Kontakte.

Der Ausschussvorsitzende will Aussagen prüfen

Da ist etwa Markus F., 47, aus Kirchheim am Neckar. Er war mal Chef der Württemberg-Sektion des heute verbotenen Neonazi-Musik-Netzwerks "Blood & Honour", später gründete er, überwiegend mit demselben Personal, die Kameradschaft "Furchtlos & Treu". "Wir sind ein Freundeskreis", sagt F., mehrfach vorbestrafter Deutsch-Kroate mit Bauch, Bart und Totenkopf-Tätowierung auf der Glatze. Der Schriftzug "Adolf Hitler" ist nicht zu sehen, dass er ihn auf der Haut trägt, gibt F. auf Nachfrage gern zu. Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos? "Kannten wir gar nicht, wussten wir nichts!"

Oder Sven R., 45, Bauhelfer mit Bomberjacke aus Thüringen. Er saß mit Böhnhardt im Gefängnis, wurde dem Ausschuss in Verbindung mit Waffengeschäften im NSU-Umfeld genannt. Ein Zeuge hat ihn beschuldigt, Waffen besorgt zu haben. "Der spinnt", sagt Sven R. Oder Stepan L., 47, früher Ostberlin, heute auch Kirchheim. Er war mal Deutschlandchef von "Blood & Honour". Aber damit sei er "Repräsentant" gewesen, "wie der Bundespräsident". Über den NSU wisse er nichts. Die Abgeordneten sind unzufrieden mit den Aussagen. Man gleiche alle Aussagen miteinander und mit den Akten ab, sagt der Vorsitzende Wolfgang Drexler (SPD). "Wer im Ausschuss etwas Falsches aussagt, wird angezeigt, fertig."