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10. März 2010

Nils Schmid führt SPD in die Landtagswahl

Aber Gegenwind im Wahlkreis.

STUTTGART. Die SPD-Führung hat sich nach Informationen der Badischen Zeitung intern bereits auf Landeschef Nils Schmid als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2011 geeinigt.

Offiziell soll der Vorschlag erst bei einem Spitzentreffen von Landesvorstand, Landtagsfraktion, der Landesgruppe im Bundestag und SPD-Oberbürgermeistern am 20. März gemacht werden. Aber bereits an diesem Mittwoch bereitet die SPD-Fraktion Schmid im Landtag die Bühne für eine erste große Debatte mit dem Ministerpräsidenten und CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Stefan Mappus: In der Aussprache über Mappus’ erste Regierungserklärung soll für die SPD nicht – wie eigentlich üblich – Fraktionschef Schmiedel, sondern Schmid das Wort ergreifen. Schmiedel hatte sich offiziell bis zuletzt eine Kandidatur offen gehalten, soll intern aber schon länger seinen Verzicht erklärt haben.

Ärger unter Reutlinger Genossen über Schmids Wahlkreiswechsel

Allerdings läuft der bevorstehende Wechsel Nils Schmids von seinem Wahlkreis Nürtingen nach Reutlingen nicht so geräuschlos wie geplant. Unter den Reutlinger Sozialdemokraten hat das Verfahren heftigen Unmut erregt. "Ich fühle mich hinters Licht geführt", sagt der ehemalige Landtagsabgeordnete, Stadt- und Kreisrat Karl Weingärtner. Sein Ärger gilt der Art, auf die der Reutlinger Kreisvorsitzende Sebastian Weigle den Übertritt eingefädelt hat. Das sei kein sauberer sozialdemokratischer Weg gewesen, zürnt der Geschichtsprofessor im Ruhestand.

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Aus seiner eigenen Sicht stieß Schmid in Reutlingen auf eine günstige Konstellation. Der Abgeordnete Rudolf Hausmann (55), im Landtag seit 1996, kündigte im Januar aus beruflichen Gründen seinen Verzicht an. So wird der Wahlkreis Reutlingen für die SPD frei. Nils Schmid (36) befand sich bereits auf der Suche nach einem sicheren Wahlkreis. Sein eigener in Nürtingen, in dem er 2006 23 Prozent holte, gilt nach der Wahlkreisreform als wackelig. Schmid will verhindern, dass es ihm so geht wie seiner Vorgängerin Ute Vogt. Sie kam 1996 in Pforzheim – gegen Mappus – nur auf 24,3 Prozent und blieb ohne Mandat. So fühlte Schmid in Reutlingen vor, wo er auch persönliche Beziehungen hat: Hier lebt sein Großvater. Der Wahlkreis ist voraussichtlich sicherer.

Der populäre Rivale wird aus Parteiräson nicht antreten

Kurz nach dem Verzicht Hausmanns kündigte der Kreisvorsitzende Weigle die Gründung einer Findungskommission an, ohne zu verraten, dass er bereits einen dicken Fisch an der Angel hatte. Als Schmids Ansinnen durchsickerte, zeigten sich viele SPD’ler überrascht. Insbesondere einer, der sich bereits große Hoffnungen gemacht hatte: Thomas Keck, Bezirksbürgermeister im Stadtteil Betzingen. Keck fühlte sich von Weigle, seinem Nebenmann im Reutlinger Gemeinderat, um die Chance seines Lebens gebracht.

Weingärtner beteuert, er habe nichts gegen Nils Schmid. Bei der Mitgliederbefragung 2009 hatte der neue SPD-Landeschef in Reutlingen auch viel Rückhalt gefunden. Mit Weigle geht Weingärtner jedoch ins Gericht. Der habe durch Übertaktieren Schmid "in eine blöde Situation gebracht". So sehen es viele. Der Vorstand von Kecks SPD-Ortsverein Betzingen erwägt aus Protest seinen Rücktritt.

Am 16. April nominiert die SPD in Reutlingen ihren Landtagskandidaten. Für Schmid dürfte zwar nichts schief gehen. Der bürgerlich gut verankerte Keck, von dem es heißt, ihn fürchte die CDU mehr als Schmid, wird aus Parteiräson nicht antreten. Aber für schlechte Stimmung in der Partei hat die Art und Weise, wie Schmid lanciert wurde, gesorgt.

Autor: Roland Muschel und Raimund Weible