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10. August 2010 00:22 Uhr

Studie

Notarzt-Versorgung hinkt in Südbaden hinterher

Ein neuer Bericht offenbart: In weiten Teilen Südbadens können die Notärzte die vorgeschriebenen Rettungsfristen nicht erfüllen. Auch an der Qualität hapert es. Woran liegt das?

  1. Geschwindigkeit ist überlebensnotwendig: Ein Notarzt im Freiburger St. Josefs-Krankenhaus auf dem Weg zum Einsatz Foto: Michael BAMBERGER

STUTTGART. Fakt ist: Die Notarzt-Versorgung erfüllt in weiten Landesteilen weiter nicht die gesetzlichen Vorgaben. In vier der sechs Landkreise und kreisfreien Städte Südbadens gelingt es den Notärzten nicht wie vorgeschrieben, in 95 Prozent der Fälle bei ihren Patienten zu sein. Dies stellt jetzt der Qualitätsbericht der Rettungsdienste in Baden-Württemberg fest.
Im Landkreis Waldshut soll es seit Kurzem ein Hubschrauber richten – das Gesetz lässt dem zuständigen gemeinsamen Gremium von Krankenkassen und Rettungsdiensten, dem Bereichsausschuss, keine Chance. Mit einer Rettungsfrist von 84,1 Prozent lag Baden-Württemberg auch im Jahr 2009 auf dem vorletzten Platz und weit unter den Vorgaben des Rettungsdienstgesetzes des Landes. Nun sollen manche Kranken in die Klinik geflogen werden.

In Lörrach und Waldshut ist sogar der Rettungswagen zu langsam

Aber auch in den Kreisen Emmendigen, Lörrach und Ortenau kommt der Notarzt häufiger später, als es das Gesetz erlaubt. Einzige Ausnahme ist das zusammengefasste Gebiet Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald, wobei die Zahlen des Kreises durch die notärztlich bestens versorgte Stadt noch geschönt sein dürften. In den Kreisen Lörrach und Waldshut erfüllt die vorgeschriebene Rettungsfrist auch der unabhängig erfasste Rettungswagen mit den Rettungsassistenten nicht.

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Sozialministerin Monika Stolz (CDU) sprach bei der Präsentation des Berichtes in Stuttgart dennoch von einer hohen Qualität des Rettungsdienstes, der aber noch Verbesserungspotenzial habe. Dieses Potenzial erkennt auch ein Artikel in der Fachzeitschrift Deutsches Ärzteblatt. In ihm haben sich die beiden Göppinger Ärzte Martin Messelken und Matthias Fischer erstmals die Mühe gemacht, zentral die Qualität der baden-württembergischen ärztlichen Notfallversorgung unter die Lupe zu nehmen. Ihr Urteil lautet "gut bis akzeptabel", aber von den Strukturen und Prozessen "an einzelnen Orten noch deutlich verbesserungsfähig". Zusammen mit Kollegen haben die beiden Anästhesisten der Kliniken des Landkreises Göppingen die von den einzelnen Notarztbezirken gesammelten Behandlungsergebnisse ausgewertet.

Nimmt man die Daten aller Bezirke zusammen, klingen die Ergebnisse noch gut. Bei fast 70 Prozent der Patienten gelang es den Rettungsmedizinern, eine Verbesserung des Zustandes zu erreichen. 100 Prozent sind unmöglich, weil die Therapiemöglichkeiten des Notarztes beschränkt sind. Jeder dritte Kreislaufstillstand konnte erfolgreich wiederbelebt werden – auch das keine schlechte Quote. "Allerdings gibt es auch Bezirke, die deutlich schlechter abschneiden", sagt Messelken. In einem waren sogar sechs von zehn Geretteten nach der Ankunft in der Klinik in einem schlechteren Zustand als vor Ankunft der Retter. Welche Bezirke das sind, weiß Messelken nicht, die Daten wurden anonymisiert.

Den Rettern schauen nur die Retter selbst auf die Finger

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. "Wir würden uns von der Landesregierung wünschen", so der Notarzt, "dass sie nicht das ganze Notfallwesen in die Hände der Selbstverwaltung, also der Rettungsdienstleister und Krankenkassen, legt. Sie sollte unserer Meinung nach selbst dafür sorgen, dass die Qualität in der Notfallversorgung durch Notärzte unabhängig überwacht wird." Bisher weist zum Beispiel keine Institution einen Bezirk darauf hin, dass seine Patienten deutlich ungesünder in der Klinik landen als in anderen Regionen. Noch schlimmer: Da alle Daten anonymisiert sind, schlägt auch zentral keiner Alarm, weil keiner die Lage in den einzelnen Rettungsbezirken beurteilen kann. In Baden-Württemberg möchte auch niemand wissen, was mit den Geretteten in der Klinik passiert. Ob beispielsweise Herzinfarktpatienten im Kreis Waldshut tatsächlich so schnell im Krankenhaus landen, dass sie ähnlich gute Überlebenschancen haben wie in Freiburg und ähnlich gesund entlassen werden – möchte das Sozialministerium von Monika Stolz bisher nicht wissen.

"In Baden-Württemberg kennen wir noch nicht einmal einen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst wie in allen anderen Bundesländern", sagt der Notarzt Frank Koberne vom Freiburger St. Josefs-Krankenhaus. Damit gebe es auch keine Autorität, die vor Ort die Qualität und Leistung der Notärzte überwacht und dafür sorgt, dass Fehler abgestellt werden.

Dabei wird all das immer wichtiger. Denn auch das ist ein Ergebnis der Studie der Göppinger Mediziner: In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der Notfalleinsätze im Land um 22 Prozent erhöht.

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Autor: Michael Brendler