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23. Mai 2009
Ohne Deutschkenntnisse keinen Job
Junge Elsässer lernen ungern die Sprache des Nachbarn / Im Dreiländereck legen viele Arbeitgeber Wert auf Zweisprachigkeit
MULHOUSE. Weil die Elsässer ihre Zweisprachigkeit nicht pflegen, holen sich immer häufiger andere die guten Arbeitsstellen im Dreiländereck. In Mulhouse hat es zum Thema jetzt erstmals ein Forum gegeben. Dabei wurde deutlich, dass den französischen Arbeitnehmern die Zeit davonläuft.
"Zweisprachig deutsch-französisch im Oberelsass sein, ein Trumpf für Wirtschaft und Arbeit", wirbt die Einladung, der mehr als 100 Personen gefolgt sind. "Sprache ist kein kulturelles, sondern ein wirtschaftliches Problem", betont Charles Buttner, Präsident des oberelsässischen Generalrates. Das ist in Frankreich, in dem die französische Sprache aufs Engste mit dem Nationalbewusstsein verknüpft ist, eine wichtige Aussage. Allerdings kommt sie reichlich spät. Denn junge Elsässer lernen ganz offensichtlich lieber Englisch als Deutsch – wenn sie überhaupt eine Fremdsprache lernen. "Wir haben irgendwann angefangen, unseren Angestellten Sprachkurse zu geben, weil wir auf dem Markt keine Elsässer gefunden haben, die Deutsch sprechen", sagt Fabienne Dozzi vor der Personalabteilung der deutschen Firma Diafood, die in Munster eine Filiale betreibt. Wenn man die Zahlen der Absolventen des deutsch-französischen Abi-Bac betrachtet, ist das kein Wunder. 856 von 20 000 Schülern im Elsass sind dort eingeschrieben. Das entspricht 1,5 Prozent. Zwischen Klasse 6 und 10 besuchen 2815 Schüler zweisprachige Züge – 3,2 Prozent der Schüler. "Die jungen Leute sagen, Deutsch sei spießig!", erzählt Fabienne Dozzi.
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Das schwächt Patrick Hell von der Industrie- und Handelskammer Südelsass in Mulhouse ab. Neben dem Tokio-Hotel-Effekt gebe es einige andere musikalische Gründe, die Sprache der Nachbarn zu lernen: "Da gibt es Wir sind Helden, Rammstein oder La Fee, früher haben wir Nena gehört", sagt er. Rein wirtschaftlich gesehen bleibe den Elsässern gar nichts übrig, als Deutsch zu sprechen, so seine These, "Wir werden als zweisprachige Region wahrgenommen, dieses Image sollten wir nicht verlieren." Außerdem seien Deutschland und die Schweiz die wichtigsten Handelspartner der Region. "Viele meiner Kunden sind deutschsprachige Unternehmen", bestätigt Headhunter Jean-Luc Niedergang aus Basel. "Drei Stunden Deutschunterricht in der Schule pro Woche reichen nicht aus", sagt Patrick Kleinclaus, Kultur- und Sprachbeauftragter des oberelsässischen Generalrates. Er setzt sich für Elsässisch als Regionalsprache ein, die. Mehr als 90 Prozent der jungen Menschen sprechen aber nicht mehr elsässisch. Seine Hoffnung: Wenn es mehr zweisprachige Schulen im Elsass gibt, könnten mehr Kinder Deutsch und – ausgehend davon – Elsässisch lernen. Nur müssen sich die Elsässer beeilen. Schon beobachten Headhunter auf dem deutschen und dem Schweizer Arbeitsmarkt, dass mehrsprachige Arbeitnehmer aus Osteuropa in Gastronomie und Tourismus Stellen bekommen, die früher Elsässer besetzen. "Mehrsprachigkeit kann keine Option mehr sein, sondern muss zur Grundausbildung gehören", sagt Jean-Luc Niedergang.
Autor: Constance Frey
