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22. Dezember 2009 01:09 Uhr

Grüne Senkrechtstarter

Palmer und Brantner erwarten Nachwuchs

Zwei grüne Senkrechtstarter haben sich gefunden: Die Freiburger Europa-Abgeordnete Franziska Brantner und Boris Palmer gaben bekannt, dass sie ein Paar sind – und der Tübinger Oberbürgermeister in Elternzeit gehen will.

TÜBINGEN. Versteck gespielt hat das Paar nicht: Wer genau hinschaute beim Tübinger Stadtlauf im September, sah eine junge Frau an der Seite des Oberbürgermeisters, auf der seine Augen mit Wohlgefallen ruhten. Sie heißt Franziska Brantner und gehört seit Sommer als eine von 14 deutschen Grünen dem Europäischen Parlament an. Gestern haben die beiden klar gemacht, dass ihre Beziehung mehr ist als eine Liebelei. "Wir haben uns entschieden, wir gründen eine Familie", sagte der 37-jährige Palmer im In-Lokal "Ludwigs".

Mit der Familiengründung haben sie schon eine erste Etappe erreicht. In Tübingen bezogen sie eine Altbauwohnung, und die 30-jährige Franziska Brantner ist im vierten Monat schwanger, im Mai erwarten sie den Nachwuchs. Für Palmer steht fest, dass er, wenn das Kind da ist, eine Auszeit vom Beruf nehmen wird. Er will im September und Oktober in Elternzeit gehen, um seine Partnerin abzulösen, die nach der Geburt politisch kürzer treten will.

Brantner kann Palmers Tempo locker halten

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Palmer ist wohl der erste OB in Deutschland, der Elternzeit beansprucht. Gewohnt selbstbewusst sagt der Schwabe: "Ein guter OB kann auch zwei Monate weg sein, nur ein schlechter muss jeden Tag hinterherkehren." Nach dem Babysitten will er Abstriche von der "Allzeit-Verfügbarkeit" machen.

Mit Franziska Brantner hat Palmer eine Partnerin gefunden, die seinem Tempo locker folgen kann. Die in Neuenburg am Rhein aufgewachsene Südbadenerin studierte in Paris und New York Politikwissenschaften und Volkswirtschaft und macht eben ihren Doktor an der Universität Mannheim. Sie wechselt standig zwischen Brüssel, Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Tübingen. Die mehrsprachige Abgeordnete sieht sich wie Palmer als politische Pragmatikerin, die mit Schwarz-Grün leben könnte.

"Wenn ich meine Ideen und Überzeugungen mit der CDU durchsetzen kann, dann mache ich das mit der CDU", sagt sie. Nur in Sachen direkte Demokratie gerät sie mit dem Referendumsliebhaber Palmer in Streit. "Die Minarette hat sie mir auch um die Ohren gehauen", sagt Palmer. Doch mit solchen Konflikten müsste Brantner klarkommen: Sie ist gelernte Mediatorin.

Autor: Raimund Weible