Pflegefamilie hatte nur wenig Kontakt

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Fr, 13. Oktober 2017

Südwest

Mordprozess gegen Hussein K.

FREIBURG. An Tag sechs im Prozess gegen den des Mordes an einer Studentin beschuldigten Flüchtling Hussein K. sind pikante Details ans Licht gekommen: So behauptete sein inzwischen 18 Jahre alter Mitbewohner – ein iranischer Flüchtling, der sich mit K. eine Einliegerwohnung in der Freiburger Villa der Familie S. teilte –, der Angeklagte habe in seinem Zimmer Heroin konsumiert. Insgesamt sei er in der gemeinsamen Zeit mehr ab- als anwesend gewesen. K. sei bis zu zehn Tage am Stück nicht zu Hause gewesen.

Pflegemutter Samira S. (Name geändert) sei einmal am Tag zur Kontrolle gekommen und habe außerdem angeboten, für sie zu kochen und gemeinsam zu essen. Dies lehnten beide ab. Der Mitbewohner sagte auch aus, dass K. ihn gebeten habe, Samira S. anzulügen, falls diese nach ihm frage. Am Dienstag hatte eine Jugendamtsvertreterin des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald ausgesagt, die Familie habe immer abends zusammen gegessen. Wie diese Aussage in die Akte kam, ist rätselhaft, denn auch Samira S. hatte am Dienstag ausgesagt, dass die beiden gemeinsame Mahlzeiten abgelehnt hätten. Diesem Einzelgängertum widerspricht, dass der für Minderjährige zuständige Jugendhilfeträger "Wiese" die Familie S. formal als "Erziehungsstelle" führte – die intensivste, teuerste und engmaschigste Betreuungsform.

Auch zu Herkunft und Alter des Angeklagten machten die am Donnerstag geladenen Zeugen unterschiedliche Angaben. Seinem iranischen Mitbewohner soll K. gesagt haben, dass auch er Iraner sei; vor Gericht hatte K. gesagt, Afghane zu sein. Ein anderer damals minderjähriger Flüchtling, der mit K. in einer Jugendeinrichtung im Münstertal ein Zimmer teilte, sagte am Donnerstag aus, K. habe ihm gesagt, dass er schon 24 sei.