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08. Februar 2012

Renner tritt gegen Turner an

Der frühere Sozialminister will der Kandidat der Stuttgarter CDU für den Oberbürgermeisterposten werden.

  1. Fritz Kuhn Foto: dapd (2)/dpa

  2. Andreas Renner Foto: dpa

  3. Sebastian Turner Foto: dapd

STUTTGART. Stuttgarts Oberbürgermeisterposten ist begehrt. Nun will auch Andreas Renner (CDU), der frühere Sozialminister und OB von Singen, antreten. Ob die Partei ihn oder den parteilosen Sebastian Turner nominiert, ist offen.

Der Ort passt zum Kandidaten. Andreas Renner hat die Presse in die "Academie der schönsten Künste" geladen, das Szene-Café mit dem Bohemien-Flair, wo sich Stuttgarter Freiberufler, Studenten, aber auch Juristen aus den nahen Gerichten treffen. Im Nebenraum begründet der 52-jährige Christdemokrat, warum er ins Rennen um den in elf Monaten freiwerdenden OB-Sessel einsteigt: Nachdem der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann seinen Favoriten, den parteilosen Werbeunternehmer Sebastian Turner, als Schuster-Nachfolger präsentiert hatte, "bin ich fast bestürmt worden". Viele in der CDU wollten, dass in der Landeshauptstadt bewusst die Parteiflagge gezeigt wird – schon weil die Grünen und Roten im Land das Sagen haben.

Von Renner, der schon vor 20 Jahren Schwarz-Grün propagiert hatte, versprechen sich nicht nur Jungunionisten, dass er Wähler aus dem grüngeneigten Bürgertum abholen kann. Am 17. März sind die 3250 Stuttgarter Christdemokraten aufgefordert, sich zwischen den beiden Kandidaten zu entscheiden.

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Dass schon der innerparteiliche Wahlkampf in der chronisch zerstrittenen CDU kein Spaziergang wird, weiß Renner. Fair soll es zugehen und keiner beschädigt werden, weder Kandidaten noch der Kreisvorsitzende. Natürlich hat der erfahrene Politiker "hohen Respekt vor der Aufgabe im Stuttgarter Rathaus, ich weiß, auf was ich mich einlasse". Der gebürtige Stockacher und bekennende Fastnachtsfan, der in Konstanz Verwaltungswissenschaften studiert hatte, weiß, dass er einiges in die Waagschale zu werfen hat: Mit 34 Jahren wurde Renner in Singen jüngster OB im Land, auch die Wiederwahl bestand er mit Bravour. Dann holte Günther Oettinger seinen für eine moderne, urbane CDU stehende Freund im April 2005 in sein erstes Kabinett. Die Zeit als Sozialminister "hätte nach meinem Geschmack länger sein können", spielte Renner auf seinen Rücktritt 2006 an – nach einer flapsig-ungehörigen Äußerung gegenüber dem Rottenburger Bischof. Auch fehlt in keinem Archiveintrag zu Renner, dass er über den US-Präsidenten Bush einst sagte, der gehöre "abgeschossen". Das CDU-Bundesvorstandsmitglied zog sich bis hin zur Kanzlerin geballte Kritik zu. Renner sagt nun von sich, er sei älter, zurückhaltender, angemessener geworden.

Am Donnerstag wird die grüne Findungskommission wohl einstimmig ihren Favoriten Fritz Kuhn der Partei für die Kandidatenwahl am 15. März vorschlagen. "Das ist schon eine Hausnummer", sagt Renner anerkennend über den Berliner Politprofi. Kuhn sind Turner wie Renner willkommen: "Ich setze auf einen fairen Wahlkampf und die guten Argumente." Aufs Argumentieren versteht sich der in Bad Mergentheim geborene Kuhn. Gelernt hat es der 56-jährige Sprachwissenschaftler in den Rhetorikseminaren an der Uni Tübingen. Einen "exzellenten Kandidaten" nannte der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag den zumindest vorläufigen Stuttgart-Rückkehrer.

Autor: Bettina Wieselmann