Freiburg

Rüstungsgegner kaufen Aktien von Waffenbauer Heckler & Koch

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

So, 04. Februar 2018 um 12:37 Uhr

Südwest

Der Freiburger Friedensaktivist Jürgen Grässlin und zwei Dutzend Mitstreiter wollen Druck machen auf den Waffenhersteller Heckler & Koch – mit den Waffen eines Aktionärs.

Am Samstagnachmittag kamen Grässlin und andere Rüstungsgegner in Freiburg zusammen, um die "Kritischen Aktionär*innen Heckler & Koch" zu gründen. Diese Gruppe will auf den Aktionärstreffen des Gewehr- und Pistolenproduzenten aus Oberndorf am Neckar kritische Fragen stellen nach Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete.

Grässlin sagte im Gespräch mit der Badischen Zeitung, Waffenlieferungen in Staaten wie Malaysia, Indonesien, Katar und Südkorea müssten sofort gestoppt werden. Heckler & Koch habe "schwere Schuld auf sich geladen mit Kriegswaffenexporten in Länder, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen", sagte der gebürtige Lörracher, der als Lehrer arbeitet und der mit zahlreichen Veröffentlichungen zu einem der bekanntesten deutschen Rüstungsgegner geworden ist.

Wenn jemand eine Aktie eines Unternehmens kauft, wird er damit zum Miteigentümer. Er hat dann Zugang zur Hauptversammlung, dem jährlichen Treffen der Aktionäre. Diese Bühne wollen Grässlin und seine Mitstreiter verstärkt nutzen, um die von ihnen kritisierten Rüstungsgeschäfte anzuprangern.

Grässlin sagte, er selbst habe im vergangenen Jahr zwei Aktien von Heckler & Koch erworben und auch seine Ehefrau besitze welche.

Grässlin kündigte an, dass die Kritischen Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung von Heckler & Koch im Sommer den Antrag stellen werden, die Vorstände nicht zu entlasten. Außerdem forderten die Rüstungsgegner den Vorstand des Rüstungsunternehmens auf, einen Fonds "für jene Millionen Menschen einzurichten, die von Gewehren und Pistolen des Unternehmens verletzt wurden, und für jene Familien, deren Angehörige durch den Einsatz dieser Waffen ums Leben gekommen sind."