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04. September 2010
Sanftes Einrollen auf die große Wahltour
Energiedorf, Schokoladenfabrik, vorbildliche Ausbildungsbetriebe – Ministerpräsident Stefan Mappus unterwegs auf Besuchstour in Südbaden.
Ach, könnte das politische Leben doch immer so süß sein wie in diesem Moment: Stefan Mappus im hygienischen Schutzmantel und einem Haarhäubchen auf dem Kopf streicht nachgerade liebevoll braune Masse aus, geht mit dem Spachtel durchaus geschickt vor und – bastelt sich eine Schokoladentafel. Und dann gibt es noch eine Tafel in Form des Bundeslandes. Das ist der süßeste Termin seiner Sommertour, die den Landeschef der CDU zu fünf Dutzend Terminen zwei Wochen lang durchs Land führt. Und hier, bei Milka in Lörrach, kann Mappus für einen Moment vergessen, dass im heimischen Stuttgart schon wieder Ärger droht. Egal, wie schlecht die Meinungsumfragen für die Union auch ausfallen mögen – "Sie können sofort anfangen", verspricht ein Schokoladenmeister, und Mappus dankt artig "für den leckersten Termin der Tour".
Mappus kommt im Mapbus. Was mitnichten ein Tippfehler ist, sondern ein Wortspiel, das ein kleinwenig an das Guidomobil erinnert, Westerwelles fast vergessenen Wahlkampfwagen. Zumeist steigt er allerdings erst kurz vorher von der Dienstlimousine in den Mapbus, denn das Land will auch in den Ferien regiert werden, und sei es vom Handy aus. Deshalb erreicht ihn jede Entwicklung selbst im funklochbehafteten Südschwarzwald letztendlich doch. Wie die Volte des SPD-Chefs Nils Schmid in Sachen Stuttgart 21, für die Mappus zunächst nur Kopfschütteln übrig hat.
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Meist sind die Themen aber auch schon da, wie gestern in Freiamt. Vor der Kurhalle der energieautarken Gemeinde warten zwei Anti-Atom-Demonstranten, die still ihre Plakate in die Höhe recken und die dem Tross aus Kleinbussen, Staatslimousinen, Polizeimotorrädern und Krankenwagen auch zur nächsten Station nachfahren, dem Bauernhof von Helga und Walter Schneider die in der vierten Generation ihre Landwirtschaft auf dem "Schillinger Berg" betreiben und nun keine Nachfolger finden. Und weil man in der Einöde mit Wald und Kühen immer schwerer seinen Unterhalt verdient, erklären die beiden der Delegation, wie sie Wind und Sonne nutzen und ein Drittel ihrer Einkünfte nicht mehr aus dem Boden, sondern vom Himmel gewinnen.
Der Dialog vor Ort ist ihm wichtig, ebenso "die Gelegenheit zur Information". In beide Richtungen. Es schadet einem Spitzenpolitiker nicht, wenn er Einblicke gewinnt in das Leben von Bergbauern, Schokoladenfabrikanten oder die Produktion von Tankautomaten. Aber vor allem ist die Sommertour auch eine Generalprobe für den Landtagswahlkampf, in dem der Mapbus erneut auf Tour gehen wird. Den Hinweis seiner Mitarbeiter braucht er dann nicht mehr: "Fröhlich aussteigen", mahnen sie den Chef, denn schließlich sind die Kameras dabei, wann immer Mappus dem Mapbus entsteigt. Nicht zuletzt will Mappus auch selbst Informationen rüberbringen. Ärgerlich wird er nur, "wenn mir was Negatives unterstellt wird". Dann schnauzt er auch schon mal die braven Kernkraftgegner an, die ihn im Laufen erneut in eine Diskussion über die weltweiten Sicherheitsbestimmungen beim Uranabbau verwickeln: "Kommen Sie mir nicht mit Tansania".
Die Stimmung an der Basis scheint so schlecht nicht – auch wenn diese Basis häufig aus Parteigängern, Landräten und Bürgermeistern besteht. Aber ausgerechnet in Südbaden zu hören, dass man dort hinter Stuttgart 21 steht ("mehr als die Schwaben"), das gefällt ihm besonders – gerade an diesem Tag, an dem er auch im Bus darüber sinniert, wie er beim wichtigsten Infrastrukturprojekt des Landes Ängste abbauen und komplizierte Sachverhalte erklären kann. In der Landeshauptstadt fürchtet Mappus nicht nur den Aufstand gegen den Bahnhofsneubau, sondern "eine Bewegung gegen die Politik". Dagegen setze er auf Stetigkeit und die Erkenntnis, dass "gute Politik darin liegt, das Richtige zu machen und zu kommunizieren".
Profil gewinnen, sich zeigen. Nicht auf jedem Heckenbeerlesfest herumturnen wie einst Günther Oettinger. Eben sein Prinzip der Stetigkeit glaubhaft zu vermitteln, sei ihm wichtiger. Auf Bürgerempfängen wie in Bad Säckingen am gestrigen Abend versucht er dies in der Gewissheit, dass "auf dem Land die Leute die Dinge oft differenzierter" sähen.
Kurz zuvor, in Bonndorf, wird Mappus im Schnellgang durch zwei Unternehmen geführt, die vorbildlich bei der Lehrlingsausbildung kooperieren. Hier werden Elektromotoren, dort elektronische Parkautomaten gefertigt in Unternehmen, die sich schwer tun mit der Gewinnung von Fachkräften und die deshalb auf eigene Ausbildung setzen. Firmenchef Stefan Forster von Hecatronik überreicht ihm zum Abschied ein Büchlein mit dem Firmenslogan. Der heißt: "Schneller glücklich". Für sein Wahlziel, die "40 Prozent plus x", wird Mappus wohl noch ein wenig länger strampeln müssen.
Autor: Andreas Böhme
