Schlechte Noten für das Land

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Do, 12. Oktober 2017

Südwest

Südwesten rutscht bei Vergleich von Viertklässlern ab / Grüne: Grundschule muss gestärkt werden.

STUTTGART/BERLIN. Baden-Württemberg erhält erneut ein miserables Zeugnis für seine Schulpolitik. Laut einer noch unveröffentlichten Studie haben sich Viertklässler aus dem Südwesten in Mathe und Deutsch massiv verschlechtert. Die Grünen wollen als Reaktion die Grundschulen stärken.

Nach BZ-Informationen fällt das Land beim renommierten Ländervergleich des in Berlin ansässigen Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) auf den zweitletzten Platz zurück. Im Jahr 2011 hatte es eine ähnliche Untersuchung schon einmal gegeben; damals war Baden-Württemberg noch unter den fünf besten Ländern gelistet. Nun schneidet nur noch der Stadtstaat Bremen schlechter ab.

Der Studie zufolge ist das Niveau der Viertklässler in Deutsch und Mathe in ganz Deutschland gesunken, besonders stark aber in Baden-Württemberg. Die Bildungsexperten befürchten sogar, dass die Talsohle der Leistungen im Südwesten noch nicht erreicht ist. Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung: Offenkundig hat kein Bundesland eine nachhaltige Antwort auf die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft.

Am IQB-Bildungstrend 2016 haben 30 000 Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus mehr als 1500 Schulen teilgenommen. Die Ergebnisse der Studie im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) werden offiziell erst am Freitag in Berlin vorgestellt. Aber schon jetzt stellt sich die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart auf das neuerliche Desaster ein.

Bereits beim vorherigen IQB-Ländervergleich war Baden-Württemberg nach hinten durchgereicht worden. Im vergangenen Herbst war eine Untersuchung über das Können von Neuntklässlern vor allem in Deutsch (Lesen und Schreiben) veröffentlicht worden. Demnach war der Südwesten gegenüber der vorherigen Studie 2010 im Vergleich der Länder vom zweiten Platz ins Mittelfeld abgerutscht. Seither gilt: Baden-Württembergs Schulen haben ein Qualitätsproblem.

In einem Konzeptpapier fordert nun Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz weitere Anstrengungen, um die Grundschulen aufzuwerten. So sollen die Schulleitungen gestärkt und die "Besoldung der Funktionsämter an kleinen Grundschulen auf A 13 angehoben werden", heißt es in dem Papier. Um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen, dringen die Grünen zudem auf 200 zusätzliche Ausbildungsplätze an den Pädagogischen Hochschulen für das Grundschullehramt. In der Lehrerausbildung selbst soll die Fachlichkeit eine größere Rolle spielen. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, soll die Studienzeit von acht auf zehn Semester erhöht werden. "Wir werden alles dafür tun, die Qualität an unseren Grundschulen zu verbessern", sagte Schwarz.