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17. Oktober 2009 01:16 Uhr
Zweisprachige Kultur
"Sprache soll sexy sein"
Eine charmante Kampagne soll junge Elsässer davon überzeugen, Deutsch und Dialekt zu lernen. Mit einem Lächeln lässt sich selbst die deutsche Sprache verkaufen.
"L’allemand? L’alsacien? Pas si kompliziert et très freundlich." So lautet einer der Slogans einer Plakatkampagne, die im Elsass für die deutsche Sprache und den elsässischen Dialekt wirbt. Sie soll junge Leute ansprechen, die Heranwachsenden, denen die zweisprachige Kultur der Region nicht mehr von den Eltern vermittelt worden ist.
"Innerhalb von zwei, drei Generationen ist beinahe alles verschwunden, was einmal selbstverständlich war", sagt Christian Ruppert, Chef der Straßburger Werbeagentur Grafiti. Ruppert zog einen extravagant anmutenden Auftrag an Land: Eine Kampagne erfinden, die eine schwindende Kultur und Sprache bewerben soll.
"Das Elsass muss sich sehr schnell auf seine Wurzeln besinnen, bevor es zu spät ist", warnt André Reichardt, der Präsident der Region Elsass, die gemeinsam mit den beiden Départements und der Straßburger Schulbehörde hinter dem Auftrag steht. Es gilt im Elsass als offenes Geheimnis, dass mit dem Verschwinden des Dialekts nicht nur ein Stück der regionalen Kultur verloren geht. Die Elsässer verspielen einen Trumpf auf dem Arbeitsmarkt und eine einzigartige Basis für das Erlernen der deutschen Sprache, argumentieren vor allem Wirtschaftsleute. "Und Deutsch ist die in Europa am meisten gesprochene Sprache", sagt Agenturchef Ruppert.
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Wer für das Deutsche wirbt, kämpft allerdings mit dessen schlechtem Image. Deutsch gilt bei jungen Franzosen als äußerst schwierig. Traditionell drängen ehrgeizige Eltern ihre Sprösslinge zum Deutschunterricht. Wer "la langue de Goethe" lernt, beweist seine Intelligenz. Bei den 13- und 14-Jährigen, hat Ruppert im Vorfeld der Kampagne recherchiert, sehe es noch schlimmer aus: Außer Tokio Hotel kennen sie von Deutschland nichts.
Es gilt also den Karren aus dem Dreck zu ziehen, bevor es zu spät ist. Aus der Sicht des Werbers braucht es dazu ein wenig Gefühl und auch ein Quäntchen Überzeugungskraft. Denn ganz ohne Argumente lassen sich junge Leute wohl doch nicht zum Deutschlernen bewegen. Drei verschiedene Plakatmotive mit wahlweise einem sympathischen Paar, einem aufstrebenden Auszubildenden und einem frechen Mädchen mit Schwimmbrille verbinden "L’allemand" und L’alsacien" mit positiven Werten: freundlich, effizient, vertraut. Die Slogans vermischen auf charmante Weise die Sprachen, ganz so, wie es in der französischen Jugendsprache üblich ist. "Wer eine Fremdsprache lernen soll, muss Lust darauf haben", sagt Ruppert. "Sprache soll sexy sein." Von so viel Enthusiasmus könnten sich die Goethe-Institute ein Stück abschneiden.
Autor: Bärbel Nückles
